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„Zuspitzung gehört dazu“: Ursula Münch sitzt erstmals fest am BR-„Sonntagsstammtisch“.

„Zuspitzung gehört dazu“

Angst vor dem heiklen Job? Das sagt die Neue aus dem BR-Sonntagsstammtisch

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Ursula Münch hat am Sonntag ihre Premiere beim BR-„Sonntagsstammtisch“. Mit uns sprach die 58-Jährige über ihre polarisierende Vorgängerin und die Diskussionskultur in Deutschland.

Dass es so heftige Diskussionen geben würde, hatten die Verantwortlichen des BR-„Sonntagsstammtischs“ wohl nicht erwartet, als sie die Sendung Anfang des Jahres mit neuem Moderator (Hans Werner Kilz kam für Helmut Markwort) und neuer Besetzung starteten. Insbesondere an Musikkabarettistin Monika Well schieden sich die Geister. Ende Juni trennte sich der BR von der 48-Jährigen. Künftig wird – im Wechsel mit Ex-Skistar Christian Neureuther – Ursula Münch am Stammtisch Platz nehmen. Die 58-Jährige ist seit 2011 Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing. An diesem Sonntag hat sie ihre Premiere.

Sie stammen aus Baden-Württemberg und nehmen den Platz einer Urbayerin ein...

Ursula Münch: Na ja, beim „Sonntagsstammtisch“ gibt es keine festen Plätze, wir wechseln uns ab. Klar rücke ich für Monika Well nach, aber ich sehe mich nicht in der Rolle, ihr Erbe anzutreten – diesen Schuh würde ich mir nicht anziehen.

Wie bereiten Sie sich auf die Sendung vor?

Münch: Ich bin insofern in einer komfortablen Situation, als ich mich ja die ganze Woche mit der aktuellen Politik beschäftige, nicht nur mit der bayerischen, sondern auch mit der deutschen und der internationalen. Ich hoffe, dass ich damit doch relativ nah dran bin an den Themen, die am Stammtisch besprochen werden.

BR-Stammtisch: „Man wird es nie allen recht machen können“

An Stammtischen wird ja gern zugespitzt – wie verträgt sich die „gefühlte Wahrheit“, die da oft kundgetan wird, mit Ihrem wissenschaftlichen Anspruch?

Münch: Erstens ist der Stammtisch kein wissenschaftliches Seminar und spricht insofern kein Publikum an, das von mir entsprechende Statements erwartet. Das wird mich aber nicht daran hindern, gelegentlich zu sagen: Jetzt mal halblang, die Faktenlage ist eine andere! Aber das ist an den Stammtischen republikweit sicher auch so, dass immer mal wieder gefragt wird: Moment mal, stimmt das denn, was hier behauptet wird? Auf der anderen Seite gehört eine gewisse Zuspitzung schon dazu, auch in der Wissenschaft. Man will ja, dass das Publikum aufmerksam zuhört.

Ihre Vorgängerin hat durch ihre Beiträge viel Widerspruch erzeugt. Haben Sie keine Angst, auch einmal in einen Shitstorm zu geraten?

Münch: Ich habe keine Angst – und bin außerdem schon öfters in Gesprächsformaten gewesen. Da gibt’s immer welche, die einen loben, und andere, die einem totale Unfähigkeit bescheinigen. Damit komme ich klar. Man wird es nie allen recht machen können.

Würden Sie sagen, dass sich der Reflex, auch extreme Meinungen zu äußern, durch die modernen Kommunikationsmittel verstärkt hat?

Münch: Natürlich – wer will, kann auf Sendungen oder auf Posts in Sozialen Netzwerken sofort reagieren. Und wenn man da ganz schnell etwas hinschreibt, ohne nachzudenken, kommt dabei halt manchmal extrem Verletzendes heraus. Das trifft dann Leute, die sich in der Öffentlichkeit positionieren, das trifft Politiker, es trifft Ehrenamtliche, es trifft Journalisten. Das macht mir große Sorgen mit Blick auf unser politisches Personal, gerade im Bereich der Kommunalpolitik. Wie viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Gemeinderätinnen und Gemeinderäte wollen bei Wahlen nicht mehr antreten, weil sie auf Deutsch gesagt die Schnauze voll haben, sich so durch den Dreck ziehen zu lassen.
Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann

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