+
Christian Ulmen (2.v.r.) produziert "Mann/Frau" - und spielt eine Nebenrolle.

Im Netz und im TV

Ulmen-Serie geht online: "Mann/Frau" im BR

München - Der BR geht mit der Internet-und-TV-Serie "Mann/Frau" neue Wege. Wir sprachen mit Schauspieler und Produzent Christian Ulmen, der auch eine Nebenrolle übernimmt.

Das Bayerische Fernsehen (BR) geht neue Wege: Am Mittwoch geht die erste Internet-und-TV-Serie „Mann/ Frau“ auf mannfrau.de online. Außerdem werden die 20 Folgen mit Lore Richter und Mirko Lang in den Hauptrollen ab 12. September immer freitagnachts auch im Fernsehen ausgestrahlt. Während der Dreharbeiten zum neuen „Tatort“-Fall in Weimar nahm sich der in Neuwied geborene Christian Ulmen (38) für uns Zeit, die Serie im Interview zu erklären. Er ist in „Mann/ Frau“ nicht nur in einer Nebenrolle zu sehen, sondern auch der Produzent.

Ist diese neue Serie ein Experiment?

Nein, es ist eine unkonventionelle Serie, aber durchaus so gewollt.

Wie würden Sie sie den Zuschauern schmackhaft machen?

Man muss sie sich anschauen! (Überlegt.) Es ist ein stetig wechselnder Einblick in das Leben zweier Großstadtsingles. Einmal erzählt eine Frau und dann ein Mann, die in der Stadt irrlichtern, die teilweise nicht wissen, was sie überhaupt suchen. Es ist ein Lebensgefühl der Generation 20 bis 30.

Sie spielen mit, genau wie Ihre Frau Collien Ulmen-Fernandes...

Ich bin jemand, dem die Hauptfigur ihre Nöte mitteilt. Ich bin ein Wirt in der Kneipe, und bei mir landen die Nachtschwärmer... Und meine Frau spielt dasselbe für die weibliche Hauptperson. Sie ist die beste Freundin.

Passt die Rolle zu Ihnen? Sind Sie ein Kneipenmensch?

Nein, überhaupt nicht. Ich gehe sehr selten in Kneipen.

Aber was erzählt wird, haben Sie schon erlebt?

Na ja, da wird so viel erzählt! Da passieren in drei Minuten 20 000 Sachen! Ich habe es zum Beispiel noch nicht erlebt, dass mir jemand was in das Getränk gekippt hat und ich dann willenlos in ein Sex-Abenteuer gestolpert bin. Ich kenne aber das Gefühl von Atemlosigkeit, und das ist die Grundatmosphäre.

Apropos: Die Serie lebt auch von schnellen Schnitten und skurrilen Figuren. Das ist etwas anderes, als der BR sonst produziert...

Der BR hat sich schon immer mit neuen Formaten hervorgetan. Thomas Gottschalk und Günther Jauch haben beide jeweils eine neue Farbe, die beim BR geboren wurde, ins Fernsehen gebracht. Unsere Erzählweise ist gut fürs Internet geeignet. Jede Folge dauert drei Minuten, die man sich wie Youtube-Filme in der Mittagspause anschauen kann.

Die Serie läuft auch im Fernsehen. Glauben Sie, dass sich die Leute die Drei-Minuten-Folgen dort an- und diese nicht übersehen?

Wenn die Leute das im Fernsehen schauen, ist es gut, aber dafür ist sie nicht gemacht. Wie sie dort ankommt, ist fast egal.

Sie müssen also nicht auf Quoten oder Klickzahlen achten?

Bis jetzt ist sie als einmalige Serie konzipiert, weiter denke ich noch nicht. Wie sie ankommt, ist aber wichtig. Man spürt das sowieso mehr an den Reaktionen. Im Moment aber bin ich mit dem Jetzt-Zustand glücklich, und damit, wie sie geworden ist.

Was ist so gut?

Sie macht mir Spaß, wenn ich sie sehe. Das, was wir vorhatten, ist aufgegangen. Diese Art Sucht, nach der nächsten Folge sofort die nächste sehen zu wollen, ist da. Diese Rutschpartie funktioniert sehr gut, finde ich.

Sie sind auch der Produzent. Wenn Sie ein Angebot bekommen, woran liegt es, dass Sie annehmen?

Ich bin im Hauptberuf Schauspieler, also kann ich mir den Luxus erlauben, die Sachen zu produzieren, an denen ich Spaß habe. Hier habe ich Ja gesagt, weil das die erste Internetserie ist, die der BR macht. Und der Schritt eines öffentlich-rechtlichen Senders zu sagen, „Wir haben kapiert, dass die Leute im Netz viel schauen, also müssen wir auch etwas für das Netz herstellen“, das fand ich inspirierend. Denn die Rundfunkgebühr zahlen auch die, die keinen Fernseher haben, aber einen Computer.

Das heißt, bei Ihnen steht die Kunst vor dem Rechnen?

In dem Fall ja. Die Serie ist auch nichts, mit der wir alle reich geworden sind.

Wie muss für Ihr fachliches Auge eine Serie konzipiert sein, damit sie Erfolg hat?

Da gibt es kein Rezept. Der eine denkt an quietschig-bunte Farben und laute Charaktere, der andere an leise Töne. Man findet auch für alles erfolgreiche Beispiele: für laut „Ritas Welt“, für leise „Six Feet Under“. Man sollte aber Regeln brechen. Mittlerweile ist sogar der Böse der Held wie in „Breaking Bad“. Vor Jahren war das undenkbar.

Das Gespräch führte Angelika Mayr. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dschungelcamp 2018: Die ersten Kandidaten für die neue Staffel stehen fest
Und jährlich grüßt das Känguruh: Auch im Januar 2018 werden wieder so genannte Stars ins Dschungelcamp einziehen. Wir sagen Ihnen schon jetzt, was Sie dazu unbedingt …
Dschungelcamp 2018: Die ersten Kandidaten für die neue Staffel stehen fest
„Der rote Schatten“ – ein „Tatort“, der lange im Gedächtnis bleibt
Der Münchner Regisseur Dominik Graf verknüpft im „Tatort: Der rote Schatten“ die sogenannte Todesnacht von Stammheim mit einem aktuellen Mordfall. Ob ihm das geglückt …
„Der rote Schatten“ – ein „Tatort“, der lange im Gedächtnis bleibt
Den Mördern auf den Fersen: Hinter den Kulissen von „Aktenzeichen XY“
Seit 50 Jahren hilft „Aktenzeichen XY... ungelöst“ dabei, reale Verbrechen aufzuklären. Doch wie entsteht das ZDF-Erfolgsformat? Ein Blick hinter die Kulissen.
Den Mördern auf den Fersen: Hinter den Kulissen von „Aktenzeichen XY“
Jo Groebel: „Die Zuschauer erleben doppelten Nervenkitzel“ bei Aktenzeichen XY
Jo Groebel ist Medien-Experte und erklärt die Faszination hinter „Aktenzeichen XY... ungelöst“.
Jo Groebel: „Die Zuschauer erleben doppelten Nervenkitzel“ bei Aktenzeichen XY

Kommentare