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Andy Borg als Musikantenstadl-Gastgeber: Bis 2015 wurde die Sendung mit volkstümlicher Musik und Schlagern bis Ende 2015 verlängert worden.

Zukunft ungewiss 

Auch "Musikantenstadl" droht der Show-Tod

Berlin - Der deutschen Fernsehshow geht es nicht gut. Nicht nur neue Formate wie „Rising Star“ (RTL) stehen unter Druck, auch Klassiker wie der Musikantenstadl (ARD) schwächeln.

Sie ist eine der ältesten TV-Shows in Deutschland, nur einen Monat später als „Wetten, dass..?“ ging sie auf Sendung: Die Volksmusikshow „Musikantenstadl“, die die ARD auf Eurovisionsebene traditionell im Verbund mit dem Schweizer und dem Österreichischen Fernsehen produziert, gibt es seit März 1981 in Österreich. Seit April 1983 läuft sie auch in Deutschland. „Wetten, dass..?“ wird Ende des Jahres eingestellt, der „Stadl“ ist ein Wackelkandidat, die Verhandlungen der Senderverantwortlichen sind Zitterpartien. Wird auch er vom großen Showsterben im deutschen Fernsehen erfasst?

An diesem Samstag ist die insgesamt 224. Ausgabe inklusive Silvester-, Auslands- und Best-of-Sendungen mit Moderator Andy Borg live aus Passau im „Ersten“ zu sehen. „Der Stadl - das ist ein Stück Tradition, etwa so, als würde die Freiwillige Feuerwehr Buxtehude ihren 200. Geburtstag feiern“, sagte der 53-jährige Borg in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Aber er räumt auch im Hinblick auf die Zukunft der Show ein: „Ich kann nicht für alle Zeiten sprechen, aber es liegt doch auch in der Natur der Sache, dass Altes geht und Neues kommt. Nichts ist für die Ewigkeit geschaffen.“

Noch keine Entscheidung für die Zukunft

In Deutschland ist der Bayerische Rundfunk (BR) für den Volksmusikklassiker verantwortlich, der thematisch ähnliche Schunkelshows wie den „Grand Prix der Volksmusik“ (ZDF), „Lustige Musikanten“ (ZDF), „Weihnachten mit Marianne und Michael“ (ZDF), den „Musikantendampfer“ (ARD) oder „Kein schöner Land“ (ARD) überlebt hat. „Derzeit laufen Gespräche mit allen Beteiligten auf Geschäftsleitungsebene“, sagt ein BR-Sprecher - der Intendant ist also zuständig. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen, wie es weitergeht. Die wird im Frühjahr 2015 getroffen.“ Fest steht, dass es 2015 fünf Ausgaben geben wird.

Die Sender schrauben ständig an ihren Formaten - Junge Zuschauer müssen her. Der Nachwuchs fehlt inzwischen nicht nur den alten Platzhirschen ARD und ZDF, auch den forscheren Privatsendern kommt er allmählich abhanden. Denn die jungen Leute finden das analoge TV alter Machart mit seinen Traditionssendungen nicht mehr interessant. „Den Stadl gibt es aber nur, weil wir uns nicht von modernen Erscheinungen haben beeinflussen lassen, unserem Publikum treubleiben und nicht krampfhaft verjüngen“, so Borg.

Borg selbst war indes selbst einer, der für den Verjüngungsprozess stand: Vor acht Jahren löste der gebürtige Wiener den gebürtigen Linzer und Showerfinder Karl Moik (76) ab und sollte allein durch sein Alter andere Zuschauerkreise erschließen. Die Sendung blieb jedoch weiter in der Diskussion. Einschaltquoten von mehr als sechs Millionen sind längst Geschichte, der Druck wächst. An den Gesprächen der Sender ist Borg nicht beteiligt: „Ich bin Handwerker, Dienstleister. Die wissen, dass ich mich auf der Bühne wohlfühle. Ob es weitergeht oder nicht, sagen die einem dann, wenn die Entscheidung feststeht.“

Hinter dem Format steht ein riesiger Absatzmarkt  

Im Vergleich zu anderen Showformaten steht bei der Volksmusik ein riesiger Absatzmarkt hinter der TV-Präsenz seiner Protagonisten. Rückendeckung bekam Borg in diesen Tagen auch von einem prominenten Duo der Szene. Die Wildecker Herzbuben („Herzilein“) forderten mehr Volksmusik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sie sei für viele Programmverantwortliche „was Dummes“, sagte Sänger Wilfried Gliem in einem Interview der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“. Es stehe jedem zu, die Musik schlecht zu finden. „Aber wenn ich in einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bin, habe ich einen Auftrag. Und dann muss ich auch alle Leute bedienen, die meine Gebühren bezahlen.“

Auch an diesem Samstag wird es für den „Stadl“ ein hartes Stück Arbeit werden. Denn RTL schickt eine neue Staffel seiner Show „Das Supertalent“ mit Model Lena Gercke, Poptitan Dieter Bohlen, Style-Ikone Bruce Darnell und Modedesigner Guido Maria Kretschmer auf die Reise. Und das ZDF schafft Platz für seine Star-Ermittlerin „Helen Dorn“ (Hauptrolle: Anna Loos), die bei ihrer Premiere im Frühjahr gute acht Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte.

dpa

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