Befreit und bankrott

Ottobrunn - Mal hieß es, Rudolf Blechschmidt werde bald aus afghanischer Geiselhaft freigelassen. Dann wieder, es gehe ihm gesundheitlich sehr schlecht. Was der 62-Jährige in dieser Zeit erlebte, erzählt er bei "Beckmann".

Rudolf Blechschmidt ist noch nicht so lange in Deutschland zurück, wie er in der Gewalt seiner Entführer ausharren musste. 84 Tage überstand er unter übelsten Bedingungen, um am 10. Oktober endlich einigermaßen unversehrt freizukommen. Nun lebt Blechschmidt wieder in Ottobrunn.

Um 22.45 Uhr schildert er heute bei "Beckmann" auch Hintergründe zu den Verhandlungen um seine Freilassung, zur Rolle der afghanischen Polizei sowie zum Scheitern einer frühzeitigen Befreiung. Seit 2003 arbeitete der Bauingenieur in Afghanistan. Am 18. Juli, dem Tag der Entführung, habe er mit seinem Mitarbeiter Rüdiger Diedrich unter vermeintlichem Polizeischutz einen beschädigten Staudammbegutachtet.

Nach nur zwei Tagen wurde sein Begleiter Diedrich erschossen, weil er krank war und nicht mehr weiterkonnte. "Ich versuchte, mit den Entführern zu reden: ,Lasst ihn doch hier und nehmt nur mich noch mit. Als ich gesagt habe, ich bleib' bei Diedrich, haben sie mich zusammengeschlagen und weggezogen. Nach 20 Minuten sind zwei Salven gefallen. Da hatte ich das Gefühl, dass Herr Diedrich wahrscheinlich tot ist."

Einmal verteidigte er seine Würde um jeden Preis: "Der Sadist, der mich ins Herz geschlossen hatte, gab mir den Munitionssack und sagte: ‚Lauf weiter hoch! Nach 150 Metern konnte ich den Sack nicht mehr tragen. Er hat seine AK47 durchgeladen, an meinen Bauch gehalten und gesagt: ‚Entweder trägst du den Sack rauf oder ich erschieß dich jetzt. Ich hab' den Lauf hochgenommen an die Stirn und geantwortet: ‚Erschieß mich, ich trag' den Sack nicht hoch. Ich lief den Hang hoch. Er stand unten, zielte auf mich. Ich hab mich oben hingesetzt, dann kam er mit dem Sack hoch."

Seinen Mut erklärt er so: "Furcht hat man immer. Aber entweder man erniedrigt sich bis aufs Letzte, oder man muss eine Grenze ziehen. Wenn sie überschritten wird, dann ist es vorbei." Seine Firma ist nach dreimonatiger Geiselhaft allerdings bankrott: "Ich hatte was aufgebaut, die richtigen Partner gehabt. Aber das ist das Schicksal, das kann man nicht entscheiden." Nach Afghanistan könne er jedenfalls nicht zurück.

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