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Axel Milberg (in der Tatort-Rolle des Kommisar Borowski) und Maren Eggert.

Interview mit Axel Milberg

"Mit heißem Herzen und kalten Augen"

München - Schauspieler Axel Milberg spricht im Interview über zehn Jahre als „Tatort“-Kommissar Borowski, seine Lust am Spiel und magische Momente.

Zum Jahresende schickt die ARD einen ihrer schroffsten „Tatort“-Ermittler auf Verbrecherjagd – Klaus Borowski, gespielt von Axel Milberg (57). Seit zehn Jahren ist Kiel nun Schauplatz äußerst bizarrer Kriminalfälle. Auch in der Jubiläumsfolge „Borowski und der Engel“, zu sehen am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten, geht es gewohnt abgrundtief böse zu. Der Kommissar und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) sind mit einem Autounfall befasst, bei dem ein Fußgänger getötet wurde. War es tatsächlich Mord, wie die Zeugin Sabrina Dobisch (Lavinia Wilson) behauptet? Die Zuschauer kennen die Antwort, was die Spannung jedoch nicht schmälert. In weiteren Rollen sind Leslie Malton, Victoria Trauttmansdorff und Bruno Cathomas zu sehen. Axel Milberg, gebürtiger Kieler, absolvierte Ende der Siebzigerjahre eine Schauspielausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule und gehörte von 1981 bis 1998 dem Ensemble der Münchner Kammerspiele an. Mit seiner zweiten Ehefrau Judith hat er Sohn August, aus seiner ersten stammt Sohn Moritz.

Als es vor zehn Jahren mit dem „Tatort“ losging wurden Sie gefragt, ob Sie Klaus Borowski mögen. Damals haben Sie Nein gesagt. Was sagen Sie heute? 

(Lacht.) Ich mag, wie ich ihn spiele. Aber ich bewahre Distanz zur Figur. Ich halte Borowski für überraschend, für unterhaltsam, für klug und damit interessant. Mittlerweile schreit er auch nicht mehr so laut rum wie am Anfang. Er signalisiert Interesse, Sympathie, Verständnis – umso mehr, wenn sein Gegenüber eine Frau ist.

Was schätzen Sie noch an diesem Kommissar? 

Er ist ein guter Schütze. (Schmunzelt.) Ich finde, er könnte etwas eitler sein. Aber das ist ihm nicht beizubringen. Immerhin hat er sich jetzt vom Cordsakko getrennt. Aber auch nur, weil es kaputt war.

Und das Sakko wird nicht wieder aus einer Kiste gekramt, wie die Jacke bei Schimanski?

Das Publikum liebt solche Spielereien, das stimmt. Aber die Zeiten ändern sich und mit ihnen Borowski – zumindest ein bisschen. Ich bin jemand, der sich nicht gerne wiederholt.

Es ist sicher kein Zufall, dass sich die Borowski-Drehbücher mit den Jahren verändert haben und der Fall mehr im Mittelpunkt steht als die Befindlichkeiten des Kommissars?

Nein, kein Zufall – wir hatten irgendwann einfach zu viel parallel zu erzählen. Die Tochter, der Ex-Knacki als väterlicher Freund, die Hörspiele auf Kassette. Dann die Fragen: Trinkt er Whisky oder Rotwein zuhause? Nimmt er sich Akten mit oder schaut er fern? Ich meine, es ist ein Fehler, diese ganzen Dinge an einen Krimi dranzuhängen, außer sie haben etwas direkt mit dem Fall zu tun. Ansonsten finde ich das langweilig. Wenn sich Autoren an diesen Details abarbeiten müssen – mühsam!

Wie sollte ein guter Krimi sein?

Es klingt banal, aber ich finde es wichtig, dass wir sehr gute Unterhaltung machen und dass ein Krimi vor allem spannend ist. Das Gemeine, Brutale, Kranke und ein ungläubiges Lachen in einem Moment, wo man nicht damit rechnet – das ist eine gute Mischung. Und das versuchen wir.

Haben Sie selbst unter den bisher insgesamt 22 Folgen Favoriten – vielleicht die beiden in Zusammenarbeit mit Henning Mankell entstandenen?

Insgesamt gibt es einige, in denen mir Vieles sehr gut gefällt und nur Weniges misslungen ist.

Sehen Sie sich selbst kritisch? 

Manche Dinge kann ich nicht verändern und manche Dinge eben schon – vor allem an mir selbst. Ich sehe mir mit heißem Herzen und kalten Augen den fertigen Film an. Immer. Das ist Teil unseres Berufs. Ich muss doch überprüfen, ob das, was ich in dem Augenblick zum Ausdruck bringen wollte oder gerade nicht, sich abbildet.

Was müsste geschehen, dass Sie den Dienst als „Tatort“-Kommissar quittieren?

Wenn ich nicht mehr die Unterstützung der Redaktion hätte. Ich bin zwar an prominenter Stelle, aber ich brauche Menschen um mich herum, die Dinge ähnlich sehen wie ich. Ein anderer Grund könnte sei, dass ich übersättigt wäre von dem Format. Das halte ich aber für ziemlich ausgeschlossen, weil ich außer Klaus Borowski noch vieles andere spiele.

Allein in den vergangenen drei Jahren sind es 13 zusätzliche Fernseh- und Kinoproduktionen. Ein beeindruckendes Pensum. 

Das Spielerische ist einfach in mir, das kostet mich keine Kraft. Ich bin auch nach einem 14-Stunden-Drehtag nicht erschöpft. Insofern glaube ich, dass das der richtige Beruf ist für mich. Er macht mich nicht müde. So wie ich mich heute fühle und das Publikum Borowski angenommen hat, sollten wir noch viele Jahre weitermachen.

Wie groß ist Ihre Sehnsucht nach der Bühne? Immerhin waren Sie ja 17 Jahre Mitglied des Ensembles der Münchner Kammerspiele.

Sie ist klein, aber sie ist da.

Und wie groß ist die Chance, Sie wieder auf der Bühne zu sehen?

Die Konstellation muss einfach stimmen. Es müssen die richtigen Leute sein, und da ich in München lebe, müsste es wohl auch hier sein. Aber wer weiß? Vielleicht möchte ich auch mal selber Regie führen. Je länger ich in diesem Beruf bin, desto mehr merke ich, dass ich nicht nur auf Zuruf arbeiten möchte.

Wie geht es Ihnen überhaupt als gebürtiger Kieler in München?

(Überlegt.) Orte sind für mich schön, wo meine Frau und die Kinder sind. Das ist München. Wenn ich in Kiel bin, erlebe ich eher eine Zeitreise. Da bin ich wieder der 17-jährige Schüler kurz vor dem Abitur, der verliebt ist, durch die Gegend schlurft und überlegt, ob Schauspielerei der richtige Beruf sein könnte oder ob ein Germanistikstudium nicht besser wäre. Nach Drehschluss fahre ich gern an bestimmte Plätze, am liebsten ganz allein, und verliere mich in Erinnerungen. Das ist wie eine Meditation. Das ist Kiel. Aber diese Magie von Orten kann ich auch woanders erleben.

Was macht Orte denn so magisch?

Das hat viel mit Momenten zu tun, die uns überwältigen und unvergesslich sind. Meine Frau und ich sind da sehr empfänglich. Wir beide können das Leben und die Augenblicke genießen. Das ist sehr besonders. (Schmunzelt.) Kitsch. Aber schön.

Das Gespräch führte Stefanie Backs.

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