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Sport-Reporter Günter-Peter Ploog ist am Samstag im Alter von 68 Jahren gestorben.

Nachruf

Cooler alter Cowboy: Zum Tod von Günter-Peter Ploog

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München - Zum Tod von Sportreporter Günter-Peter Ploog, der am Samstag im Alter von 68 Jahren gestorben ist. Ein Nachruf von Günter Klein.

Eines seiner letzten Spiele war im Mai, als die Bundesligasaison endete. Günter-Peter Ploog war in Augsburg, wo der Hamburger SV antrat, fürs ZDF-„Sportstudio“ bastelte er einen dieser Zwei-bis-Drei-Minuten-Beiträge, in denen aus Fußballspielen Lebensgeschichten wurden. Wie immer war Ploog ein cooler alter Cowboy, ein bisschen zu jung, zu turnschuhmäßig und mit seiner Kombi aus Shirts und Daunenweste zu salopp angezogen. Wie immer witzelte er vor dem Spiel im Kollegenkreis, in dem er auf die amerikanische Art nach den Initialen seiner Vornamen „Dschi-Pi“ genannt wurde, über die Verrücktheiten der Sportbranche, wie immer war er auf dem Noch-eine-rauchen-Sprung.

So hätte es auch am Samstag wieder sein sollen. Der Mainzer Sender hatte ihn – wen sonst, wenn in Hamburg gespielt wird? – zum HSV eingeteilt. Günter-Peter Ploog konnte den Auftrag nicht mehr wahrnehmen. Er starb am Samstagvormittag. Herzinfarkt. Er wurde 68 Jahre alt.

Günter-Peter Ploog: Einer der bekanntesten Kommentatoren in Deutschland

Mit eigener Produktionsfirma stand er seit einigen Jahren wieder in Diensten des ZDF, bei dem er großgeworden war, das er in den Neunzigern aber verlassen hatte, weil auch ihn die Möglichkeiten des neuen Fernsehens lockten. In seinem Fall Premiere, der erste Pay-TV-Sender in Deutschland, der Vorgänger von Sky, betrieben von Medienmogul Leo Kirch. Ploog wurde geholt, weil Premiere die Eishockeyrechte gekauft hatte, er baute eine Redaktion dafür auf, und natürlich war er auch für Fußball mit zuständig als einer der bekanntesten Kommentatoren in Deutschland.

Beim ZDF stand Ploog in der Hierarchie damals weit oben. Er machte die großen Fußballereignisse, Länderspiele, Europacupfinals. „Aus dieser Entfernung haben sie gestern im Abschlusstraining Schüsse geübt“, sagte er im Jahr 1983 in der Sekunde, als Felix Magath aus 30 Metern Maß nahm und den HSV gegen Juventus Turin zum Europapokalsieger machte. Reporterglück – und Reportergespür.

Das „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF hatte in den Achtzigerjahren seine Blütezeit. Mit jungen kritischen Geistern, die sich nicht einschüchtern ließen, die im Klartext kommentierten und kein Thema mieden – Marcel Reif, Michael Palme, Günter-Peter Ploog. Insbesondere dem Fußballteamchef Franz Beckenbauer gingen sie auf den Geist. Günter-Peter Ploog ließ sich durch Kritik nicht irritieren. Wenn’s sein musste, war er zur Kontroverse bereit.

Wie mit dem Deutschen Eishockeybund, der fand, Ploog habe die Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen im Jahr 2010 zu hart angefasst. Man schalt ihn ahnungslos, fand, seine Stimme habe zu sehr nach Gurgeln mit Whisky geklungen. Ploog blieb hanseatisch-gelassen: „Ich sage ja nur, wie’s ist.“ Manche im Eishockey zuckten zusammen, als die Telekom, die ab dieser Saison die deutschen Ligaspiele live im Internet überträgt, die Namen der Kommentatoren präsentierte. Einer von ihnen – Altmeister Ploog.

Wovon er immer geträumt hatte: Dass seine Stadt Hamburg ein richtiger Eishockey-Standort wird, mit einer Halle wie dem Saddledome in Calgary. Im Jahr 2002 erfüllte sich das, dank eines amerikanischen Investors bekam Hamburg ein potentes Team, die Freezers. Im Juni 2016 wurde es, da nicht mehr finanzierbar, aufgelöst. Die Freezers gingen, Günter-Peter Ploog ging. Ein Typ, eine Stimme, der man anhörte, dass hinter ihr ein pralles Leben liegt. Den schönsten Tweet zum Tod von Günter-Peter Ploog schrieb sein langjähriger ZDF-Kollege Jochen Bouhs: „Pall. Mall. Aus. Tschüß Günter.“

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