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Tahsin und Manuela halten die Familie mit mehreren Jobs über Wasser – trotzdem reicht das Gehalt für die fränkische Familie kaum zum Leben. „Unsere Jungs statte ich in der Kleiderkammer aus“, sagt Manuela.

Reportage über „Multijobber“ im Alltag

„Ich spare wo ich kann“: Bewegende ZDF-Reportage „37°“

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Es gibt über drei Millionen Deutsche, bei denen ein Job fürs Leben nicht reicht: Die sogenannten Multijobber. Das ZDF hat einige von ihnen in ihrem Alltag begleitet.

Nürnberg/Essen - Morgens um 5.30 Uhr trinkt Tahsin seinen ersten Kaffee. Dann muss er los: Staplerfahren. ­Einen richtigen Feierabend gibt es für den Familienvater nicht. Denn nach der Arbeit fährt der 42-Jährige noch an sechs Tagen Pizza aus. 400 ­Euro extra spült der Zweitjob in die Haushaltskasse, die ­seine Lebensgefährtin Manuela sorgfältig verwaltet. „Ich spare wo ich kann“, sagt die Mutter zweier kleiner Jungs, die nebenher noch zwei Putzstellen hat. Trotzdem kommt die Familie aus der Nähe von Nürnberg kaum über die Runden. Sie sind nicht die Einzigen, wie die 37°-Repor­tage „Arm trotz Arbeit“ heute im ZDF zeigt. Filmemacherin Nathalie Suther hat für ihre berührende Doku sogenannte Multijobber im Alltag begleitet.

Tahsin findet in seinem erlernten Beruf keine Festanstellung. Eine Zeitarbeitsfirma hat ihm einen Job als Staplerfahrer vermittelt.

Die Zahlen sind ernüchternd. 2017 registrierte die Bundesagentur für Arbeit 3,26 Millionen Mehrfachbeschäftigte in Deutschland. Allein in Bayern können sich rund 675 000 Menschen nur mit mehreren Jobs über Wasser halten – besonders in den Städten, wo Wohnraum teuer ist. Jeder zehnte Arbeitnehmer ist laut Statistik armutsgefährdet. Und die Situation spitzt sich im Hinblick auf die Rente zu.

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Neben seinem Vollzeitjob fährt Tahsin abends noch Pizza aus. Trotzdem lebt er mit seiner Familie am Existenzminimum.

Verzweiflung bei Tashin: Nur Arbeit, Arbeit, Arbeit

„Wir können fürs Alter gar nichts sparen“, sagt Manuela. „Wir sind froh, wenn wir es jetzt schaffen.“ Dabei achtet sie auf Sonderangebote und stattet die Familie regelmäßig in der Kleiderkammer aus. Während der Pragmatismus Manuela vorantreibt, ist Tahsin am Verzweifeln. Wenn er den täglichen Kampf schildert, schießen ihm die Tränen in die Augen. „Unsere Kinder hören von uns immer nur Arbeit, ­Arbeit, Arbeit.“ Urlaube und gemeinsame Freizeit sind nicht drin.

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Manuela arbeitet im Niedriglohnsektor. Mit zwei Putzstellen bessert sie die Familienkasse auf.

Auch für die alleinerziehende Mutter Sabine aus Essen ist Familienzeit höchst kostbar. „Das sind wirklich nur Momente“, sagt sie im ZDF-Film. Der Alltag sei durchgetaktet mit Schule, Arbeit, Einkaufen, Haushalt und wieder Arbeit. Die 41-Jährige hat zwar eine Vollzeitstelle bei der Stadt Essen, könnte sich aber bei ihrem Gehalt abzüglich aller Fixkosten keine Extras leisten. Also jobbt sie an den Wochenenden im Fußballstadion. „Mit dem Geld kann ich Sam und mir auch mal einen Kino- und Schwimmbadbesuch finanzieren“, sagt sie.

Im Fußballstadion von Rot-Weiß Essen arbeitet Sabine jedes zweite Wochenende, neben ihrer Haupttätigkeit. Durch Sabines Nebenjob wird überhaupt ein Kinobesuch mit dem Sohn möglich.

Doch was ist das für ein ­Gefühl, wenn die Arbeitskraft so wenig wert ist, dass eine Stelle nicht zum Leben reicht? Für Tahsin ist es furchtbar. ­Eine Umschulung oder Weiterbildung könnte ihn aus dem Niedriglohnsektor holen, aber dafür bräuchte er Zeit und Geld. „Und beides habe ich nicht.“ 

Astrid Kistner

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