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Ein Wolf ohne Pelz: Können und Unterhaltungswert sind beim Casting zur RTL-Show „Das Supertalent“ gefragt. Wolf Memphis und seine Band hatten irgendwie beides.

Casting: Von der Turnhalle ins Fernsehen?

Beim Casting für die neue Staffel von „Das Supertalent“ geben die Kandidaten in München alles, manche sogar ihr letztes Hemd.

Eine lange Menschenschlange hat sich an diesem Freitagmorgen vor dem „Salesianum“ im Münchner Stadtteil Au gebildet. Was findet hier wohl statt? Ein Räumungsverkauf? Die Autogrammstunde eines Superstars? Unwahrscheinlich, denn beim „Salesianum“ handelt es sich um ein Wohnheim für Auszubildende.

Nein – hier stehen heute die Superstars selbst an. Denn wer zum Casting für die neue Staffel der RTL-Show „Das Supertalent“ geht, kann etwas ganz Besonderes – oder glaubt eszumindest. Und jeder, der kommt, darf sich präsentieren. Oftmals zum Leidwesen der Jury. „In Zukunft kann jeder Mensch für 15 Minuten Berühmtheit erlangen“, sagte schon vor mehr als 20 Jahren Andy Warhol. Besagte 15 Minuten können ferner ein ganzes Leben verändern – wenn im August auch die Juroren Dieter Bohlen, Sylvie van der Vaart und Bruce Darnell über das Schicksal der mehr oder weniger talentierten Kandidaten entscheiden. Engagiert, als ginge es ums Ganze, sind die Teilnehmer schon bei diesem Casting in München, Station Nummer vier auf dem Auswahlmarathon, der in insgesamt sieben Städten abläuft.

Das Prozedere ist dabei immer das Gleiche. Man meldet sich an, bekommt eine Nummer und wird dann in einen großen Warteraum geführt, wo viele andere ihren 15 Minuten Ruhm entgegenfiebern. Dem Auftritt folgt die Heimreise in Ungewissheit, denn das Ergebnis wird erst im Juli mitgeteilt. Drei kleinere Räume stehen für Gesang, Comedy oder kleinere Tanzdarbietungen zur Verfügung. „Größere Auftritte brauchen natürlich mehr Platz. In Berlin hatten wir mehrere BMX-Künstler, die ihre komplette Rampe mitgebracht haben“, sagt Alexander Hermes von der Produktionsfirma Grundy Light Entertainment.

Im „Salesianum“ wurde die große Turnhalle zum Talentschuppen umfunktioniert. Bereits beim Öffnen der Tür dringen Sambarhythmen ans Ohr. Während die Zaubertruppe „Magic Leinad“ alias Sonja Hertle und Daniel Diso gerade vor den Augen der Jury und des Kamerateams eine Frau verschwinden lässt, baut der Maler Sasa Maric noch seine riesige Leinwand auf. Gegenüber sitzt der singende Koch Detlef Winterstein und wartet ziemlich nervös auf seine Chance.

Dann ist es soweit. Winterstein schiebt sein provisorisches Kochstudio vor die Kamera und beginnt nach einem kurzen Interview seine Darbietung. Singen will er, kochen sowieso, und ein paar Witze als Garnitur sollen das Menu perfekt abrunden. Doch bereits beim Singen wird klar, dass der Auftritt des Kochs ziemlich anbrennen wird. Als dann auch noch der auswendig gelernte Text hakt und der Spickzettel zum Einsatz kommt, ist die Talentsuppe nicht mehr zu retten. Na wenigstens klappt sein leckerer „Leberkäse Hawaii“. Recht geknickt kommt er zum Ergebnis: „Ich habe es verschissen“. Verständlich, immerhin hat Winterstein vier Wochen an dieser Nummer geköchelt.

Sasa Maric wirkt indes ausgelaugt, dabei hat er mit seinem Bild noch nicht einmal begonnen. Die Verzögerung beim Aufstellen der Leinwand hat ihm sichtlich zugesetzt. Und im Hintergrund kommen schon die nächsten Talente in die Halle. Die Konkurrenz ist eben groß. Trotzdem verwandelt Maric die weiße Fläche innerhalb weniger Minuten in eine idyllische Landschaft am See. Talent hat er jedenfalls.

„Die Acts sollten aber natürlich auch einen bestimmten Unterhaltungsfaktor haben“, sagt Alexander Hermes. Und wenn man noch dazu mit einer Lebensgeschichte wie der letztjährige Gewinner Michael Hirte aufwarten kann, dann ist das dem Erfolg bestimmt nicht hinderlich.

Nun betritt auch noch Wolf Memphis, der singende Cowboy aus Wien, mit seinen sechs Mädels die Bühne. Seiner lästigen Klamotten hat er sich mittlerweile entledigt, schließlich, so scheint er zudenken, verkauft sich nackte Haut hervorragend. Der Sound ist auch ganz okay, die Sängerinnen sind kaum zu hören, aber an solchen Kleinigkeiten soll es nicht scheitern. Unterhaltend ist es allemal.

Für alle Teilnehmer beginnt nach dem großen Auftritt nun das große Warten. Und ob der singende Cowboy oder der scherzende Koch überhaupt die Chance bekommen, ihr Talent der Jury zu zeigen, ist fraglich. Manchmal dauert der Ruhm eben nur 15 Minuten.

Ein offenes Casting findet an diesem Sonntag von 11 bis 18 Uhr im Salesianum, St.-Wolfgangs-Platz 11, 81669 München, statt.

von Barnabas Szöcs

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