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Eine Szene aus dem Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa“.

Interview mit Joachim Schroeder

Autor von Antisemitismus-Doku: „Das Beste, was passieren konnte“

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Die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“ hat für viel Aufregung gesorgt. Wir trafen den Autor des Films, Joachim Schroeder, zum Gespräch. 

Selten hat eine Dokumen­tation für so viel Wirbel ­gesorgt wie der Antisemitismus-Film Auserwählt und ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa. Der deutsch-französische Kulturkanal Arte hatte ihn ursprünglich beim WDR in Auftrag gegeben, sich aber wegen „gravierender Abweichungen vom Konzept und handwerklicher Mängel“ gegen eine Ausstrahlung entschieden. Der Beginn einer hitzigen Debatte, in die sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland eingeschaltet hat. „Der Film legt den Finger in schmerzhafte Wunden“, sagt die ehemalige Präsidentin Charlotte Knobloch. „Es wäre wichtig, dass viele Menschen ihn sehen.“ Gelegenheit gibt es nach zähem Ringen jetzt doch, heute um 22.15 Uhr in der ARD mit anschließender Diskussion bei Sandra Maischberger und um 23 Uhr auf Arte. Wir sprachen mit dem Autor ­Joachim Schroeder.

Herr Schroeder, eigentlich müssten Sie sich über die Debatte zu Ihrem Antisemitismus-Film freuen. Vermutlich schalten heute wesentlich mehr Menschen ein, als es bei einer Ausstrahlung nur auf Arte der Fall gewesen wäre…

Joachim Schroeder: Das stimmt. Für den Film und das Thema ist es das ­Beste, was passieren konnte.

„Mir war klar, dass sie diesen Film nicht lieben werden, weil wir eine Haltung einnehmen“

Und für Sie persönlich?

Schroeder: Natürlich nicht (lacht). Aber nachdem es fast ein Jahr gedauert hat, das Thema genehmigt zu bekommen, wusste ich, dass alle extrem sensibel sind. Arte Frankreich ist eingezwängt zwischen islamischer und jüdischer Lobby. Mir war klar, dass sie diesen Film nicht lieben werden, weil wir eine Haltung einnehmen. Aber meine Kollegin Sophie Hafner, die WDR-Redakteurin Sabine Rollberg und ich haben nicht damit gerechnet, dass sich die Verantwortlichen einfach wegducken würden.

Arte hat Ihren Film mit der Begründung abgelehnt, dass er gravierend vom genehmigten Konzept abweicht. Ein berechtigter Vorwurf?

Schroeder: So ein Unsinn. Hier haben wir es mit einem Fall zu tun, der im Grunde die ganze Produzentenbranche betrifft. Es ist völlig normal, dass man zum Zeitpunkt der Auftragserteilung kein drehfertiges Skript abgibt. Natürlich steckt in einem 90-minütigen Dokumentarfilm zu diesem Thema eine Menge Recherche. Das ist ein monatelanger, harter Prozess, der auch Geld kostet. Dass sich von einem Exposé am Anfang der Reise bis zur Ausstrahlung eine Menge verändert, sollte klar sein.

Joachim Schroeder, Autor des umstrittenen Dokumentarfilms „Auserwählt und ausgegrenzt“.

Gab es denn nie Gespräche oder die Gelegenheit, diese Abweichungen zu korrigieren?

Schroeder: Es ist eine Tatsache, dass Arte sich trotz vielfacher Anfragen der zuständigen Redakteurin inhaltlich nicht mit uns auseinandersetzen wollte. Ein Treffen am 19. Januar in Straßburg wurde zwei Tage vorher von französischer Seite abgesagt. Das kann ich nur so interpretieren, dass sie Angst vorm eigenen antisemitischen Tourette hatten, das ausbricht.

Auch der ausführende WDR, der den Film heute in der ARD zeigt und mit einer Diskussionsrunde begleitet, spricht von journalistisch-handwerklichen Mängeln. Können Sie das nachvollziehen?

Schroeder: Nein. Bis heute wurden uns die Kritikpunkte von Senderseite nicht dargelegt. Das sind ja auch nur Ausreden, mit denen sich die Verantwortlichen hinter Formalien verstecken, um ein echtes inhaltliches Gespräch zu vermeiden. Ich habe ja, nachdem das Treffen mit Arte im Januar geplatzt ist, sechs Experten um ihr Gutachten gebeten. Alles hoch angesehene Wissenschaftler, deren Expertisen von Arte komplett negiert wurden.

Werden Sie als Filme­macher heute in der anschließenden Talkrunde von Sandra Maischberger dabei sein?

Schroeder: Natürlich bin ich nicht eingeladen (lacht). Wir kennen das ganze interne Prozedere, und ich glaube, dass die ARD kein Interesse daran hat, dass wir unser Insiderwissen vor einem ­großen Publikum ausbreiten.

Interview: Astrid Kistner

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