Adolf Hitler hinter den Gittern des Gefängnisses in Landsberg. Hier schrieb er "Mein Kampf".

Arte zeigt Film über die kritische Edition

Arte-Doku zu "Mein Kampf": So entstand Adolf Hitlers Hass-Schrift

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München - Arte zeigt einen Film über die kritische Edition von Adolf Hitlers "Mein Kampf", in der Lügen und Halbwahrheiten korrigiert werden.

„Hitler ist seit 70 Jahren tot – und darin liegt ein Problem“, heißt es zu Beginn des Films. „Er hat uns ein Erbe hinterlassen – seine Gedanken.“ Arte zeigt heute um 20.15 Uhr die Dokumentation „,Mein Kampf‘ – Das gefährliche Buch“. Denn 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen mit Ablauf des Jahres 2015 die Urheberrechte an dem Machwerk aus, die der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger dazu nutzte, Nachdrucke in Deutschland bislang zu verhindern. Das geht ab 2016 nicht mehr.

Das Original: "Mein Kampf", hier die Erstausgabe aus dem Jahr 1925. Untertitel: "Eine Abrechnung".

Ein ambitioniertes Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München will allen, die „Mein Kampf“ nun möglicherweise wieder auf den Markt werfen wollen, den Wind aus den Segeln nehmen. Am 8. Januar erscheint eine kommentierte Ausgabe der Hetzschrift – zwei Bände, 1948 Seiten, 3500 Anmerkungen, das Ganze zum Preis von 59 Euro. Damit der Anschein vermieden wird, ein Buchverlag wolle hier an Hitler verdienen, hat sich das Institut entschieden, die Bände im Eigenverlag herauszubringen. Renommierte Wissenschaftler haben jahrelang an dem Projekt gearbeitet. Die Dokumentation zeigt, mit welchen Schwierigkeiten das Projekt zu kämpfen hatte, das einst vom Freistaat Bayern initiiert wurde – bis Horst Seehofer (CSU) die staatliche Unterstützung nach einem Besuch in Israel völlig überraschend widerrief.

„Nackenschlag“ und „Tiefschlag“ nennt das der IfZ-Projektleiter Christian Hartmann. Im Film kommt auch die prominente Kritikerin des Projektes, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zu Wort, die bewegend von ihren Erinnerungen an die Nazizeit berichtet – ebenso wie die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer: „Meine Mutter hat keine Nummer bekommen. Sie ist gleich ins Gas gegangen.“

Die Passauer Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfenning versucht zu beschreiben, warum „Mein Kampf“ jahrelang nicht ernst genommen wurde. „Wir neigen dazu, Hitler lächerlich zu machen, uns über ihn lustig zu machen“, sagt sie in der Arte-Dokumentation. „Weil wir möglicherweise befürchten, dass wir in ihm etwas finden könnten, was auch in uns schlummert.“

Hitler schrieb die Hetzschrift im Jahr 1924 als Häftling in der Festung Landsberg. Er entwickelte darin unter anderem seine menschenverachtende „Rassentheorie“. Der erste Band erschien im Juli 1925, der zweite folgte im Dezember 1926. Interessant ist, dass „Mein Kampf“ viele autobiografische Bezüge enthält, die aber oft beschönigend und fehlerhaft sind. Dies wird in der kommentierten Edition nun akribisch mit Anmerkungen korrigiert.

Die kommentierte Ausgabe: Das zweibändige Werk des Münchner Instituts für Zeitgeschichte erscheint im Januar.

Schon zur Zeit der Weimarer Republik vor 1933 verkaufte sich das Buch gut – die Auflage betrug bis zur Machtübernahme der Nazis etwa 240 000 Stück. Nach 1933 war der Absatz des Buches gesichert – auch, weil jedes Paar bei der Eheschließung ein Buch im Standesamt bekam. Bis 1944, als die Produktion versiegte, erreichte „Mein Kampf“ in Deutschland eine Auflage von 9,8 Millionen Exemplaren, nach anderen Angaben sogar 12,5 Millionen. Forscher gehen heute davon, dass es sich um ein durchaus vielgelesenes Buch handelte.

„Aus dem Ideenschutt der Jahrhunderte baut er sich ein Weltbild zusammen“, sagt Hartmann vom IfZ. Er habe die Anfang der Zwanzigerjahre aktuellen Debatten, etwa zur Eugenik, aufgesogen und so Halbwahrheiten und Lügen verarbeitet. Vieles werde schon in kompromissloser Schärfe angesprochen. Nicht nur der Antisemitismus. So schreibt Hitler, „daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter Nachkommen unmöglich gemacht wird“ – eine klare Aussage zur Tötung behinderter Menschen. IfZ-Forscher Hartmann sagt: „Die Bereitschaft zum Mord, die ist in ,Mein Kampf‘ ganz klar zu erkennen.“

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