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Intensive Szenen, großartig gespielt von beiden: Armin Rohde (l.) und Maximilian Brückner.

Schauspiel-Duo dreht gemeinsam Miniserie

Rohde und Brückner im Interview: „Dann wird es schnell peinlich“

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München - Für die ARD-Miniserie „Pregau“ standen Armin Rohde und Maximilian Brückner gemeinsam vor der Kamera. Im Interview spricht das Duo auch über weitere Träume und Ziele im Job.

Armin Rohde springt auf. „Max!“, ruft er, nicht gerade leise, und schließt seinen Kollegen Maximilian Brückner in seine kräftigen Arme. Schulterklopfen. Liebevolles Lachen. Ein herzliches: „Wie geht es dir? Schön, dich zu sehen.“ So sieht echte Freude aus. Wiedersehensfreude genauer gesagt. Die beiden haben gerade Luther abgedreht (Sendetermin 2017) und davor gemeinsam für die vierteilige ARD-Miniserie Pregau vor der Kamera gestanden.

Die Dreharbeiten müssen ein großer Spaß gewesen sein, oder …?

Armin Rohde: Ja, das kann man so sagen! Ich lasse mir das künftig in meinen Vertrag reinschreiben.

Was?

Rohde: Na, dass ich nur noch mit ihm drehe. Mit Maximilian Brückner.

Maximilian Brückner: Super Idee.

Rohde: Es war einfach nur irre, wie wir miteinander gearbeitet haben. Es gibt Kollegen, da spielst du gar nicht mehr. Da denkst du gar nicht nach. Das läuft einfach und man hat Spaß. So war das. Herrlich.

Brückner: Er hat recht. Normalerweise falle ich nach einem Drehtag immer halb tot um, erst recht, wenn ich so viel Text habe wie in diesem Fall. Hier hatte ich am Abend aber immer so viel Energie, dass ich ganz oft noch einen Berg raufgelaufen bin.

Rohde: Also das habe ich jetzt nicht gemacht.

Sie rennen aber auch keine Berge hoch, wenn Sie nicht drehen, oder?

Rohde: Nicht wirklich (lacht laut).

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie gerne zusammen­ spielen?

Rohde: Das merkt man sofort. Das ist wie beim Verlieben. Das spielt sich innerhalb von Sekunden ab. Man riecht den Stallgeruch. Man spürt, ob einer echt ist oder nicht. Und: Ich denke, wir hatten beide das Gefühl, dass wir uns nichts mehr beweisen müssen. Das ist das Kostbarste überhaupt am Set. Sobald ein Schauspieler das Gefühl hat, er muss jetzt mal so richtig zeigen, was er kann, ist es eigentlich schon zu spät.

So eng wie in „Pregau“ haben Sie noch nie zusammengearbeitet, oder?

Rohde: Es war überhaupt unsere erste gemeinsame Arbeit.

Brückner: Nein, das stimmt nicht ganz. Vor vielen Jahren gab es den Film „Freche Mädchen“ mit dir in der Hauptrolle. Der wurde in Berchtesgaden auf einer Alm gedreht. Ich habe da so einen Alm-Öhi gespielt, eine kleine Rolle, keine große Sache. Aber ich habe damals schon gedacht, dass es cool ist, mit Armin Rohde zu drehen. Er ist einer der wenigen Kollegen, die jüngeren Schauspielern Tipps geben, ohne dass es blöd rüberkommt.

Rohde: Wobei das mit den Tipps schon eine heikle Geschichte ist.

Inwiefern?

Rohde: Das kann schnell anmaßend rüberkommen. Ich nehme allerdings selbst auch gerne Ratschläge an, ganz egal, von wem sie kommen - und wenn es der Pförtner oder die Putzfrau ist. Hauptsache, sie haben recht.

Ihr Regisseur Nils Willbrandt sagt, man könnte „Pregau“ als eine „Liebesgeschichte bezeichnen, als einen humorvollen Krimi, eine Oper, ein Drama …“ Was ist es für Sie?

Brückner: Für mich ist es vor allem ein Liebesfilm. Meine Figur macht schließlich alles aus Liebe zu seiner Frau. Er ist Kommissar, ein Durchschnittsbürger, der gleich mehrere Fehlentscheidungen trifft und dann zu einem anderen Menschen wird. Er entfesselt Kräfte in sich, von denen er gar nicht wusste, dass er sie hat. Er bekommt eine Stärke über die Abgründe, die er in sich findet. Das hat mich fasziniert.

