ARD-Tatort: "Das war eine verrückte Zeit"

München - Die Spur führt diesmal mehr als vierzig Jahre zurück. Im blühenden Rotlichtviertel der Schwanthalerstraße finden zwei Prostituierte einen gewaltsamen Tod. Die Morde wurden niemals aufgeklärt. Nun taucht durch Zufall die Tatwaffe auf und führt die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) dazu, die alten Akten wieder abzustauben.

Zur Seite steht ihnen ein erfahrener Kommissar. Doch der neue Kollege, der sich mit "Opa Sirsch" vorstellt, entpuppt sich schon bald als maulfauler alter Kauz, der die Arbeit eher behindert als vorantreibt, etwa indem er behauptet, von Computern und Internet keine Ahnung zu haben: "Des Emil, des kenn i ned."

Auch Fred Stillkrauth ist des Mailens nicht mächtig. Ansonsten habe ihn "Der oide Depp", die Titelrolle im neuen BR-"Tatort" (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr), jedoch schon längst wieder verlassen. So wie die meisten Rollen, die der Film- und Theaterschauspieler, Jahrgang 1939, in seinem Leben gespielt hat - ob 1977 in Sam Peckinpahs "Steiner - Das eiserne Kreuz" ("Das ist ja schon ewig lang her, da war ich ja ein junger Bua") oder 1990 in Michael Verhoevens "Das schreckliche Mädchen", ob in seinen zahlreichen deutschen Fernsehproduktionen oder den ungezählten Theaterrollen, die er seit 30 Jahren am Bayerischen Staatsschauspiel übernimmt. Lieber schaut Fred Stillkrauth nach vorn: "Man muss mit dem Herzen immer dabei sein, wo man grade ist, das geht ja gar nicht anders."

"Der oide Depp" - schon allein den Titel fand Stillkrauth wunderbar. Doch was macht denn seinen Opa Sirsch zum "oiden Deppen"? "Naja, er hat sich halt 30 oder 40 Jahre lang zurückgezogen und kommt nun wieder, um etwas aufzuklären. Diese Zeit ist ja nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Er ist schon sehr in sich gekehrt, ein sehr Mürrischer."

Wenn Stillkrauth, der in den Münchner "Tatorten" schon mehrmals in Nebenrollen zu sehen war, auf Alexander Adolphs Drehbuch und Michael Gutmanns Regie zu sprechen kommt, gerät er unvermittelt ins Schwärmen: "Ein unglaublicher Glücksfall!" Mit einem so fabelhaften Buch sei es eine sehr schöne Arbeit gewesen.

Das München der Sechzigerjahre, in das der neue "Tatort" immer wieder - in nachgedrehten Szenen ebenso wie in authentischen Filmdokumenten - changiert, kennt auch der geborene Münchner Stillkrauth. Wenn auch natürlich aus einer ganz anderen Perspektive. Seine Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule war gerade beendet, er spielte am privaten Jugendtheater in der Reitmorstraße: "Das war eine verrückte Zeit. Das war ja grad so der Anfang vom Leben!" Regelrecht zurückversetzt werde er durch die Filmsequenzen aber nicht: "Man staunt nur und erinnert sich."

Dabei stand er dem unentwegten Wechsel von schwarzweißen Retrospektiven und heutigen Farbbildern anfangs sehr skeptisch gegenüber: "Ich hab' gedacht, das würd' furchtbar werden. Aber dass das jetzt so ineinander fließt, das finde ich sehr gelungen. Und man versteht es auch. Das ist ja die größte Befürchtung bei solchen Geschichten, dass man was in Schwarzweiß macht, und sofort klopft die halbe Nation an die Scheibe und sagt: Was ist jetzt los, jetzt ist die Farbe weg."

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