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„Ich arbeite leidenschaftlich gern und möchte es auch weiterhin tun“: Christiane Hörbiger bekommt heute abend in München den „Blauen Panther“ für ihr Lebenswerk.

„Bei Slapstick bin ich nicht gut“

 Schauspielerin Christiane Hörbiger über Auszeichnungen, die Qualität des Programms und bevorzugte Rollen

Als dritte Frau in der Geschichte des Bayerischen Fernsehpreises (nach Uschi Glas und Hannelore Elsner) erhält die österreichische Schauspielerin Christiane Hörbiger (70) heute abend den „Blauen Panther“ für ihr Lebenswerk. Damit wird die in Wien geborene Tochter des Schauspielerpaares Attila Hörbiger und Paula Wessely nicht nur für ihre aktuellen Rollen in „Der Besuch der alten Dame“ (ARD) und „Zwei Ärzte sind einer zuviel“ (ZDF) geehrt. Die Jury würdigte vielmehr die Lebensleistung dieser „wahrhaften Diva“, die unter anderem mit Serien wie „Das Erbe der Guldenburgs“ (ZDF) und „Julia – eine ungewöhnliche Frau“ (ARD) ihr Publikum begeisterte, mit einem freizügigen Auftritt im Fernsehfilm „Mathilde liebt“ (ARD) aber auch für Schlagzeilen sorgte.

-Im April erhielten Sie den österreichischen Fernsehpreis „Platin Romy“, nun folgt der „Blaue Panther“, beide für Ihr Lebenswerk. Hat Sie diese Anhäufung überrascht?
Schon. Vor allem aber habe ich mich gefreut. Ich habe bereits einige Preise bekommen, aber dieser Ehrenpreis ist jetzt die absolute Krönung. Natürlich hat der Begriff „Lebenswerk“ immer auch etwas Abschließendes. Doch ich denke nicht, dass das Publikum nun sagt: „Jetzt hat sie den ,Blauen Panther‘ für’s Lebenswerk bekommen – jetzt wollen wir sie nicht mehr sehen.“

-Staatskanzleichef Siegfried Schneider hat Sie in diesem Zusammenhang als „wahrhafte Diva“ bezeichnet. Ist das für Sie ein Kompliment?
Diva?! Ja, doch, das ist schön, das empfinde ich tatsächlich als sehr schmeichelhaft.

-Sie sind erst die dritte Frau in zwanzig Jahren, die diesen Preis bekommt...
Ja, ist das nicht merkwürdig? Ich finde das erstaunlich!

-Könnte das daran liegen, dass man es als Frau einfach schwerer hat in diesem Beruf, insbesondere dann, wenn man älter wird?
Nein, ganz im Gegenteil! Ich glaube, dass sich das weibliche Publikum ab einem gewissen Alter besonders stark für Frauengeschichten und die Schicksale von Frauen interessiert. Und sind wir mal ehrlich: Wir Frauen bestimmen doch – wenn nicht gerade Fußball kommt – in der Regel, was am Abend gesehen wird. Dadurch gibt es eine Menge toller Rollen für weibliche Schauspieler.

-Bestimmen Sie daheim auch, was abends im Fernseher läuft?
Ich frage gar nicht, ich schaue einfach.

-Schauen Sie denn selbst viel fern?
Oh ja, sehr, sehr gerne. Fernsehspiele mit guten Schauspielern sind mir ein wirkliches Abendvergnügen. Aber ich schaue auch viele Informationssendungen, die gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern hervorragend sind.

-Das klingt jetzt nicht nach einer Medienschelte à la Marcel Reich-Ranicki...
Im Gegenteil! Gott sei Dank gibt es das deutsche Fernsehen. Es gibt wunderbare Filme und Fernsehspiele, und es gibt wunderbare Schauspieler allen Alters, die da ihr Bestes geben. Fernsehen ist für mich ein einzigartiges Vergnügen, das mir kein Kino und kein Theater bieten kann. Ich glaube nicht, dass ein anderes Land diese Qualität vorweisen kann.

-Es fällt auf, dass Sie in Fernsehspielen, aber auch in Serien häufig starke Frauenfiguren spielen. Sind Sie selbst so stark?
Ich wollte, ich wäre es. Vielleicht sind das immer die Wunschfiguren, die ich verkörpere? (Lacht.) Nein, ich suche meine Rollen anders aus. Ich muss dem Publikum nicht zeigen, dass ich wehklagen kann. Ich will gerade den Frauen – denn die schauen mich in der Mehrzahl an, wenn sie nicht ihre Männer zwingen, daneben sitzen zu bleiben – zeigen, dass man sich auf sich selbst besinnen und seinen eigenen Weg gehen muss. Es gibt immer ein Fünkchen Hoffnung, etwas, worüber man lächeln kann.

-Apropos Lächeln – Sie schaffen es, Komödien so zu spielen, dass sie humorvoll, nie aber albern wirken. Wie gelingt dieser Spagat?
Ich bin keine, die die Hosen runterlässt oder mit der Nase in den Teig fällt. Bei Slapstick bin ich nicht gut. Aber Ironie oder eine Art von Humor, auf den man ein bisschen langsamer kommt, das kann ich ganz gut und spiele es gern. Ich beobachte Menschen im Alltag und speichere Situationen ab. Dabei lache ich niemanden aus, sondern registriere lediglich eine gewisse Situationskomik. Die sehe ich übrigens auch oft bei mir selbst und kann gerade dann besonders herzlich lachen.

-Sie haben im Oktober Ihren 70. Geburtstag gefeiert, werden nun für Ihr Lebenswerk geehrt – könnten Sie sich vorstellen, in Rente zu gehen?
(Lacht.) Naja, ich muss es mir vorstellen – irgendwann kommt das auf mich zu. Aber ich arbeite leidenschaftlich gerne und möchte es auch weiterhin tun. So lange, wie mich das Publikum sehen will.

Das Gespräch führte Melanie Brandl.

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