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Biertester Nelson Müller hat teils schlecht recherchiert, findet der Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes.

"Abwegige Aussagen"

ZDF-Biertest: Brauerbund weist Vorwürfe zurück

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München - Das Reinheitsgebot existiert nur noch auf dem Papier: Zu diesem Ergebnis kam die ZDFzeit in ihrem Bier-Test. Ein Vorwurf, den die deutschen Brauer keinesfalls auf sich sitzen lassen wollen.

In dem Bier-Check teste TV-Koch Nelson Müller am Dienstagabend des Deutschen Lieblings-Getränk auf Herz und Nieren. Ein Aspekt der Sendung galt dem deutschen Reinheitsgebot, mit dem nicht wenige Brauerei stolz ihr Produkt bewerben. Dabei wurde einiges behauptet, was Marc-Oliver Huhnholz nicht unwidersprochen stehenlassen will. Der Pressesprecher des Deutschen Brauer-Bundes e.V. wirft dem ZDF schlechte Recherche und "völlig abwegige Aussagen" vor.

Reinheitsgebot als Marketing-Gag?

Laut dem Biergesetz von 1993 seien bei der Bierherstellung mittlerweile über 60 Hilfsstoffe zugelassen, hatte es in der "ZDFzeit" mit dem Titel "Wie gut ist unser Bier?" geheißen. Mit dem deutschen Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 habe das "nichts mehr zu tun", sondern sei "mehr Romantik als Realität". Es handle sich um "geschicktes Marketing", das nicht zuletzt ein "Abwehrargument" gegen ausländische Produkte liefern soll.

"Selbstverständlich werden Biere nicht mehr gebraut wie vor 500 Jahren – in offenen Holzbottichen, über offenem Feuer und in unhygienischen Gefäßen, in denen mit Muskelkraft und mit Holzlöffeln umgerührt wird", erklärt Huhnholz unserer Redaktion gegenüber in einem schriftlichen statement. "Bier wird heute in modernen Brauereien unter höchsten hygienischen Standards hergestellt. [...] Trotz des Einsatzes moderner Brautechnik hat sich am Grundprinzip nichts geändert: Gebraut wird nach dem Reinheitsgebot! [...] Das Bierbrauen bleibt nach wie vor auf die Verwendung der vier natürlichen Zutaten Wasser, Hopfen, Gerstenmalz und Hefe beschränkt – ohne irgendwelche Zusätze. Deshalb sind die von Ihnen zitierten Aussagen des Beitrages völlig abwegig."

Sehen Sie die ZDFzeit "Wie gut ist unser Bier?" in der Mediathek des Senders

Huhnholz fährt fort: "Die Auslobung des Reinheitsgebots ist gesetzlich verankert und wird streng überwacht: Bier, hergestellt nach dem Reinheitsgebot, ist gemäß Lebensmittelrecht ein sogenanntes „Traditionelles Lebensmittel“, für das in Deutschland außer Kohlendioxid und Stickstoff keinerlei Zusatzstoffe verwendet werden dürfen, im Gegensatz zu im Ausland hergestellten Bieren, für die tatsächlich rund 50 Zusatzstoffe [darunter auch künstliche Aromen, künstliche Enzyme und Konservierungsstoffe, d. Red.] erlaubt sind."

Filterhilfsmittel als "Schlupfloch"?

Huhnholz wirft dem ZDF aber auch schlechte Recherche vor. Müller hatte in der Sendung aufgezeigt, dass etwa PVPP sowie Kieselgur, aber auch Algenmehl und Aktivkohle bei der Herstellung von Bier verwendet werden. Das sei nur deshalb erlaubt, weil diese Zusatzstoffe beim fertigen Produkt nicht mehr nachzuweisen seien - ein "Schlupfloch" der Industrie, wie es hieß.

Doch sowohl Kieselgur als auch PVPP seien keine Zusatzstoffe sondern Filterhilfsmittel, die "während der Filtration wieder vollständig aus dem Bier entfernt" würden "und auch keinerlei Geschmacks- und Geruchsstoffe an das Bier" abgäben, so Huhnholz. Sie verhindern, "dass Bier bei längerer Lagerung trüb wird."

Ein Bock dank Zuckercouleur?

Am meisten dürfte aber wohl für viele Zuschauer die Behauptung der ZDF-Sendung gewesen sein, dass man durch die Zugabe von Zuckercouleur aus einem hellen Bier etwa ein dunkles Starkbier ("Bock") machen könnte, das als solches deklariert in jedem Supermarkt verkauft werden könne.

Das aber wäre Verbrauchertäuschung und nicht zulässig, erklärt Huhnholz: "Der Bericht stellt dies somit völlig falsch dar." Die Verwendung von Zucker und aus Zucker hergestellten färbenden Substanzen wie Zuckercouleur sei nach geltendem Recht ausschließlich bei obergärigen Bieren erlaubt, käme aber "nur bei einigen wenigen regionalen Spezialitäten zum Einsatz". Der Sprecher stellt klar: "Für den deutschen Biermarkt spielen diese Biere und damit auch Zucker insgesamt keine Rolle. In der Regel wird die kräftige Farbe von dunklen Bieren durch den Einsatz von dunklem Malz oder Röstmalz erzielt. Von einer Verbrauchertäuschung seitens der Brauwirtschaft kann daher keine Rede sein."

hn

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