Bauernbub will Kaiser werden

- Auf der Suche nach guten Stoffen für Fernsehfilme ist das ZDF erneut bei Theaterklassikern fündig geworden. Nach Wedekinds "Lulu", Brechts "Baal" und Schillers "Kabale und Liebe" versucht sich der Mainzer Sender erneut an einem Bühnenstück. Zum 100. Todestag des norwegischen Autors Henrik Ibsen wird in neuer Fasung sein Drama "Peer Gynt" mit prominenter Besetzung auf Fernsehformat gebracht.

Die Szenen sind bereits weitgehend "im Kasten", berichtete Herstellungsleiter Rolf Klaußner. Die Dreharbeiten vor idyllischer Kulisse in Peenemünde auf der Insel Usedom (Mecklenburg-Vorpommern) gehen an diesem Mittwoch zu Ende. In den Hauptrollen spielen die Nachwuchsstars Robert Stadlober ("Crazy") als Peer Gynt und Karoline Herfurth ("Das Parfüm") als dessen Geliebte Solvejg.

Der Film wird erstmals am 13. Dezember auf Arte zu sehen sein, kündigte der Chef des ZDF-Theaterkanals, Wolfgang Bergmann, an. "Wir wollen so Theaterstoffe einem breiten Publikum näher bringen." Die Übertragung eines Bühnenstücks ins Fernsehen spreche nur einen kleinen Liebhaberkreis an. Das Genre des Theaterfilms werde im Gegensatz zum englischsprachigen Raum in Deutschland vernachlässigt. Warum Ibsen? "Seine Stücke sind zeitlos", sagte Bergmann. Doch schon vor Fertigstellung von "Peer Gynt" steht das nächste Projekt an: "Wir arbeiten derzeit an ,Maria Stuart’", so Bergmann, der über diese Produktion jedoch nicht mehr verraten wollte.

"Peer Gynt" erzählt im Original von einem norwegischen Bauernbuben, der Kaiser werden will. Als Hochstapler und Fantast fesselt er die Menschen mit seinen Geschichten, die Suche nach Abenteuern führt ihn auch in die Welt der Trolle und Dämonen. Letztlich findet er zu seiner Jugendliebe Solvejg zurück, die ihn in in jungen Jahren abwies, dann jeodh Jahrzehnte auf ihn wartete. "Ich habe das Stück in die heutige Zeit transferiert", so Regisseur Uwe Janson zu seiner Interpretation des Theaterstücks. Die einst rund vierstündige Aufführung wurde auf neunzig Filmminuten gekürzt. Von der starken Moralität der Ur-Fassung habe er sich etwas entfernt, sagte Janson. "Ich will Leichtigkeit und nicht den Zeigefinger." In seinem Film steht die Liebe im Vordergrund.

Den "Knopfgießer" - er verkörpert den Tod - spielt Ulrich Mühe ("Das Leben der Anderen"), Susanne-Marie Wrage ist Peers Mutter Aase. Die Musik zur rund 700 000 Euro teuren Produktion wird eine "ironische Interpretation" der ursprünglichen Vertonung durch Edvard Grieg, sagte Klaußner. Der hatte dazu 26 Musikstücke ("Peer Gynt"-Suiten) geschrieben. Der Film ist ein Gemeinschaftsprojekt des ZDF-Theaterkanals mit 3 sat und Arte.

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