Die CSU-Show geht weiter

- Was täten die Programmplaner, Talkmaster und Werbezeitenverkäufer ohne die CSU? Gäbe es die christlich-spektakuläre Union nicht ­ das Fernsehen müsste sie erfinden. Der Showdown auf dem Parteitag vom Wochenende hat offenbart, welches Potenzial die CSU noch bietet. Tägliche Serien ("Verbotene Liebe", "Ein Fall für zwei") sind ebenso denkbar wie ein Quiz oder ein wöchentlicher Themenabend. Die CSU eignet sich für viele Formate.

Bis zur Entwicklung neuer Sendungen müssen bayerische Politiker noch mit bekannten Gastgebern wie Reinhold Beckmann (ARD) oder Maybrit Illner (ZDF) vorlieb nehmen, oder auch mit beiden gleichzeitig: Am Montagabend bestellte Beckmann seine Kollegin Illner ins Studio und bat Horst Seehofer und Gabriele Pauli hinzu. Der Dritte im Bunde, der neue CSU-Chef Erwin Huber, war leider verhindert ­ er saß zur gleichen Zeit in der Koalitionsrunde im Kanzleramt und übte sich im Regieren. Auch eine wichtige Aufgabe, die in Fernsehgesellschaften gelegentlich in Vergessenheit gerät.

Wohl unvergessen dagegen bleibt die anbiedernde Attitüde, mit der sich Beckmann zum hundertsten Male bemüht, das private Doppelleben Seehofers auszuforschen ­ als wären all diese gierigen Fragen ("Wie fühlt man sich...?") nicht schon endlos gestellt und beantwortet worden.

Der CSU-Vize versucht das peinliche Verhör wegzulächeln und die Aufmerksamkeit auf die aufmüpfige Landrätin Pauli zu lenken, die erst nach ihm das Studio betritt. "Sie ist couragiert, sie ist qualifiziert ­ wir sollten in der CSU alles tun, um sie an uns zu binden und zu halten", flötet Seehofer und lobt ihren Mut, ihre Standhaftigkeit. Die Femme fatale aus Fürth aber lässt sich nicht einlullen und kontert kühl: "Ich würde mir den Mut auch von anderen wünschen." Seehofer saß in der ersten Reihe, als die CSU-Regie der Kritikerin das Mikro abdrehte.

Eine Weile liefern sich Pauli und Seehofer einen unterhaltsamen Wettbewerb, wer der größere Rebell sei ("Ich habe mich nie einbinden lassen..." ­ "Ich doch auch nicht!"), bis sich der Minister zu Kritik an seiner Kollegin durchringen kann: Selbstgerechtigkeit wirft er Pauli vor, die ratlos den Kopf schüttelt. Die Moderatorin Illner wird deutlicher: "Bei den Grünen kann man was werden, wenn man den Parteichef anpinkelt. Bei der CSU sicher nicht." Das sitzt. Posten seien ihr egal, beteuert Pauli, "wichtig ist, was ich denke".

Für die Frau, die auf dem Parteitag mit allen Anträgen durchfiel und jetzt auch ihr Vorstandsamt los ist, dürfte es tröstlich sein, dass ihr wenigstens die Fernsehmikrofone weiter zur Verfügung stehen. Der Flurfunk meldet, die 50-Jährige sei bei einem Privatsender als Moderatorin im Gespräch. Hoffentlich bleibt es ein Gerücht.

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