"Das Aufhören fällt mir ganz schön schwer"

München - Eine Legende nimmt Abschied. Nach mehr als 20 Jahren löst Rolf Schimpf (83) im ZDF-Krimiklassiker "Der Alte" morgen (20.15 Uhr) seinen letzten Fall als Kommissar Leo Kress.

Der 1924 als Sohn eines Offiziers in Berlin geborene Schimpf war ein gefragter Theaterdarsteller, spielte im Fernsehen die Titelrolle in der Serie "Mensch Bachmann" und wirkte unter anderem in der Krimireihe "Soko 5113" mit, bevor er in einem Alter, in dem andere schon an den Ruhestand denken, den Job seines Lebens ergatterte. Seinen ersten Auftritt als "Der Alte" hatte er 1986, seitdem ging der Schauspieler, der mit seiner Frau und Kollegin Ilse Zielstorff in München lebt, in insgesamt 222 Episoden auf Mörderjagd. Sein Nachfolger als "Der Alte" wird ab März Walter Kreye (65).

- Warum hören Sie auf?

Die Entscheidung war eine reine Altersfrage. Ich kann den Zuschauern wirklich nicht mehr weismachen, ich wäre 65 Jahre alt. Da möchte ich den Ereignissen auch vorgreifen und lieber aufhören, als zu warten, bis die Leute sagen: "Hört der immer noch nicht auf?" Eigentlich habe ich ja schon vor längerer Zeit gesagt, dass ich das beenden möchte, doch damals haben mich die Verantwortlichen gebeten, noch ein bisschen durchzuhalten. Aber jetzt ist endgültig Schluss.

-Sie haben seit 1986 immer dieselbe Rolle gespielt - hatten Sie nie Lust, einmal eine andere Figur zu verkörpern als den braven Kommissar Kress?

Sicher hätte ich mir vorstellen können, auch andere Sachen zu machen. Das ging jedoch zeitlich nicht - wir haben ja zehn Monate im Jahr gedreht. Wenn ich wieder einmal als Schauspieler vor der Kamera stehe, würde ich den Spieß aber gerne umdrehen und in einem Krimi den Täter spielen. Das wäre bestimmt eine interessante Erfahrung.

-Ihr Vorgänger in der Rolle, Siegfried Lowitz, endete tragisch - er wurde im Dienst erschossen. Wird Ihr Abschied ähnlich dramatisch ausfallen?

Nein, ich habe das mit Produzent Helmut Ringelmann besprochen, und wir haben vereinbart, dass Leo Kress ganz normal in Rente geht - Verzeihung, in Pension. Ich werde ganz undramatisch aufhören, mein letzter Satz als Kress lautet: "Ihr schafft das jetzt auch ohne mich" oder so ähnlich.

-Fällt Ihnen der Abschied denn gar nicht schwer?

Natürlich ist da ein bisschen Wehmut dabei, denn nach all der Zeit ist man ja sehr verbandelt mit den Kollegen und dem ganzen Unternehmen. Das Aufhören fällt mir ganz schön schwer.

-"Der Alte" hat sich stets konsequent dem Zeitgeist verweigert, dennoch schalten regelmäßig mehr als fünf Millionen Zuschauer ein. Der betuliche Dauerbrenner kann also locker mit amerikanischen Kultserien wie "CSI" mithalten. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Ganz einfach - es gibt zu viele Krimiserien, die mit Schießereien und Gewalt und explodierenden Autos arbeiten. "Der Alte" ist eine der wenigen, die das nicht macht. Wir haben immer versucht, den kriminalistischen Alltag darzustellen, und das hat sich ausgezahlt. Die Resonanz beim Publikum war ausgesprochen positiv. Wann immer ich angesprochen wurde, war nie Kritik am Charakter der Serie zu hören, sondern immer nur eine ungeheure Zustimmung.

-Schauen Sie sich die modernen amerikanischen Krimiserien wie "CSI" gelegentlich an?

Eigentlich nicht. Die spielen in Amerika, die haben ihre eigene Charakteristik und ihr eigenes Milieu, das interessiert mich weniger. Mich interessiert das, was vor meiner Nase passiert, in Europa, in Deutschland, wo mir die Problematik näher liegt. Ich sehe aber bestimmte "Tatort"-Kollegen gerne, das war zum Beispiel Manfred Krug, als er noch im Dienst war, und auch die Kollegen aus München mag ich sehr. Manchmal schaue ich auch aus alter Verbundenheit bei "Soko 5113" rein.

-Ihr Nachfolger ist Walter Kreye. Hat er Sie mal um Tipps und Tricks gebeten?

Das hat er nicht, aber ich kenne ihn von früher. Der braucht von mir keine Ratschläge, das ist ein sehr erfahrener und guter Schauspieler. Es gibt im Übrigen auch gar keine Geheimtricks, jeder kann selber herausfinden, worauf es ankommt. Es wimmelt ja vor Kriminalisten im Fernsehen, da man kann genau sehen, wenn einer Fehler macht, das ist ein ständiger Anschauungsunterricht.

-Was sind das denn für Fehler, die Ihnen so auffallen?

Wenn einer seine schauspielerische Eitelkeit zu sehr durchscheinen lässt und nicht auf das Milieu eingeht. Wenn ich das Gefühl habe, das ist kein Kriminalkommissar, sondern ein Schauspieler, der einen Kriminalkommissar spielt. Aber fragen Sie nicht nach Beispielen, ich werde keine Namen nennen.

-Und was machen Sie morgen Abend, wenn im Fernsehen die letzte Folge von "Der Alte" mit Ihnen als Kommissar Leo Kress läuft?

Da werde ich vor dem Fernseher sitzen und mir das anschauen.

Aus Anlass des Abschieds von Rolf Schimpf zeigt das ZDF in der Nacht zum Samstag ab 0.50 Uhr eine lange "Der Alte"-Kriminacht mit den Folgen "Liebe und Tod" (1991), "Der dritte Versuch" (1992), "Anstiftung zum Mord" (1993) und "Hochzeit mit dem Tod" (1997).

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