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Wenn die Mutter mit dem Sohne: In „Tränen lachen“ macht sich Schauspielerin Iris Berben auf die Suche nach jüdischem Humor – unter anderem in den USA. Ihr Sohn Oliver Berben produziert die Dokumentation, die das ZDF heute um 22.35 Uhr zeigt.

Die Berbens: „Wir begegnen einander auf Augenhöhe“

Iris und Oliver Berben über ihre neuen Fernsehproduktionen „Tränen lachen“ und „Krupp“ sowie Familienbande

Iris und Oliver Berben: Die Schauspielerin und ihr Sohn, der Produzent, sind aus der deutschen Filmbranche nicht wegzudenken. Egal, ob die couragierte Dokumentation „Tränen lachen“, die das ZDF heute um 22.35 Uhr zeigt, oder der Dreiteiler „Krupp – eine deutsche Familie“ (ab 22. März im ZDF) – die Berbens gehen ihre Projekte seit Jahren am liebsten gemeinsam an: sie vor der Kamera, er als Strippenzieher im Hintergrund.

-Heute zeigt das ZDF die von Ihnen, Herr Berben, produzierte Doku „Tränen lachen“, in der Sie, Frau Berben, sich auf die Suche nach dem jüdischen Witz machen. Was erwartet den Zuschauer?
Oliver Berben: Unser Anliegen ist: Wie können sich Nicht-Juden und Juden einander nähern? Wir dürfen nicht stehen bleiben, wir müssen den jüngeren Generationen andere Möglichkeiten geben, sich thematisch auseinanderzusetzen.

-Darf man als Nicht-Jude Witze über Juden machen? Ist es politisch und moralisch zu verantworten, wenn Harald Schmidt in Ihrem Film sagt: „Ich habe keine jüdischen Gagschreiber beschäftigt. Die sind zu teuer, zu geldgierig!“?
Iris Berben: Aber genau das ist doch das Thema. Juden machen sich am liebsten über sich selbst lustig und gehen sehr humorvoll mit ihrer Geschichte um. Wenn in Deutschland jemand wie Schmidt oder Mario Barth zynisch über Minderheiten herzieht, ist die Schmerzgrenze schnell erreicht. Was sagt Leander Haußmann gleich noch? „Humor ist nichts für Feiglinge!“
Oliver Berben: Außerdem geht es nicht nur um deutsche Klischees und jüdische Vorurteile. Wir haben überall gedreht: in den USA, in Polen, in Israel...

-„Tränen lachen“ fängt mit einem Witz der jüdischen Komikerin Sarah Silverman an: „Wenn in Nazi-Deutschland Schwarze gelebt hätten, hätte es den Massenmord nicht gegeben!“ Pause. Dann sagt sie: „Auf jeden Fall nicht bei den Juden!“
Iris Berben: Das mögen manche Leute als Provokation empfinden. Aber das soll es auch sein. Es ist doch wahnsinnig interessant, was so ein Witz mit uns heute macht, was so etwas auslöst.

-Ab 22. März zeigt das ZDF Ihren Film „Krupp – eine deutsche Familie“. Wer musste wen überreden, sich filmisch mit der legendären Industriellen-Dynastie auseinanderzusetzen?
Oliver Berben: Die Rolle der Bertha Krupp zu spielen, bedurfte für meine Mutter keiner Überredungskunst, denke ich. Den Dreiteiler zu produzieren eigentlich auch nicht. Es war so, dass ZDF-Fernsehspielchef Hans Jahnke und Produzent Georg Feil mich gefragt hatte. Über diesem Projekt ist zuvor 28 Jahre lang vergeblich gebrütet worden.
Iris Berben: Es gab aber auch Regisseur Carlo Rola, der den Ehrgeiz hatte, so ein gewaltiges Epos zu stemmen.

-Herr Berben, Sie haben sich auch einmal als Regisseur versucht.
Oliver Berben: Die Regie beim „Teufelsweib“ habe ich sehr genossen. Es ist toll, wenn man sich mehrere Monate lang mal ganz ausführlich nur mit einem Thema beschäftigen kann.

-Jetzt sind Sie in der Geschäftsführung der Constantin und eher Betriebswirt als Kreativer?
Oliver Berben: Ich werde dort fürs Kino und fürs Fernsehen Filme produzieren, und ich bin kreative Anlaufstelle für Schauspieler, Regisseure und Produzenten.

-Frau Berben, sowohl in den „Buddenbrooks“, wo Sie die Konsulin gespielt haben, als auch bei den „Krupps“ geht es um Familienbande. Wie stark sind die bei Ihnen?
Iris Berben: Als Erstes fällt mir dazu eine hundertprozentige Verlässlichkeit ein. Zweitens haben wir es immer so gehandhabt, dass wir einander auf Augenhöhe begegnen. Und weil Familienbande auch leicht angreifbar sind, trägt man eine große Verantwortung. Man kann die Bande positiv ausspielen, indem man die Kräfte bündelt. Andererseits könnte man sie auch missbrauchen, wenn man sie als Macht benutzt.

Das Gespräch führte Harald Heinzinger.

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