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In der Nacht zu Mittwoch feierte die “Harald Schmidt Show“ bei Sat.1 Premiere.

Bieder statt bissig: Harald Schmidt ist zurück 

Köln - In der Nacht feierte die “Harald Schmidt Show“ bei Sat.1 ihr Comeback. So richtig in Schwung kam Schmidt trotz hochkarätiger Gäste wie Olli Dittrich und Hape Kerkeling nicht. Talker Günther Jauch bekam dennoch sein Fett weg.

Sein Zynismus war gefürchtet, seine Stand-Ups sprühten vor Ideen. Bei Sat.1 wurde Harald Schmidt zwischen 1995 und 2003 zum Late-Night-Talker der Nation. Dann ging er für acht Jahre zur ARD - wo ihm nach und nach sichtlich die Lust abhanden kam. Nun hat der Privatsender seinen “verlorenen Sohn“ zurück.

Da, wo Sprüche und Pointen früher treffsicher saßen, wirkten sie nun bemüht, abgedroschen, geradezu bieder. Der “Dirty Harry“ (“Schmutzige Harry“), wie Schmidt früher ob seines triefenden Sarkasmus und der Bissigkeit genannt wurde, war nicht einmal mehr ansatzweise zu erkennen. Vielmehr war da ein älterer Herr zu sehen, der sich selbst über seine Witze am meisten freute.

Klar kann man über Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder Ex-Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack scherzen - doch das Ex zeigt es an: Beide stehen für Vergangenheit, viel neuen Stoff bieten sie derzeit nicht.

Breitseite gegen Jauch

Dass sich Schmidt zu Beginn der Show an seinen Kollegen Günther Jauch und Anne Will abarbeitete, ist ebenfalls wenig originell. Denn Schmidt hatte in den vergangenen Wochen bei seinem Interview-Marathon in vielen deutschen Zeitungen und Magazinen nicht nur zu diesem Thema bereits viel gesagt. Wenn man schon vorher weiß, dass das Lob für Jauch vergiftet sein soll, dann ist der Vergiftungs-Effekt weg. Richtig dirty ist auch das dann nicht mehr.

Schmidt begrüßte etwa sein Publikum (wie Jauch im Berliner Gasometer) vor einer Backsteinmauer und sagte - im Jauch-ähnlichen Stil - vor einem Jauch-Konterfei: “Dieses Bild hat sich in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. Nach diesem 11. September 2011 ist nichts mehr wie zuvor in der deutschen Talklandschaft“. Jauchs Thema am Sonntag war der 11. September - allerdings der von 2001.

Schmidt bezeichnete Jauchs Kollegin Anne Will als “Dust Lady der ARD“, die den Sonntagabend überlebt und sich auf den Mittwoch gerettet habe. Ein Einspieler zeigt Will am Sonntag vorm Fernseher und wie sie beim Auftauchen Jauchs auf den Bildschirm spie. Der Kommentar: “Bei uns im Ersten reihern Sie in die ersten Sitze.“ Das Lästermaul der Nation testete mal wieder die Geschmacksgrenzen.

“Alle haben am Sonntag Günther Jauch gesehen“, witzelte Schmidt weiter. “Ich kann nicht nachvollziehen, dass es wie “Stern-TV“ gewesen sein soll. Es gab keine Tiere, es wurde nicht gekocht.“ Und es habe ein Schäferhund gefehlt, der den 11. September überlebt habe, jedoch traumatisiert und “miau“ von sich gebend. Und was habe Fußball-Trainer Jürgen Klinsmann befähigt, bei Jauch als Terror-Experte aufzutreten? “Gut, er hat die Kabinenansprachen von Uli Hoeneß überlebt.“

Harald Schmidts beste Sprüche - eine Auswahl

Harald Schmidts beste Sprüche - eine Auswahl

Wer erwartet hatte, mit Überraschungsgast Olli Dittrich käme mehr Schwung in die Show, sah sich getäuscht. Symptomatisch, dass beide darüber redeten, was zu tun sei, wenn ein Gag nicht funktioniert. So etwas wie Spannung kam dann immerhin kurz auf, als sich Hape Kerkeling mit an den Schreibtisch setzte - und Schmidt von einer Überraschung sprach, die sein Gesprächsgast am Ende offenbaren wolle.

Natürlich ließ sich Kerkeling dann nicht über seine mit Spannung erwartete Entscheidung über “Wetten, dass...“ aus - für die Show gilt er als Favorit für die Nachfolge von Thomas Gottschalk. Nein - er werde im Januar Gast in der NDR-Talksendung “Tietjen und Hirschhausen“ sein, kündigte er an. Lustig. Für ein bisschen Stimmung sorgte dann noch die Band Guano Apes.

Keine sichtbaren Neuerungen

Sichtbare Neuerungen gab es nicht. Die Show begann mit Stand-Up-Comedy zu mehr oder weniger aktuellen Themen, dann setzte sich Schmidt, der einen schwarzen Anzug mit roter Krawatte und lila Einstecktuch trug, an seinen Schreibtisch. Es gab Einspielfilmchen, und für die musikalischen Untermalung sorgte wie gewohnt die Late-Night-Band unter Leitung von Helmut Zerlett. Ein kongenialer Partner und Stichwortgeber wir früher Manuel Andrack, der Schmidt 2008 verlassen hatte, fehlte allerdings.

Zwei Mal in der Woche ist Schmidt künftig zu sehen, dienstags und mittwochs um 23.15 Uhr, jeweils eine gute Stunde. Auch dies wird wohl ein Grund für Schmidts Wechsel zu Sat.1 gewesen sein. Bei der ARD durfte er nur einmal wöchentlich ran.

dapd/dpa

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