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Fein rausgeputzt: Knackeboul (r.) besucht Italien.

Neue Serie auf Arte

Klischees im Check: Wie ticken wir Europäer wirklich?

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Es gibt ja die tollsten Klischees über diverse Völker. Deutsche sind Spießer, Italiener wohnen bei Mama, Engländer haben kein Benehmen. Doch wie ticken wir Europäer wirklich?

München - Holländer sind dauerbekifft, Franzosen schon mittags betrunken, und von dem morbiden Humor der Österreicher wollen wir gar nicht erst anfangen. Alles nur Klischees? Der Schweizer Rapper Knackeboul ist durch zehn europäische Länder gereist, um Vorurteile zu überprüfen. Dabei entstanden sind herrlich komische, die Porträtierten nie ins Lächerliche ziehende Filme, die eines deutlich machen: die bunte Vielfalt Europas. Die sehr zu empfehlende Reihe Stereotyp strahlt Arte ab Montag aus. Nachmittags. Wie gut, dass es die Mediathek gibt. Wer noch im Büro hockt, sollte sie dringend später nachschauen.

Wie lauten die gängigen Klischees? So!

Schweden

Klischee: Blonde, blauäugige Liberale, die nur Elche mehr lieben als Gleichberechtigung.

Realität: Hier drehen Frauen feministische Pornos und die Boxweltmeisterin steigt nur in den Ring, wenn Nummernboys auftreten. Die Schweden tun wie Pippi Langstrumpf eben, was ihnen gefällt. (Sendung: 31. Mai, 16.20 Uhr)

Deutschland

Klischee: Ordnungsliebende Spießer, die keinen Humor haben, aber viel Freude an Verboten.

Realität: Stechschritt können wir, und Bier trinken auch. Da ist ein bisschen Spießigkeit doch gar nicht so schlimm. (30. Mai, 16.45 Uhr)

Zu Besuch im Brandenburg-Preußen Museum: Knackeboul (r.) probiert sich am Stechschritt.

Österreich

Klischee: Morbide, konservative Schnitzel-Fanatiker.

Realität: In der Langen Nacht der Museen in Wien war die längste Schlange die vor dem Bestattungsmuseum - zum Sarg-Probeliegen. Auf die Grabsteine schreiben sie ehrliche Worte über ihre Toten. Weil s’ Humor haben. Josef Hader: „Damit können wir vermeiden, uns ständig in die Fresse zu schlagen.“ (1. Juni, 16.20 Uhr)

Schweiz

Klischee: Käse essende Almöhis, und alle Millionäre.

Realität: Hunderte Käsesorten gibt es. Reich sind aber nicht alle Schweizer. Knackeboul besucht Obdachlose. Armut gibt’s auch in der Schweiz. (2. Juni, 16.20 Uhr)

Italien

Klischee: Pasta-verrückte Mafiosi, die alle noch bei Mama wohnen. 

Realität: Tatsächlich wohnen viele Italiener noch bei Mutti - vornehmlich aus finanziellen Gründen. Die beste Pizza gibt es beim Pizzafestival in Neapel. (29. Mai, 16.45 Uhr)

Spanien

Klischee: Schnellsprechende Stierkämpfer, die nach dem Tapasessen erst mal Siesta machen.

Realität: Die Siesta ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Dafür aber die Tapas. Und der Flamenco. Ach, Spanien! (31. Mai, 16.45 Uhr)

Tanzschritt: Knackeboul gefällt‘s in Spanien.

Frankreich

Klischee: Fremdgeher, die 100 Weinsorten kennen, aber keine Fremdsprache.

Realität: Die Franzosen trinken 45 Liter pro Jahr. Früher waren es bis zu 100 Liter. Aber sie machen das ja nicht zum Spaß - Weingenuss gilt als kulturelles Ritual. (30. Mai, 16.20 Uhr)

Niederlande

Klischee: Bekiffte Radler, die mit Wohnwagen die Straßen verstopfen. 

Realität: Die Holländer sind genauso genervt von langsamen Wohnwagen wie wir. Die Drogenpolitik ist nicht so liberal wie gedacht. Aber: Sie lieben Radeln. (1. Juni, 16.45 Uhr)

England

Klischee: Dauerbesoffene Hooligans, die rote Haare und kein Benehmen haben, aber dafür ungenießbares Essen.

Realität: Nein, nicht alle englischen Lords haben gute Manieren. Einer erklärt es: „Wer einmal drin ist, der kann sich beliebig danebenbenehmen. Alle anderen benehmen sich ordentlich, wir aber machen nur, was wir gerade wollen.“ Und sie lieben deutsche Frauen. (29. Mai, 16.15 Uhr)

Katja Kraft

Rapper Knackeboul im Interview: „Bin gar nicht neutral“

Inwiefern bist du denn so ein richtiger Schweizer?

Knackeboul: Das ist eine gute Frage... Also das Käse-Ding stimmt voll, ich liebe Käse. Und obwohl ich mich so als Künstler und Chaoten sehe, müssen die Uhren immer richtig gehen und die Züge pünktlich sein. 

Und die Neutralität? Stimmt es, dass du prädestiniert dafür warst, die Sendung zu machen, weil du als Schweizer sehr neutral an die Sachen herangehst?

Knackeboul: Überhaupt nicht! (Lacht) Ich habe eher durch die Reise gelernt, Sachen wirken zu lassen. Ich wollte sehr oft meine Meinung äußern oder etwas anprangern. Beispielsweise in England, als ich bei den Waffen-Narren war. Ich habe gelernt, in solchen Situationen mehr Schweizer zu sein. (Lacht)

Gab es ein Klischee, das so überhaupt nicht gestimmt hat?

Knackeboul: Die griechische Faulheit. Wir waren bei einer Familie, in der jeder zwei bis drei Jobs hat. Sie sind das Gegenteil von faul. Und trotzdem haben uns viele erklärt, dass die Lebensweise schon etwas entschleunigter ist. Das ist so ein Klischee, das eigentlich nicht stimmt, aber irgendwie doch. Das Wort faul sollte man durch entspannt ersetzen.

Sind Klischees gut oder schlecht?

Knackeboul: Ich glaube, solange man alles mit Humor nimmt und einen Sinn für Ironie - auch Selbstironie - hat, können Klischees identitätsstiftend sein. Nicht belehrend, sondern stets mit einem Augenzwinkern. Dann sind Klischees wunderbar.

Interview: Katja Kraft

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