WM im Live-Ticker: Hummels fällt wohl aus - Trumpft Island gegen Nigeria wieder auf?

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Akzeptable Unterhaltung oder klischeetriefendes Ärgernis? Szene aus der täglichen BR-Serie „Dahoam is dahoam“ mit (v. l.) Michael Schreiner, Peter Rappenglück, Ursula Erber, Werner Rom und Heidrun Gärtner.

„Das ist alles sehr nett gemacht“

Medienpsychologe Jo Groebel über den Erfolg von und die Kritik an „Dahoam is dahoam“ im Bayerischen Fernsehen

Das Nein der Mittenwalder Gebirgstrachtler zur Mitwirkung an einem vom Bayerischen Rundfunk (BR) für die ARD produzierten Fernsehfilm (wir berichteten) sorgt für kontroverse Diskussionen. Heftig gestritten wird über die „Echtheit“ der Darstellung (ober-)bayerischer Lebensart in Film - und Serienproduktionen des Münchner Senders. Der BR führt – neben diversen Spiel- und Fernsehfilmen – die Serie „Dahoam is dahoam“ als Beispiel einer erfolgreichen Produktion mit kräftigem bayerischen Kolorit an. Doch die seit knapp zwei Jahren laufende Daily Soap (immer montags bis donnerstags um 19.45 Uhr) ist nicht unumstritten. Kritiker geißeln lebensferne „Tümelei“, erregen sich über „Kitsch“ und „Klischees“, monieren den fehlerhaften Dialekt einiger Darsteller. Doch die Fangemeinde ist groß, die Quote liegt mit 14,4 Prozent weit über dem Senderschnitt von derzeit rund sieben Prozent. Über das Phänomen „Dahoam is dahoam“ sprach unsere Zeitung mit dem Medienwissenschaftler Jo Groebel.

-Was macht nach Ihrer Einschätzung den Erfolg der Serie aus?
Ich glaube, „Dahoam is dahoam“ ist die gelungene Synthese aus einem Serienklassiker wie der „Lindenstraße“ und einer modernen Daily Soap wie „Sturm der Liebe“, gewürzt mit einer Prise „Weißblaue Geschichten“ und einigen anderen Ingredienzen. Stark an die „Lindenstraße“ erinnert mich die Häufung sozial- oder gesellschaftskritischer Themen wie zuletzt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Michael und Trixi Preissinger , die Frage, was aus Kendra , dem aus Afrika stammenden Pflegekind der Kirchleitners, wird, und die Sorge um eine mögliche Demenzerkrankung bei Theresa Brunner...

-Die Quoten der „Lindenstraße“ sind aber seit Jahren rückläufig, die von „Dahoam is dahoam“ dagegen steigen.
Das mag daran liegen, dass Themen wie die eben erwähnten in „Dahoam is dahoam“ längst nicht so sehr mit dem erhobenen Zeigefinger präsentiert werden wie in der „Lindenstraße“, in der sich in jeder Folge der Geruch von Sauerkraut über den handelnden Personen auszubreiten scheint. In dieser dörflichen Variante ist mehr Leichtigkeit.

-Aber das alleine kann’s doch nicht sein?
Es ist eine gute Mischung, sowohl, was die Personen, als auch, was die Stimmung angeht. Es gibt langfristig installierte Charaktere, die in interessante Konflikte verstrickt werden, es gibt daneben – wie in jeder Serie – Figuren, die plötzlich auftauchen und ebenso plötzlich wieder verschwinden. Diese Dorfgemeinschaft ist ein Mikrokosmos, in dem sich die ganze Bandbreite menschlichen Verhaltens abspielt, große und kleine Dramen, die letztlich das Leben bestimmen. Eine ganz wichtige Zutat scheint mir aber der Humor zu sein. Da gibt es witzige Episoden und sogar Filmzitate, da gibt es den Schlussauftritt eines der Protagonisten, der das soeben Erlebte noch einmal in einem kurzen Monolog Revue passieren lässt. Das ist alles sehr nett gemacht.

-Hat die Liebe überdurchschnittlich vieler BR-Zuschauer zu „Dahoam is dahoam“ auch damit zu tun, dass die Geschichten in einem – wenn auch fiktiven – Dorf spielen?
Mit Sicherheit trägt dieser Punkt zum Erfolg bei. Es handelt sich hier um eine Art progressives Volkstheater, mit dem wohl an die Tradition des Dorftheaters angeknüpft werden soll, das ja in Bayern einen hohen Stellenwert hat. Ich kenne keine andere deutsche Region, in der das Dorf- oder Bauerntheater eine so lebendige Tradition hat. Insofern wird hier schon auf ein regionaltypisches Phänomen Bezug genommen.

-Es gab und gibt Proteste der Puristen, die die Trivialität der Geschichten kritisieren, vor allem aber beklagen, dass die Hauptdarsteller gar kein authentisches Bairisch sprächen. Wie wichtig ist der perfekte Dialekt für eine solche Serie?
Der Dialekt muss vor allem verständlich sein für diejenigen Zuschauer, die nicht aus der Region kommen, in der der erfundene Ort Lansing liegen soll. Insofern kann es sich bei dem in Lansing gesprochenen Dialekt sowieso nur um eine Kunstsprache handeln, weil man den Spagat machen muss zwischen authentisch einerseits und verständlich für ein nicht mundartlich bewandertes Publikum andererseits. Hinzu kommt, dass nicht alle Schauspieler aus der Region stammen, auch da mussten sicher Kompromisse gemacht werden. Übrigens gibt es auch auf dem Dorf heutzutage Zugereiste oder Menschen, die normalerweise Hochdeutsch sprechen. Insofern ist das Nicht-Authentische ja schon fast wieder authentisch, denn es bildet die Realität ab.

-Würden Sie anderen Dritten empfehlen, auch solche durch ein dörfliches Ambiente und Mundartgebrauch definierte Serien zu produzieren?
Da müssten die Sender schon ein ausreichend großes Sendegebiet haben, um eine akzeptable Quote zu erzielen. Ich glaube nicht, dass Anstalten wie der Saarländische Rundfunk sich so eine Produktion leisten können. Bei manchen anderen Sendern – ich denke da an den Südwestrundfunk, der Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bedient – könnte es schwierig sein, sich auf eine Region als Schauplatz festzulegen, ohne die Zuschauer aus den anderen zu verärgern.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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