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Die Schauspieler Harald Krassnitzer, Nadeshda Brennicke und die achtjährige Bärin "Trapper", aufgenommen während eines Pressetermins bei den Dreharbeiten zum Fernsehfilm "Der Bär ist los" in Pertisau am Achensee in Österreich (Archivfoto vom 10.06.2008).

Bruno 2 kommt bestimmt

„Der Bär ist los“: Henning Wiesner, Leiter des Münchner Tierparks Hellabrunn, über die fehlerhafte Jagd von 2006

Tirol ist in Aufruhr: Ein Braunbär geht um. Bis in höchste politische Führungsspitzen hinauf beunruhigt der tapsige Bruno die Ortsansässigen. Eine Tierschützerin (Nadeshda Brennicke), ein Zoodirektor (Harald Krassnitzer) und ein Bärenjäger (Fritz Karl) sollen das Tier dingfest machen – jeder auf seine Weise, versteht sich. Regisseur Xaver Schwarzenberger hat aus den wahren Ereignissen vom Juni 2006 um den „Problembären“ eine turbulente Komödie mit Herz, Schmerz, Pelz und ein wenig Action kondensiert. Die ARD zeigt den Streifen morgen um 20.15 Uhr. Für uns lässt Professor Henning Wiesner, Leiter des Münchner Tierparks Hellabrunn, die Ereignisse noch einmal Revue passieren.

-Sie haben ein paar Ausschnitte des Fernsehfilms bereits gesehen.
Das geht ja sehr rührselig ans Herz und hat mit der ganzen Sache von damals eigentlich nicht sehr viel zu tun.

-Wie beurteilen Sie das Geschehen aus heutiger Sicht?
Heute genauso wie 2006. Meiner Meinung nach ist einfach ein biologischer Fehler gemacht worden. Das habe ich damals schon den politisch Verantwortlichen gesagt: Man hätte die Chance nützen müssen und das Tier unter Narkose besendern, also mit einem GPS versehen, damit es jederzeit zu orten ist. Das hat man leider nicht gemacht. Sondern man wurde nicht müde zu berichten, an welchem Bienenstock er schon wieder gewesen war und wartete insgeheim darauf, dass er irgendwann über ein junges blondes Mädchen herfallen würde, das gerade Honig holen will. Dabei ist der Bär ja nie auf Menschen losgegangen und nie aggressiv gewesen. Natürlich hat er Schafe gerissen. Aber das liegt einfach in der Natur, wie der Fuchs eben die Gans holt.

-Man hätte Bruno also gewähren lassen sollen?
Man hätte ihn beobachten sollen. Dann hätte man gewusst, wo das Tier langgeht. Es hätte die Möglichkeit gegeben, hier in Bayern den ersten Bären seit 1870 zu untersuchen. Wie verhält er sich? Wo läuft er herum? Es ist ja ganz klar: In dem Moment, in dem ich in den Abruzzen oder in der Brenta Bären nachziehe, sind auch mindestens 50 Prozent Männchen darunter. Das ist nun einmal so nach Mendel. Und die werden laufen müssen, weil sie der Vater sonst totschlägt oder auffrisst.

-Das heißt, der nächste Bruno kommt bestimmt?
Das ist anzunehmen. In Österreich oder auch in Bayern. Man hätte durch das Besendern von Bruno 1 schon eine Menge biologischer Daten sammeln können. Das geschah nicht und ist daher schade. Aber wir haben ja inzwischen einen neuen Umweltminister. Könnte sein, dass sich das auch bei den Bären herumspricht und sich wieder einer über die Grenze wagt.

-Wer ist schuld an Brunos voreiligem Abschuss?
Das kann und will ich nicht zuordnen.

-Politiker und Medien haben sich offenbar zu schnell darauf verständigt, dass Bruno gefährlich sei.
Dass der Bär das Laufen anfängt, ist ab einem bestimmten Alter ganz normal. Man hätte nicht ständig schreiben sollen: Um Gottes Willen, jetzt ist er schon wieder an einem Bienenstock oder am Gemeinderat vorbeigelaufen. Das Tier war nicht angriffslustig und der Schaden auch nicht in der Größe, dass man Bruno unbedingt beseitigen musste. Wer letztlich daran schuld war, kann ich nicht sagen. Aber meine Meinung steht nach wie vor. Wenn Bruno 2 und 3 auftauchen sollten: besendern und beobachten. Totgeschossen ist er schnell.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

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