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Der Aufklärer

München - Franz Alt, Ex-Fernsehjournalist und leidenschaftlicher Kämpfer für die Wende in der Energiepolitik, wird morgen 70.

Schon als Fernsehjournalist sah er sich vor allem als Aufklärer, als einer, der, wenn es der guten Sache dienlich war, auch einmal die Pflicht zur Objektivität vergaß. Doch längst ist ist Franz Alts Feld nicht mehr die (Tages-)Politik, sondern die Ökologie. Und auch hier gibt er sich leidenschaftlich. Weg von der Atomkraft und den fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Energien - das ist die Botschaft, die der frühere Moderator des Fernsehmagazins "Report", der morgen 70 Jahre alt wird, unaufhörlich predigt.

Es gebe kein Energieproblem, sondern "bloß die falsche Nutzung", so Alt, der vor allem auf die Kraft der Sonne setzt. Attribute wie "Apostel der Kollektoren" stören ihn nicht. Für ihn sei die Energiefrage nichts weniger als "die Überlebensfrage der Menschheit", sagt der in Untergrombach bei Bruchsal (Baden-Württemberg) geborene Journalist. Und seine These vertritt er bei Vorträgen rund um den Globus. Auf rund 240 Auftritte bringt er es im Jahr. Fernsehen macht er aktiv nicht mehr, seitdem er vor fünf Jahren in den Ruhestand ging. Seitdem widmet er sich außer Vorträgen vor allem dem Schreiben.

Er sei "menschlich gut behandelt worden", sagt Alt rückblickend über seinen langjährigen Arbeitgeber, den damaligen Südwestfunk (SWF), auch wenn man politisch gestritten habe. Seit 1968 arbeitete der promovierte Politikwissenschaft für den ARD-Sender, von 1972 bis 1992 war er Leiter und Moderator des Politmagazins "Report", mit dem er regelmäßig für Schlagzeilen sorgte. So beispielsweise im Jahr 1979, als er über Verbrechen an deutschen Zivilisten im Zweiten Weltkrieg und Verbrechen deutscher Wehrmachtsangehöriger berichtete. Ein Jahr später machte er mit Reportagen auf das Schicksal äthiopischer und somalischer Flüchtlingskinder aufmerksam, die noch während der Dreharbeiten vor den Kameras starben. Auf die während dieser Sendungen eingeblendeten Konten von Hilfsorganisationen gingen mehrere Millionen Mark an Spenden ein, was ihm innerhalb der ARD den Vorwurf des "Kampagnenjournalismus" einbrachte.

Ende des Jahres 1981 kritisierte CDU-Mitglied Alt im Zusammenhang mit dem ungewissen Schicksal von vietnamesischen Flüchtlingen auf der "Cap Anamur" die Praxis der Unions-Länderchefs in Sachen Asyl. Neuen Ärger handelte er sich mit der Berichterstattung über die Folgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl im Jahr 1986 ein. Die Katastrophe sei für ihn auch der Anlass gewesen, sich mit dem Thema Energie zu befassen, erinnert er sich. Das Festhalten der CDU/CSU an der Atomenergie ließ den bekennenden Katholiken im Jahr 1988 aus der Partei austreten.

Heftige Kritik übt Alt, der nach seinem Ausscheiden bei "Report" bis 2003 die "Zukunftsredaktion" des Südwestrundfunks (SWR) leitete und die 3 sat-Magazine "Querdenker" und "Grenzenlos" moderierte, an den aktuellen Sendeplätzen für die politischen Magazine im Ersten. "Die Kürzung der Sendezeit war ein großer Fehler der ARD-Obrigkeiten", meint er. In der Konsequenz seien die Beiträge kürzer und man könne nicht mehr so in die Tiefe gehen.

Seinen Kampf für eine Energiewende führt Franz Alt so kompromislos wie einst seinen Kampf für die Aufklärung des Fernsehpublikums - mitunter ohne Rücksicht auf Einwände von Experten. So werfen ihm Kritiker sein Engagement für den großflächigen Anbau von Chinaschilf als Energieträger Anfang der Neunzigerjahre vor. An seinem Ziel des vollständigen Verzichts auf die tradionellen Energieträger ("Wir müssen den hundertprozentigen Umstieg schaffen"), hält Alt eisern fest, wohl wissend, dass er in dieser Frage zwar überzeugen, aber nicht hexen kann. Dabei vollführte Alt einst als Hobbymagier "Francesco Altini" so manches Zauberkunststück.

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