BR-Stammtisch: Alles, nur keine Abfrage-Runde

München - Seit Montag sendet das Bayerische Fernsehen sein reformiertes Programm. Dazu gehört auch eine neue Stammtisch-Sendung, die am Sonntag um 11 Uhr Premiere hat.

Ein Experiment sei die neue Sendung - darin sind sich die drei Stammtisch-Brüder einig: "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort, der Karikaturist Dieter Hanitzsch sowie Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, werden künftig immer sonntags mit maximal drei weiteren Gästen eine Stunde lang über die Themen der Woche sprechen. "Ich bin da völlig ergebnisoffen", sagt Markwort, während Heckl ergänzt: "Ich wage gern etwas Neues". Und für Hanitzsch ist das neue Fernsehformat "eine Aufgabe, die lustig sein kann."

Bei der Premiere werden Schauspielerin Veronica Ferres sowie der neue CSU-Chef Erwin Huber am Fernsehstammtisch Platz nehmen. Die Sendung kommt live aus dem Wirtshaus des fiktiven Dorfes Lansing, das bei Dachau als Kulisse der ebenfalls neu angelaufenen BR-Serie "Dahoam is dahoam" aufgebaut wurde (wir berichteten).

Er wolle eine andere Form der Talkshow versuchen, erklärt Markwort: "Ich hoffe, dass wir immer interessante Leute bei uns sitzen haben, auf deren Meinung man neugierig ist." Auf keinen Fall sollten die Gäste "zu ihrem jeweiligen Fachgebiet" abgefragt werden, das widerspreche der Idee des Stammtischs. So sieht das auch Dieter Hanitzsch: "Bei uns wird es nicht wie in der ,Münchner Runde sein, wo nacheinander das Wort erteilt wird. Bei uns kann man sich spontan einmischen - nur nicht so, dass dann alle durcheinander reden." Es gibt also "kein Korsett" am Lansinger Stammtisch, wie es Hanitzsch formuliert - "Es wird hoffentlich auch jeder etwas zu Themen sagen, die nicht unbedingt die seinen sind." Diesen "Mut bei unseren Gästen" wünscht sich auch Markwort. Und Wolfgang Heckl ergänzt: "An jedem Stammtisch wird drauflos geplaudert. Das macht die Sache lebhafter." Der Physik-Professor hofft auf eine "unterhaltsame, lustige Sendung, die die Zuschauer zum Nachdenken bringt." Ideal wäre, ist Heckl überzeugt, wenn man "auf spielerische Art" etwas vermitteln könnte, "so dass der Zuschauer am Ende etwas gelernt hat, ohne dass er das während der Sendung merkt".

Für den Karikaturisten Hanitzsch ist derweil klar, "dass ich mich nicht zurückhalten werde, etwa auch was Lustiges über Politiker zu sagen. Das ist mein Beruf." So es sich anbietet, könne er sich auch vorstellen, seine Zeichnungen zu einem Thema oder Gast mitzubringen.

Wer Woche für Woche am runden Tisch der drei Herren Platz nehmen wird, entscheidet sich in enger Abstimmung zwischen der BR-Redaktion und Helmut Markwort, der dafür auch auf sein "umfangreiche Netzwerk" zurückgreifen will.

Die jeweiligen Gäste sollten zu den jeweiligen Themen "etwas zu sagen haben", erklärte BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb unlängst im Gespräch mit unserer Zeitung: "Es kann auch ein betroffener Bürger sein, das will ich nicht ausschließen. Wobei es außerordentlich schwierig ist, Menschen des Alltags zu finden, die sich nicht von den Profis niederreden lassen."

Eine Frau, so Markwort, sollte in jedem Fall immer mit am Tisch sitzen. Bei der Premieren-Sendung am Sonntag will er wahrscheinlich die beiden Nobelpreise für deutsche Naturwissenschaftler, die Regierungserklärung des neuen bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein sowie den Rauswurf der Autorin Eva Herman bei "Johannes B. Kerner" ansprechen. Dem Journalisten ist besonders wichtig, dass die Sendung stets einen möglichst aktuellen Bezug hat, weshalb sich die drei Herren kurzfristig abstimmen - "es soll ja spontan sein", sagt Hanitzsch.

Die Runde wird im Wirtshaus nicht allein sein. Für jede Sendung hat die Redaktion 20 Gäste eingeladen, die an den anderen Tischen Platz nehmen werden. "Ich hätte die Sendung auch ohne Publikum gemacht", sagt Markwort. "Ich hoffe, dass keiner auf Beifall aus ist."

Die drei Stammtisch-Brüder des Bayerischen Fernsehens

Dieter Hanitzsch,

Jahrgang 1933, studierte an der TU München Brauwesen und ist Diplom-Brauerei-Ingenieur. Danach arbeitete er in der Werbung ("Gut, besser, Paulaner") und als Wirtschaftsjournalist für den Bayerischen Rundfunk, parallel dazu zeichnete Hanitzsch erste Karikaturen. Seit Mitte der 80er-Jahre ist er hauptberuflich Karikaturist und veröffentlicht seine gezeichneten Kommentare in verschiedenen Publikationen. Hanitzsch illustriert auch die Bücher des Kabarettisten Dieter Hildebrandt.

Helmut Markwort,

Jahrgang 1936, ist Gründer, Chefredakteur und Herausgeber des Magazins "Focus". Er lernte das journalistische Handwerk bei diversen Tageszeitungen, ging danach unter anderem zu den Zeitschriften "Bild + Funk" sowie "Gong" und entwickelte die Magazine "Die Aktuelle" und "Ein Herz für Tiere". Markwort ist heute auch Vorstandsmitglied der "Hubert Burda Media", wo der "Focus" seit 1993 erscheint. Fernseherfahrungen sammelte er etwa als Moderator der Talk-Sendung "NeunzehnZehn" (3sat).

Wolfgang M. Heckl,

Jahrgang 1958, ist Physiker, der zunächst an der TU München studierte und danach seine wissenschaftliche Karriere unter anderem an der Universität Toronto sowie der LMU München fortsetzte, wo er auch eine Professur erhalten hat. Seit drei Jahren ist Heckl Generaldirektor des Deutschen Museums in München sowie Direktor des Kompetenzzentrums Nanobiotechnologie. Des weiteren berät er die Europäische Kommission und die Bundesregierung im Bereich Nanotechnologie.

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