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Haben ihre ganz eigene Art, um Übeltätern auf die Spur zu kommen: Christian Tramitz (r.) und Helfried von Lüttichau sind „Hubert und Staller“.

Sechste Staffel von „Hubert und Staller“

Tramitz im Interview: „Es müssen die Fetzen fliegen“

München - „Hubert und Staller“ ist nicht nur für Christian Tramitz ein Erfolgsgarant. Vorm Start der sechsten Staffel spricht der Schauspieler über die Besonderheiten der ARD-Serie.

Die ARD-Serie „Hubert und Staller“ hat sich seit 2011 zum heimlichen Hit im Vorabendprogramm entwickelt. An diesem Mittwoch startet bereits die sechste Staffel, und den beiden Hauptdarstellern Christian Tramitz und Helfried von Lüttichau macht es sichtbar Freude für die Reihe zu werben. Im Gespräch zeigt sich der 61-jährige Tramitz aufgeräumt und in Gesprächslaune. Offen erzählt er, was in der Fernsehbranche nicht optimal läuft und hält irgendwann inne, um zu fragen: „Wen habe ich noch nicht beleidigt?“

Herr Tramitz, macht es Spaß, wenn man in seiner Rolle ständig schlecht gelaunt sein darf?

Christian Tramitz: Das macht riesigen Spaß. Mir tun diese ­armen Moderatoren leid, die im Frühstücksfernsehen immer gut drauf sein müssen. Leute auflaufen lassen zu können ist natürlich eine dankbare Auf­gabe. Man muss nur aufpassen, dass es keine reine Nummer wird, sonst ist es schnell langweilig. Genauso wie immer gut gelaunt auch langweilig sein kann.

Sie haben gerade die sechste Staffel abgedreht - wie schaffen es „Hubert und Staller“, der Routine zu entgehen?

Tramitz: Das schafft man, indem man ungehorsam ist, indem man Texte umdreht und indem man sich streitet. Und zwar auch mal so, dass die Fetzen fliegen. Dieses „wir verstehen uns alle so gut“, das kann auch zum Hemmschuh werden. Es braucht die Auseinandersetzung. In Wirklichkeit mögen wir uns natürlich alle sehr ­gerne, aber es muss auch mal fetzen. Sonst ist das der Tod jeder ­Serie.

Hilft es auch, dass sie beide nach längeren Umwegen im ­komischen Fach gelandet sind und im reiferen Alter albern sein dürfen?

Tramitz: Das hilft wahnsinnig. Wir sind ja beide über 60, und in dem Alter noch so einen Blödsinn machen zu dürfen ist toll. Außerdem liegt in der ­Komik immer auch viel Tragik. Das ist bei den beiden Figuren ja auch verankert, und das ist auch wichtig. Die Haupttragik der beiden ist ja, dass sie außer einander niemanden haben und sich dabei irrsinnig auf die ­Nerven gehen. Und deswegen müssen sie miteinander auskommen. Man fragt sich, wie überleben die einen Tag, ohne sich gegenseitig zu erschießen? Von diesem Konfliktpotential lebt die Serie.

Diese Art von Unterhaltung wird ja oft nicht so richtig ernstgenommen.

Tramitz: Als wir angefangen haben, wurden wir schon etwas belächelt. Allerdings sind die Zuschauer nicht blöd, denn die mögen das Schräge. Ich glaube, es ist ein Fehler zu versuchen, dem Publikum nach dem Maul zu schreiben oder zu spielen. Das, woran wir Spaß haben, daran haben auch die Zuschauer Spaß. Das kann zwar auch mal schiefgehen, aber alles was wie ein Mittelweg aussieht, funktioniert nicht. Es ist ein Fehler, das Gespür des Publikums zu ­unterschätzen.

Dem Verbrechen auf der Spur: Hubert und Staller sind auf vier Rädern unterwegs.

Krimis in Deutschland müssen ja immer düster sein und ernst.

Tramitz: Ja, jeder Kommissar hat einen Arm ab oder ist ­wenigstens Alkoholiker. Dieses Angestrengte muss aber nicht immer sein. Das haben genügend Gegenbeispiele bewiesen. Ich persönlich schaue mir solche düsteren, melancholischen Formate nicht an, das ertrage ich nicht. Es liegt an mir.

Ernste Themen liegen Ihnen nicht?

Tramitz: Wenn ein ­Thema gut aufgearbeitet wird, wenn es relevant für den Fall ist, finde ich das fantastisch. Wenn es aber nur Mittel zum Zweck ist, wirkt das angestrengt. Wenn man es schafft, ein ernstes Thema wie in „Ziemlich beste Freunde“ komödiantisch anzugehen, dann schaue ich gerne zu.

Wäre so ein Projekt beim deutschen Fernsehen durchgekommen?

Tramitz: Natürlich nicht. ­Kritiker machen es sich da übrigens auch oft leicht und verurteilen schnell etwas einfach nur als Klamauk.

Wie sind denn die Reaktionen echter Polizisten? „Hubert und Staller“ sind ja keine Supercops.

Tramitz: Bis jetzt ­positiv. ­Neulich hat mich ein Streifen­wagen angehalten, und ich hatte Angst, dass ich Ärger bekomme. Aber die wollten am Ende nur ein Foto mit mir. Die meisten sagen: Ihr seid näher am ­Alltag der Polizei als andere ­Serien.

Wie wichtig ist es für Sie ­Erfolg?

Tramitz: Das ist natürlich wichtig, aber ich hatte auch viele Sachen, die nicht gut funktioniert haben. Allerdings ist es für die eigene Entwicklung ungemein hilfreich, auch mal Misserfolge zu haben. Dass „Hubert und Staller“ so gut geht, ist ein Glücksfall und man muss einfach dankbar sein.

Die Serie hat auch so prominente Fans wie Herbert Achternbusch oder Dominik Graf.

Tramitz: Ja, das begeistert und ehrt mich. Sogar Helmut Dietl hat es mit seiner Tochter geschaut. Das ist schon so etwas wie ein Ritterschlag.

Das Gespräch führte Zoran Gojic

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