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Im Lager der Bettler wird Radu Stelica (Florin Piersic Jr., links) von den Hauptkommissaren Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec, rechts) befragt.

Interview mit dem Pressesprecher der Polizei

Bettelmafia in München: Wie wahr war der Tatort? 

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München - Der neue Münchner Tatort drehte sich um die skrupellosen Machenschaften der Bettelmafia. Doch wie sieht die Realität in der Stadt aus? Die tz sprach mit der Polizei.

Frauen und Männer aus Rumänien in der Hand skrupelloser Chefs, die sie mit Gewalt gefügig machen und ihnen jeden mühevoll erbettelten Cent abnehmen – davon handelte gestern der Münchner BR-Tatort mit dem Titel Klingelingeling. Wie sieht die Realität in unserer Stadt aus? Die tz sprach darüber mit Werner Kraus, Pressesprecher des Polizeipräsidiums München.

Herr Kraus, welche Erkenntnisse haben Sie über so genannte Bettlerbanden aus Südosteuropa?

Werner Kraus.

Werner Kraus: Wir haben momentan keine konkreten Erkenntnisse, dass Bettlerbanden in München tätig sind. Was aber nicht heißt, dass es keine gibt. Nur ist es eben so, dass sich aus den Kontrollen, die die Kollegen durchführen, derzeit keine Ermittlungsansätze ergeben.

Aber es stimmt, dass die meisten Bettler in München aus Südosteuropa kommen?

Kraus: Das stimmt. Wir führen regelmäßig Kontrollen durch. Aus denen ergibt sich, dass es zu ungefähr 80 Prozent Rumänen sind, gefolgt von bulgarischen und slowakischen Staatsbürgern.

Wie sieht das zahlenmäßig aus?

Kraus: Im Schnitt sind es derzeit etwa 55 bis 60 Bettlerinnen und Bettler, die sich täglich in München aufhalten.

Der Film suggeriert, dass die rumänischen Bettler deutsche Helfer haben, die zum Beispiel den Transport übernehmen.

Kraus: Wenn Sie mich fragen, ob das realistisch ist, dann sage ich: Das könnte so sein. Aber auch darüber haben wir keine Erkenntnisse.

Im neuen „Tatort“ begegnen die Kommissare und mit ihnen die Zuschauer den Bettlern auf Schritt und Tritt, zum Beispiel auch am Marienplatz…

Kraus: Das ist in der Realität anders. Es gibt eine Allgemeinverfügung des Kreisverwaltungsreferats: Sie verbietet das organisierte Betteln innerhalb des Altstadtrings und im Hauptbahnhof-Umfeld. Generell verboten ist aggressives Betteln, also das Ansprechen von Passanten, außerdem das Mitführen von Kindern, das Mitführen von Tieren ohne die notwendigen tierseuchenrechtlichen Nachweise, ferner das Vortäuschen von Krankheiten oder Behinderungen.

Was passiert, wenn jemand gegen eine dieser Regeln verstößt?

Kraus: Es liegt im Ermessen der Kollegen, welche Maßnahmen ergriffen werden. In der Regel gibt es eine Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen des Verstoßes, und der Bettler bekommt einen Platzverweis.

Was würden Sie Bürgern im Umgang mit Bettlern raten?

Wie realitätsnah ist der neue Münchner Tatort?

Kraus: Jeder muss selbst entscheiden, ob er einem Bettler etwas gibt oder nicht. Aber man sollte vielleicht wissen, dass es für jeden Menschen in Not etwas zu essen und zu trinken gibt – und auch ein Dach über dem Kopf. Bei uns muss eigentlich niemand auf der Straße schlafen, hungern oder frieren. 

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