"Besser kannst du nicht bedient werden"

München - In seiner Rolle als inzwischen emeritierter Kriminaler Schimanski hat Götz George noch immer eine Art Abo bei der ARD. Daneben ist der 69-Jährige jedoch von Zeit zu Zeit in Produktionen zu sehen, die regelmäßig zu den besten Fernsehfilmen eines Jahres zählen. In diese Kategorie gehört auch "Der Novembermann", den das Erste heute um 20.15 Uhr zeigt.

Darin verkörpert der Schauspieler den blinden Bohemien Henry, der vergeblich auf den Besuch seiner Geliebten wartet. An ihrer Stelle taucht ein geheimnisvoller Fremder (Burghart Klaußner) auf. Henry ahnt nicht, dass es sich um den gehörnten Ehemann handelt.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, die Rolle eines Blinden in "Der Novembermann" anzunehmen?

Es ist ein sehr menschliches Buch, wunderbar zu spielen, denn es beinhaltet die ganze Bandbreite - Humor, Zynismus, Trauer, Freude. Besser kannst du als Schauspieler nicht bedient werden. Das Buch lag schon zwei Jahre auf dem Tisch, und ich habe mich gefragt, warum es vom Sender nicht angenommen wurde. Es musste nicht mal korrigiert werden, es war perfekt.

Warum war es so schwer, den Film an den Mann beziehungsweise den Sender zu bringen?

Es ist das Wettrennen um die Quoten, das Armdrücken mit den Privaten. Aber das ist Kraftverschwendung, die Privaten sollen ihren Kram, ihren Schwachsinn machen, und die Öffentlich-Rechtlichen machen Anspruchsvolles, so Gott will, und können dadurch den Zuschauer auch erziehen. Was habe ich in den letzten Jahren alles versucht, bis man Stoffe finanziert bekommt! Aber ich kann mich nicht selbst überall reinhängen, das ist auch aufdringlich.

Sind Sie durch Kritiken auch verletzt worden?

Ich habe sie nie richtig gelesen. Schon meine Mutter (die Schauspielerin Berta Drews, Red.) hat mich entsprechend geimpft. Sie sagte: "Du bist dein bester Kritiker. Kein Kritiker kann dich beschreiben. Du musst deine Wertigkeit selber finden."

Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus?

Ich hoffe immer wieder, attraktive Stoffe vorgelegt zu bekommen. Es gibt auch wunderbare Rollen im Alter, manchmal muss man eben etwas länger warten. Mal sehen, wie es aussieht, wenn ich 75 oder 80 Jahre alt bin. Natürlich sagt jeder Schauspieler, dass es ihm am liebsten wäre, wenn er auf der Bühne tot umfällt. Das will ich nicht auch noch sagen, aber es wäre schön, wenn man den Beruf so lange ausüben könnte, wie es die Kondition zulässt.

Sie stehen im 70. Lebensjahr. Ist das Alter ein Problem für Sie?

Nein, das Alter war für mich nie ein Thema, das gibt es ja auch in unserem Beruf nicht. Ich habe viele Rollen gespielt, für die ich anderthalb Stunden in der Maske saß und mir meine Haare weiß färben ließ. Das ist die Wollust an der Schauspielerei, dass man eine Figur spielen kann, die älter ist als man selbst.

Kommt der Mensch Götz George zu kurz in Ihrem Leben?

Nein, der hat schon Freiraum. Ich habe nach Dreharbeiten mindesten vier bis sechs Wochen Zeit, mich wieder für eine andere Produktion vorzubereiten. Mein Freiraum heißt Sardinien, ich bin auf der Insel, wenn eine Produktion abgeschlossen ist. Man braucht Freiräume im Leben, um die letzten Freunde nicht zu verlieren.

Gibt es für Sie dauerhafte Beziehungen?

Nein, das war in meinem Leben nie sehr vordergründig. Der Beruf bringt zwar Freunde mit sich, du lernst Menschen kennen und verlässt sie auch wieder. Klammern kann ich nicht, zudem war ich immer ein Einzelgänger.

Was ist heute Ihre Heimat? Und hat Ihre Vaterstadt Berlin für Sie eine besondere Bewandtnis?

Nein, ich war ja kaum hier. In meinen fast 60 Berufsjahren war ich immer in Hotels, in Köln, in Hamburg oder München oder sonstwo. Ich habe mich zwar immer gewundert, dass ich in Berlin nie beschäftigt werde, aber das habe ich dann irgendwann akzeptieren müssen. Dann ist es eben so wie es ist. Aber ich habe diese Nabelschnur zu meiner Heimat Berlin nie verloren.

Das Gespräch führte Wilfried Mommert.

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