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Für die Sendung hat sich Tobi Krell mit einer Bestatterin getroffen – und einen Verstorbenen gesehen.

Ist der Papa jetzt im Himmel?

„Checker Tobi“: Berührender Film über Leben und Sterben

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München - Tobias Krell, den Kinder (und Eltern) nur unter dem Namen „Checker Tobi“ kennen, versucht, Kindern zwischen sechs und zehn Jahren die wichtigsten Fragen zum Thema zu beantworten.

In dieser Folge steckt so viel Arbeit und so viel Herzblut wie in kaum einer zuvor.“ Tobias Krell, den Kinder (und Eltern) eigentlich nur unter dem Namen „Checker Tobi“ kennen und lieben, ist kein Typ, der mit Superlativen um sich schmeißt. Es muss also etwas bedeuten, wenn er über die neue Ausgabe seiner Sendung so etwas sagt. Und tatsächlich: Die Episode mit dem Titel Der Leben- und Sterben-Check ist eine ganz besondere geworden. Der 30-jährige Moderator setzt sich mit dem Tod auseinander und versucht, Kindern zwischen sechs und zehn Jahren – für die ist die Sendung gedacht – die wichtigsten Fragen zum Thema zu beantworten.

Was passiert eigentlich mit Menschen, die gerade gestorben sind? Wie ist es, einen Toten zu sehen? Zu berühren? Wie geht es jemandem, der weiß, dass er bald sterben wird? Und wie fühlen sich Kinder, deren Mama oder Papa gestorben sind? Es sind – naturgemäß – keine leichten Fragen. Aber sie werden mit so viel Bedacht und Sensibilität gestellt, dass die Sendung ein Gewinn für jeden (!) Zuschauer ist, ganz gleich ob jung oder alt.

Tobias, Sie sagen, diese Sendung zu drehen war anders als sonst.

Tobias Krell: Ja, das war keine Arbeit wie jede andere. Das fing schon damit an, dass die Vorbereitung viel aufwendiger und zeitintensiver war als sonst. Es wäre ja völlig undenkbar gewesen, einfach mit einer Kamera unterm Arm in ein Hospiz zu marschieren und dort Menschen zu interviewen.

Wie sind Sie vorgegangen?

Krell: Sehr sensibel. Vor etwa drei Jahren haben wir mit der Recherche angefangen. Das Wichtigste war uns, die Menschen, die wir in der Sendung vorstellen, gut kennenzulernen, bevor wir sie vor der Kamera interviewen. Sie geben schließlich viel von sich preis.

Wie schwierig war es überhaupt, jemanden zu finden, der im Fernsehen darüber spricht, dass er bald sterben wird?

In der Münchner ­Nicolaidis-Stiftung treffen sich Kinder, deren Eltern gestorben sind, zum Spielen, Malen und Reden.

Krell: Wir hatten Glück, dass wir Ulrich getroffen haben. Er lebte in einem Münchner Hospiz – inzwischen ist er leider verstorben – und war sofort bereit, bei der Sendung mitzumachen. Für seine Eltern war es verständlicherweise nicht so leicht, dass ihr Sohn im Fernsehen von seinem bevorstehenden Sterben erzählen wollte. Wir haben auch mit denen gesprochen und genau erklärt, worum es uns geht. Das hat natürlich alles Zeit gekostet, aber wir hätten nie gedreht, wenn nicht alle Seiten, die betroffen sind, auch einverstanden gewesen wären. Das war immer unser Versprechen an die Protagonisten.

Sie haben auch im den SABU-Club der Nicolaidis-Stiftung in München gedreht. Dort treffen sich Kinder regelmäßig, die ihre Mama oder den Papa verloren haben. Wie haben Sie diese Kinder erlebt?

Krell: Bei den Kindern waren wir ebenfalls mehrmals. Anfangs, ohne Kamera, haben wir nur mit ihnen gesprochen und gespielt. Viele kannten mich aus dem Fernsehen, was es mir natürlich leichter gemacht hat, einen Zugang zu ihnen zu finden. Aber es bleibt trotzdem unfassbar schwierig, mit einer Fünfjährigen darüber zu reden, wo ihre Mama denn jetzt eigentlich ist. Da kriege ich schon auch einen Kloß im Hals. Diese Tage bei den Kindern sind mir monatelang nicht aus dem Kopf gegangen …

Warum haben Sie sich entschieden, das Sterben zum Thema einer Sendung zu machen?

Krell: Wir hatten die Idee schon lange auf dem Schirm. Natürlich geht es in einer Kindersendung viel um Bauernhöfe, Polizei und Feuerwehr. Aber der Tod ist auch ein Thema, das Kinder mitbekommen, wenn Oma und Opa sterben zum Beispiel. Das Sterben gehört einfach zum Leben dazu, so banal das klingt. Bei uns in der Sendung gibt es deshalb kein Thema, das es nicht gibt.

Die meisten Eltern tun sich wahrscheinlich auch schwer, über das Thema Tod mit ihren Kindern zu sprechen. Da sind Sie schon eine gute Unterstützung, oder?

Krell: Das denke ich schon, ja. Und das schreiben mir Eltern zum Beispiel auch auf unserer Facebook-Seite. Das Thema Tod ist nach wie vor stark tabuisiert.

Nach allem, was Sie aus der Arbeit an der Sendung gelernt haben: Was hilft Kindern am meisten, den Verlust eines lieben Menschen zu verarbeiten.

Krell: Das kann man sicher nicht verallgemeinern. Was ich aber schon festgestellt habe, ist: Je älter das Kind ist, desto schwieriger wird es. Ein Fünfjähriger sagt: Mama ist im Himmel. Der kann sich das so vorstellen, das ist seine Erklärung, die ihm hilft. Ein Zwölfjähriger würde das eher nicht mehr sagen. Das macht es für ihn unter Umständen schwieriger. Aber letztlich hat jeder, auch jedes Kind, seine eigene Art, mit dem Tod umzugehen. Was aber den meisten Kindern hilft, ist der Kontakt zu anderen Kindern, die etwas Ähnliches erlebt haben. Das ist jedenfalls die Erfahrung der Experten. Gemeinsam zu malen oder zu spielen hilft ihnen sehr.

Am Anfang der Sendung sagen Sie, in Ihrem Freundes- oder Familienkreis ist noch niemand gestorben. Haben Sie nach der Sendung weniger Angst vor dem Tod?

Krell: Ja. Ich hatte bislang tatsächlich in meinem Privatleben keine Berührung mit dem Thema Tod. Ich war noch nie auf einer Beerdigung, insofern war die Sendung auch für mich die erste Begegnung mit dem Tod. Ich habe für mich persönlich herausgefunden, dass ich den Gedanken ans Sterben aus meinem Leben bislang komplett rausgehalten habe. Und das ist nicht unbedingt gut. Ich habe durch die Sendung noch einmal mehr begriffen: Das Sterben gehört zum Leben dazu – und wenn man offen darüber spricht, kann man eigentlich nichts falsch machen.

„Der Leben- und Sterben- Check“, Sa., 29. 10, um 19.25 Uhr im KiKA und Sa., 5. 11., 8 Uhr, ARD

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