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Stolze Gewinnerin: Caroline Link erhielt am Freitagabend im Münchner Cuvilliés-Theater den mit 20 000 Euro dotierten Preis als beste Regisseurin für ihren Kinofilm "Im Winter ein Jahr".

Bayerischer Filmpreis

Bayerns Oscar-Verleihung

München - Im Rahmen einer festlichen Gala wurde am Freitagabend der Bayerische Filmpreis verliehen. Im Münchner Cuvilliés-Theater wurde Caroline Link als beste Regisseurin ausgezeichnet.

Zweimal Historienkino, und doch zwei denkbar unterschiedliche Projekte sind die großen Gewinner beim Bayerischen Filmpreis, der heuer zum 30. Mal verliehen wurde. Denn in diesem Jahr wurde die wichtigste Auszeichnung, der mit 200 000 Euro dotierte Produzentenpreis, geteilt: zwischen den Produzenten des Films "John Rabe" und Bernd Eichinger für "Der Baader Meinhof Komplex". Es gehört zu den Merkwürdigkeiten dieses nach dem Bundesfilmpreis höchstdotierten, aus Steuergeldern finanzierten Filmpreises der Republik, dass er sowohl an Filme verliehen werden kann, die längst im Kino gestartet sind (wie Eichingers RAF-Drama) als auch an Werke, die noch kein Zuschauer gesehen hat - wie "John Rabe".

Fotostrecke: Die Verleihung des Bayerischen Filmpreises

Der Bayerische Filmpreis

In den Film von Florian Gallenberger, Ex-Student an der Münchner Filmhochschule und Ex-Oscarpreisträger für den Kurzfilm "Quiero Sur", spielt Ulrich Tukur die Titelrolle. Rabe war Deutscher, der 1937 nach der japanischen Eroberung der chinesischen Stadt Nanking als es zu schlimmsten Massakern an der Zivilbevölkerung kam, vielen Chinesen das Leben rettete. Tukur wurde für sein Spiel als bester Schauspieler ausgezeichnet. Auch Caroline Links "Im Winter ein Jahr" bekam zwei Preise.

Sonderpreis der Jury: Franz Xaver Kroetz (l.) und Michael "Bully" Herbig erhielten ihn für ihre Rollen in "Die Geschichte vom Brandner Kaspar".

Der Bayerische Filmpreis ist Mitte Januar immer die erste Gelegenheit für die deutsche Filmbranche, um einerseits Bilanz zu ziehen, andererseits vorauszuschauen. Das Ergebnis fällt heuer denkbar gemischt aus: Denn in der zweiten Hälfte 2008 waren die Zuschauerzahlen in den deutschen Kinos und der Marktanteil deutscher Filme so gut wie lange nicht - wobei Besucherzahlen nichts über die Qualität der Produktionen verraten.

Die Beurteilung des bayerischen Films fällt heuer durchwachsen aus. Mit Peter Schamoni ehrt man einen Autorenfilmer im Großvateralter mit dem Ehrenpreis - die Autorenfilmer der Enkelgeneration heißen nicht zufällig "Berliner Schule". Bayerische Regisseure wie Marcus H. Rosenmüller ändern daran kaum etwas. Aus der Hauptstadt kommt die übergroße Mehrzahl der Filmkreativen der Gegenwart, das zeigen die übrigen deutschen Filmfestivals wie der gerade bekanntgegebene Berlinale-Wettbewerb: Mit Maren Ade und Hans Christian Schmid sind dort immerhin zwei Ex-Münchner vertreten.

Beste Nachwuchsdarstellerin: Karoline Herfurth spielt Lilli in Caroline Links Film "Im Winter ein Jahr".

Aus München kommt noch allenfalls gut ausgebildeter Nachwuchs - und das Geld der bayerischen Förderer. Doch wie man jenseits von Eichingers Firma Constantin eine solide, künstlerisch wie finanziell erfolgreiche Filmszene im Freistaat schaffen könnte - darauf gibt es einstweilen keine Antwort.

Ob nach dem Abend im Cuvilliés-Theater bei Bayerns Filmemachern viele Champagnerkorken knallten? Die Antwort muss offen bleiben - denn die Finanzkrise trifft auch das Kino.

Aber in der Krise, auch das weiß man, entstehen manchmal die besten Filmideen, und dann gehen die Leute gern ins Kino - zumindest zur Ablenkung.

Rüdiger Suchsland


Die Preisträger des Bayerischen Filmpreises

Mit dem Ehrenpreis zeichnete Ministerpräsident Horst Seehofer im Cuvilliés-Theater den Autor, Regisseur und Produzenten Peter Schamoni aus. Der Regiepreis (20 000 Euro) geht an Caroline Link für ihren Film "Im Winter ein Jahr". Der Produzentenpreis geht zu je 100 000 Euro an Mischa Hofmann, Benjamin Herrmann und Jan Mojto für "John Rabe" und an Bernd Eichinger für "Der Baader Meinhof Komplex".

Als beste Schauspielerin wurde Ursula Werner für die Rolle in "Wolke 9" ausgezeichnet (10 000 Euro). Ulrich Tukur ist bester Schauspieler (10 000 Euro für "John Rabe").

Der Drehbuchpreis (15 000 Euro) geht an Gernot Gricksch für das Skript des Filmes "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe".
Der Preis für die Bildgestaltung (15 000 Euro) geht an den Kameramann Michael Hammon ("Wolke 9"). Karoline Herfuhrt erhält den mit 10 000 Euro ausgezeichneten Preis als beste Nachwuchsdarstellerin für ihre Rolle in "Im Winter ein Jahr". Bester Nachwuchsregisseur ist Jan Fehse (10 000 Euro für "In jeder Sekunde"). Der Kinder- und Jugendfilmpreis (20 000 Euro) geht an den Film "Krabat".

Franz Xaver Kroetz und Michael "Bully" Herbig erhalten den Sonderpreis der Jury (10 000 Euro) für die Rollen in "Die Geschichte vom Brandner Kaspar". Der Preis für das Szenenbild/ Kostümbild (10 000 Euro) geht an Götz Weidner und Barbara Baum ("Buddenbrooks").

Der Preis der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken, dotiert mit 60 000 Euro, geht an die Münchner Filmwerkstatt e.V. für den Film "Der Rote Punkt".

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