Interview mit Barbara Eligmann

„Ich wollte kein zynisches Wrack werden“

„Willkommen bei ,Explosiv‘, mein Name ist Barbara Eligmann.“ Viele Jahre begrüßte die reserviert, fast kühl wirkende Moderatorin so täglich die Zuschauer bei RTL.

Dieser Satz verfolgt die Moderatorin bis heute. Es sei ihr persönliches „Theo wir fahr’n nach Lodz“, sagte die 49-Jährige kürzlich. Dabei hat sie das Boulevardmagazin „Explosiv“ bereits vor 13 Jahren verlassen. Heute startet auf Sat.1 die neue Staffel ihrer Sendung „Mieter in Not“ (mittwochs, 22.05 Uhr). Darin hilft Eligmann verweifelten Mietern, ihre Rechte gegenüber den Vermietern durchzusetzen.

Wie groß ist die Not der Mieter in Deutschland?

Größer als man denkt. Viele Mieter wissen gar nicht, welche Möglichkeiten und welche Rechte sie haben, um etwa Mängel in der Wohnung beseitigen zu lassen. Viele schlucken ihren Ärger runter, statt sich zu wehren, auch aus Angst, auf der Straße zu landen.

Werden Sie mit Anfragen von Mietern überschüttet?

Es haben sich unglaublich viele Menschen an uns gewandt. Einige Fälle haben sich zum Glück schon nach den ersten Recherchen geklärt, als die Vermieter gehört hatten, dass das Fernsehen an der Geschichte dran ist. Das ist natürlich toll, wenn schon die Androhung, den Fall ins Fernsehen zu bringen, genügt.

Ist Hilfe aus dem Fernsehen wirklich nötig?

Bevor Mieter zu einem Rechtsanwalt gehen, wenden sich viele tatsächlich an uns. Das liegt auch daran, dass die meisten nicht im Mieterverein sind oder keine entsprechende Rechtschutzversicherung haben.

Und Sie sind die Kämpferin für die Unterdrückten und Gepeinigten?

(Lacht.) Ich sehe mich eher als Vermittlerin und nicht als Engel mit Flammenschwert, der den Kampf mit dem Vermieter aufnimmt. Ich bin von Natur aus eher moderat und versuche, einvernehmliche Lösungen zu finden. Aber ich bin auch hartnäckig, spüre den Fällen nach, suche den Vermieter, um ihn zur Rede zu stellen. An meiner Seite habe ich zwei Rechtsanwälte, die das juristische Fachwissen mitbringen.

Wie reagieren die Vermieter auf Sie und Ihr Team? Einsichtig?

(Lacht schallend.) Einsicht? Nein. Die beste Reaktion eines Vermieters war: „Also, Frau Eligmann, dass Sie jetzt so etwas machen müssen! Dass Sie zu mir nach Hause kommen...!“ Der fühlte sich absolut im Recht, dabei lebten seine Mieter in menschenunwürdigen Zuständen. Ich habe es nicht für möglich gehalten, wie konsequent sich manche Vermieter wegducken und aus ihrer Verantwortung stehlen wollen. Wohnraum vermieten ist Geld verdienen im Schlaf – das ist das Motto vieler Vermieter. Ich kann das nicht nachvollziehen.

Bei „Mieter in Not“ geht es um echte Fälle und echte Menschen.

Ja, das war das Wichtigste für mich. Alles andere wäre Fiktion und das ist nicht meine Baustelle.

Viele andere Sendungen, die Alltagsprobleme thematisieren, greifen auf Laienschauspieler und ein konstruiertes Drehbuch zurück, die sogenannte Scripted Reality. Was halten Sie von diesem Trend?

Mich interessiert nur das, was wahr ist und nicht das, was wahr sein könnte. Aber an sich sind diese Formate am Nachmittag nichts Verwerfliches. Ich würde es jedoch gut finden, wenn sie als fiktiv gekennzeichnet wären – und das nicht klein im Abspann, sondern als Dauereinblendung. Um diese Uhrzeit haben doch meist Kinder und Jugendliche die Lufthoheit über die Fernbedienung – und die nehmen das, was sie sehen, meiner Erfahrung nach für bare Münze.

Sie waren ab 1992 acht Jahre lang das Gesicht der RTL-Sendung „Explosiv“, damals das erste Boulevardmagazin im deutschen Fernsehen. Sehen Sie es sich heute noch an?

Nein. Zu der Uhrzeit habe ich auch gar keine Zeit fernzusehen.

Und Sie blicken auch nicht wehmütig zurück?

Nein, das war eine ganz tolle Zeit, aber die ist abgeschlossen für mich. Das hätte jetzt auch keinen Platz mehr.

Sie haben sich nach Ihrem Abschied von „Explosiv“ auf Ihre Familie konzentriert.

Ich hatte insgesamt zwölf Jahre lang jeden Tag eine Fernsehsendung gemacht – da brauchte ich mal eine Auszeit. Dann ging es ja 2004 mit „Clever!“ bei Sat.1 weiter, und ich habe es genossen, mal einen anderen Arbeitsrhythmus zu haben.

Sie haben sich also der Kinder wegen einen anderen Job gesucht?

Ja, es kam aber noch ein weiterer Punkt hinzu. Ich war bei „Explosiv“ nicht nur Moderatorin sondern auch Redaktionsleiterin. Da beschäftigt man sich sehr intensiv mit vielen Themen über einen langen Zeitraum – und das sind oft traurige, dramatische, schreckliche Fälle. Ich hatte nach acht Jahren das Gefühl, unglaublich viel erlebt und mitgemacht zu haben – und ich wollte nicht so ein zynisches Wrack werden, das emotionslos über Verbrechen und Schicksale spricht. Da habe ich die Reißleine gezogen.

Wie groß ist die Gefahr, dass man in der schnelllebigen Medienbranche in Vergessenheit gerät, den Anschluss verliert?

Das weiß ich nicht, weil ich nicht so denke. Ich bin diejenige, die Regie führt, und entweder es passt für mich oder eben nicht. Ich mache nichts, nur um nicht aus dem Karussell geschubst zu werden.

Und Sie sind auch zufrieden mit Ihren Wissens- und Unterhaltungssendungen?

(Lacht.) Ich stehe zu allem, was ich mache und gemacht habe, von A bis Z, von „Explosiv“ bis „Mieter in Not“. Niemand hat mich dazu gezwungen.

Oder würde es Sie nicht doch wieder reizen, etwas Tägliches zu moderieren? Bei den „Tagesthemen“ könnte doch was frei werden?

Da gibt es doch schon eine Frau. (Lacht.) Nein, das ist nichts, was mich reizen würde.

Das Gespräch führte Stefanie Backs.

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