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Die Schauspielerin Paula Kalenberg (l-r), die Moderatorin Maybrit Illner, die Schauspielerin Anja Kling und der Schauspieler Christian Berkel freuen sich über die Auszeichnung mit der "Goldenen Kamera".

Auszeichnungen

„Das ist ja ’ne alberne Show hier“

Ganz ohne Glamour verlieh der Axel Springer Verlag die „Goldene Kamera“ – Preise für Maybrit Illner und „Mogadischu“

Im kommenden Jahr soll es wieder eine Gala geben. Das war die wohl beste Nachricht an diesem Mittwochvormittag im Axel Springer-Hochhaus in Berlin, wo auf einer schnöden Pressekonferenz die Preisträger der „Goldenen Kamera“ bekannt gegeben wurden. Vor rund einhundert Journalisten, Fotografen und Verlagsmitarbeitern war Moderator Frank Elstner nach 70 Minuten sichtlich erfreut, das Ende verkünden zu können.

Bereits im Dezember hatte der Springer-Verlag alle Feiern, Empfänge und Galas für 2009 abgesagt und dies mit der Finanzkrise begründet. So hieß es auch für die diesjährige, die 44. Ausgabe der „Goldenen Kamera“ Selters statt Schampus, Maybrit Illner statt Meryl Streep. Immerhin waren Verlegerin Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner gekommen. Vor ihnen saßen auf einem leicht erhöhten Podium „Hörzu“-Chefredakteur Thomas Garms und Verlagsgeschäftsführer Jochen Beckmann, die über die Absage der Gala offenbar nicht amüsiert waren und während der gesamten Veranstaltung kaum ein Lächeln neben dem sehr um Lockerheit bemühten Elstner zustande brachten.

Man wolle die Atmosphäre ein wenig auflockern, sagte Beckmann zu Beginn und ließ einen dreiminütigen Einspielfilm über frühere Galas zeigen, auf denen Stars wie Hugh Grant, George Clooney, Kylie Minogue, Jack Nicholson oder Charlize Theron strahlend die Trophäe in Empfang nahmen. Das trug zur Verbesserung der Stimmung aber nicht bei.

„Wichtig ist nicht das Fest, das Wichtige ist, dass die Richtigen ausgezeichnet werden“, meinte Elstner dann wie zum Trost. Auch er sei über die Absage zunächst enttäuscht gewesen. Dann sei er aber zum Schluss gekommen, dass dies eine vernünftige Entscheidung ist. Ob die Art und Weise der diesjährigen Vergabe auch vernünftig war, darüber gab es gestern unterschiedliche Meinungen. Als Elstner den Komiker Olli Dittrich aufforderte, nun vor den Fotografen zu posieren, meinte dieser: „Na, das ist ja jetzt ’ne alberne Show hier.“

Aber auch Elstner – der zuvor großzügig angekündigt hatte, auch die Journalisten könnten Fragen stellen, wozu es aber nicht kam – fühlte sich sichtlich unwohl. Als Preisträgerin Maybrit Illner ins Blitzlichtgewitter treten sollte, forderte er die Journalisten auf: „Können Sie bitte klatschen. Es gibt nichts Blöderes, als sich fotografieren zu lassen.“

Zu den „besten Schauspielern national“ Christian Berkel und Anja Kling sagte er, sie sollten sich vor den Kamerateams nach Möglichkeit „ein bisschen herzen“. Und zu Paula Kalenberg, die den mit 20 000 Euro dotierten Nachwuchspreis erhielt, meinte er: „Ich weiß, dass es furchtbar ist, sich hinzustellen und auf Kommando zu lächeln.“

Wie von den Galas aus den Vorjahren gewohnt, wurden kurze Trailer der Sieger gezeigt. Aber auch mit der Trophäe ausgezeichnete Stars wie Clint Eastwood, Meryl Streep und Daniel Craig ließen sich nicht viel mehr als ein kurzes „Danke für den großartigen Preis“ entlocken. Nicht einmal „Panikrocker“ Udo Lindenberg war persönlich gekommen, obwohl er doch für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.

Am Ende konnte sich Geschäftsführer Beckmann dann doch zu einem angedeuteten Lächeln durchringen. Er freue sich auf die Goldene Kamera 2010 – „dann wieder mit Gala.“ Wie viel der Verlag denn nun durch die Absage gespart hat, und ob die Absage nicht doch mehr symbolischer Art war, war nicht in Erfahrung zu bringen. „Hörzu“-Chefredakteur Thomas Garms meinte auf Nachfrage, dazu gebe es keine Stellungnahme. In den Vorjahren war die Gala von Sponsoren mitfinanziert worden.

von Holger Mehlig

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