Rohde: Und du spielst das so hammermäßig! Das hat für mich Weltformat.

Brückner: Das geht runter wie Öl.

Dirrmeyer (Rohde) wird Zeuge eines Verbrechens.

Rohde: Im Ernst. Ich mag es, wenn jemand die stärksten Gefühle doch „normal“ spielt und nicht übertrieben theatralisch. Schauen Sie doch mal nach Amerika. Diese jungen Stars da. Die nuscheln, was das Zeug hält, nur um irgendwie besonders zu wirken. Ich versteh manchmal kein Wort. Die denken vielleicht, dass ist Kunst oder so. Aber es ist nicht gut.

Apropos Amerika. „Pregau“ hat einige Anleihen bei „True Detective“. Wünschen Sie sich das als Schauspieler - den Blick über den großen Teich?

Rohde: Eigentlich denke ich, sobald wir versuchen, amerikanisch zu sein, wird es schnell peinlich. Wir sollten das machen, was wir können. Die Österreicher, das sieht man auch bei „Pregau“, machen das sehr gut. Die sind mutig - und haben großartige Schauspieler.

Brückner: Die Österreicher können dieses Bitterböse sehr sehr gut. Wie in Vorstadtweiber zum Beispiel. Wir haben auch gute Drehbücher in Deutschland, aber bei uns wird dann hier ein Bedenken angemeldet und dann dort … Ich würde mir mehr Mut wünschen.

Mehr Mut für eigene Geschichten?

Brückner: Ja! Wir müssen nicht irgendwelche US-Serien schlecht nachmachen. Um es so gut zu machen wie die drüben, haben wir gar nicht die Kohle. Ich fände eine Serie über den 30-jährigen Krieg zum Beispiel toll. Da könnte man alles reinpacken: Wer opfert wen? Wer liebt wen? Wer hasst wen? Das wäre großartig, wie „Game of Thrones“, nur eben auf Deutsch. Und nicht kopiert.

Rohde: Das wäre geil, aber hallo!

Wovon träumen Sie, Herr Rohde?

Rohde: Einer meiner großen Träume ist, hier mal einen Western zu drehen.

Geschichtsdrama, Western … Klingt, als wollten Sie eher weg vom Krimi.

Brückner: Ich mag Krimis sehr, habe aber das Gefühl, die Sache hat sich irgendwie verselbstständigt. Erst wollten es alle sehen, und nun gibt es kaum noch was anderes.

Rohde: Ja, das ist so ein Selbstläufer geworden. Dass die Zuschauer langsam genug davon haben, merkt man daran, dass der Münsteraner Tatort so erfolgreich ist. Das ist mehr Komödie als Krimi. Bei der Nachtschicht bedienen wir zum Teil auch einen schwarzen Humor, und das kommt gut an.

Diesen Humor hat auch „Pregau“.

Rohde: Ja, großartig. Aber eben nicht nur. Da ist viel Familie drin, viel Drama. Viel Spannung. Ich sag’s Ihnen ganz ehrlich: Ich habe noch nie in meinem Leben sechs Stunden hintereinander ferngeschaut. Ich mach so was nicht. Aber ich war selten so fasziniert von einer Produktion, an der ich beteiligt bin.

Interview: Stefanie Thyssen

Darum geht‘s in „Pregau“

Hannes Bucher (Brückner) mit Frau (Ursula Strauss, l.) und Nichte (Zoe Straub).

Pregau ist eine kleine Stadt in der österreichischen Steiermark. Der Polizist Hannes Bucher (Maximilian Brückner) lebt dort mit seiner Frau (großartig: Ursula Strauss) ein einigermaßen normales Leben - bis er von seiner Nichte verführt und in eine Spirale aus ­Lügen, Intrigen, Korruption, Gier und Gewalt bis hin zu Mord getrieben wird. Denn es gibt einen Zeugen für die pikanten Geschehnisse nachts auf dem weiten Feld: den eigenbrötlerischen Max Dirrmeyer (Armin Rohde) …

„Ein bisschen Dallas in den Alpen“ nennt Produzent Thomas Hroch die Koproduktion der ARD-Tochter Degeto und des ORF, und das trifft es gut. Pregau ist Krimi und Familiendrama zugleich, aufwendig produziert und mit einem schwarzhumorigen Zungenschlag, den nur die Österreicher können. Das Erste zeigt den Vierteiler am 25., 26., 27. und 28. Dezember, jeweils um 21.45 Uhr.

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