Boßdorf kämpft

- ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf (41) will die Auflösung seines Vertrags als NDR-Sportchef nicht hinnehmen und vor Gericht ziehen. Er werde die gerichtliche Auseinandersetzung für den Nachweis nutzen, "dass er zu keinem Zeitpunkt IM der Staatssicherheit der DDR war", erklärte sein Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel gestern. Die Begründung, mit der der NDR-Verwaltungsrat am Dienstagabend, wie berichtet, die Auflösung von Boßdorfs Vertrag beschlossen hatte, sei "in der deutschen Rechtsordnung nicht vorgesehen". Boßdorf sollte zum 1. März 2006 Nachfolger von Gerhard Delling (46) werden.

Für die ARD und Boßdorfs Funktion als Sportkoordinator hat der NDR-Beschluss zunächst keine unmittelbaren Folgen. ARD-Chef Thomas Gruber kündigte jedoch eine eigene Prüfung des Falles an, bei der unabhängige Experten zu Rate gezogen werden sollen. "Zweifel allein rechtfertigen noch keine personellen Konsequenzen", betonte Gruber.

Der NDR-Verwaltungsrat, der den Vertrag mit Boßdorf am 28. Oktober gebilligt hatte, beriet am Dienstagabend auf der Grundlage neuer Unterlagen, die die Birthler-Behörde am 6. Dezember nachgereicht hatte. In diesen wie auch in den zuvor übermittelten Akten sieht die Behörde deutliche Hinweise auf eine Tätigkeit Boßdorfs als Inoffizieller Mitarbeiter "Florian Werfer" für die DDR-Staatssicherheit in den Jahren 1988 und 1989. Boßdorf hat Kontakte zur Stasi eingeräumt, aber stets bestritten, IM gewesen zu sein.

Nach der Sitzung des Verwaltungsrats sagte die Vorsitzende Rosemarie Wilcken, die Aktenlage sei "zunächst nicht eindeutig" gewesen. "Und auch jetzt ist eine abschließende Beurteilung schwierig." Da aber nicht alle Zweifel hätten ausgeräumt werden können, sei die erforderliche Vertrauensbasis nicht gegeben.

Dazu erklärte Diestel, wenn die im Fall Boßdorf angewandte Praxis um sich greife, ließen sich mit der gleichen Begründung "sämtliche ostdeutschen Biografien zerstören, da das Ministerium für Staatssicherheit seinerzeit den Anspruch der ,flächendeckenden Tätigkeit’ hatte und diesen auch erfüllte". Die Stasi-Akten über Boßdorf seien ohne dessen Kenntnis oder Zustimmung angelegt worden.

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