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Ehrenpreisträger Gerhard Polt.

„Öha!“

Bayerischer Fernsehpreis: Polt räumt Ehrenpreis ab

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Groß, größer, Polt. Der mit Lob überschüttete Kabarettist und Ehrenpreisträger hat seine Würdigung beim Bayerischen Fernsehpreis mit einem „Öha!“ quittiert.

München - Die Laudationes bei Preisverleihungen sind nicht das Leichteste, vor allem, wenn es darum geht, Preisträgern gerecht zu werden, die als Männer oder Frauen des außerordentlich wohlgesetzten Wortes bekannt sind. Insofern hatte Bayerns Medienministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitagabend eine schwere Aufgabe, denn es ging darum, im Münchner Prinzregententheater dem Kabarettisten, Autor und Schauspieler Gerhard Polt den Ehrenpreis des diesjährigen Bayerischen Fernsehpreises zu überreichen. Die Ministerin, die stellvertretend für den wieder einmal abwesenden Landesvater Horst Seehofer den Blauen Panther übergab, löste diese Aufgabe überraschend witzig und selbstironisch.

„Wir liefern Ihnen kostenlos – und ungefragt – die Themen, Sie liefern scharfzüngige Analysen“, formulierte Aigner die „Arbeitsteilung“ zwischen Politikern und Spöttern. Und verkniff sich mit dem Lob für Polt nicht einen kleinen Seitenhieb gegen die Opposition im Landtag: „Diese Staatsregierung hat eine echte Opposition verdient!“ Kritik an der Politik sei jedoch nicht die Hauptsache bei Polt, größte Inspirationsquelle sei „schlicht das Leben“. Das Werk des 75-Jährigen sei „Ausdruck einer tiefen Zuneigung zu Bayern und seinen Menschen“, sein Erfolgsgeheimnis die „tiefe Grundentspanntheit“, formulierte die Ministerin. Der solchermaßen Geehrte stellte seine Grundentspannheit prompt unter Beweis. Er habe immer eine Dankesrede dabei, so Polt, dessen Worte dann jedoch ganz minimalistisch um den bairischen Ausruf „Öha!“ als Ausdruck „unbändigen Vor-sich-Hinstaunens“ kreisten. Allerdings: „So klingt es auch, wenn ich über ein Kind stolpere.“

Gehaltvolle Würdigungen

Auf diese und auf jene Weise gehaltvolle Würdigungen lieferten an diesem Abend auch andere Prominente. „Ihr Film hat mich aufgewühlt und durch seine Aufrichtigkeit beeindruckt“, sagte Filmemacherin Doris Dörrie über Katrin Nemec, Trägerin des Nachwuchsförderpreises. „Vom Lieben und Sterben“ (BR) handelt von Musiker Robert, der durch einen Unfall querschnittsgelähmt ist, und seiner jungen Frau Angelika. „Wir spüren durch diesen Film die tiefe Liebe dieses Paares“, so Dörrie.

Dass ihr Film „von den Zuschauern einen Perspektivwechsel verlangt“, hob Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan an Carmen Buttas und Gabriele Riedles Dokumentation „Die heimliche Revolution – Frauen in Saudi-Arabien“ (ZDF) hervor. Die Autorinnen dankten den Protagonistinnen ihres Films dafür, „sich vorgewagt zu haben“. Den Mut ihrer Informanten, sich offen zu äußern, unterstrichen auch die Macher der Reportage „Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg“ (ARD), Arndt Ginzel und Marcus Weller. Gegen Hass im Netz helfe nur „ergebnisoffene Recherche und große Reichweite“, sagte Ginzel mit Blick auf die in aller Regel späten Sendeplätze für Dokus.

Reschke mit Appell gegen Fremdenfeindlichkeit

Ein unüberhörbarer Appell kam schließlich von Fernsehjournalistin Anja Reschke, die die Laudatio auf Christian Schwochow, Regisseur des Fernsehfilms „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ (ARD) über die Terroristen des NSU, hielt. Es sei „die Aufgabe von uns allen, gegenzuhalten, wenn uns Fremdenfeindlichkeit als Normalität verkauft wird“, so Reschke. Lars Friedrich, Autor und Regisseur der BR-Dokumentation „Schwermut und Leichtigkeit – Dietls Reise“ widmete seinen Blauen Panther dem vor zwei Jahren gestorbenen Filmemacher.

Gegen die bewegenden Momente bei der Auszeichnung der dokumentarischen Produktionen fiel bei der von Steven Gätjen ausgesprochen launig moderierten Gala die Vergabe der Preise an die besten Schauspieler etwas ab. Das lag daran, dass Preisträgerin Sonja Gerhardt („Jack the Ripper“, Sat.1, „Ku’damm 56“, ZDF) „durch einen beruflichen Termin kurzzeitig verhindert ist“, wie die Laudatoren Nadja Uhl und Kai Wiesinger mitteilen mussten. Und Devid Striesow, der den Preis als bester Schauspieler für „Das weiße Kaninchen“ und „Luther“ (beide ARD) erhielt, fasste sich kurz. Es sei „seltsam“, für zwei so unterschiedliche Rollen wie einen pädophilen Kindermörder und den großen Reformator ausgezeichnet zu werden. Jedoch: „Ich nehme den Preis an!“

Rudolf Ogiermann

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