Tödliche Messer-Attacke in Giesing: Mann gestorben

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"Das hat ja eher etwas Rührendes"

München - Wenn Andi und Markus, Bruno und Maik auf Brautschau gehen, sind so viele Zuschauer dabei wie sonst nur beim "Tatort" oder bei Günther Jauchs Quiz. Acht Millionen sahen am vergangenen Montag die fünfte von neun Folgen der Reihe "Bauer sucht Frau", heute abend (21.15 Uhr) läuft die sechste Episode.

Doch mit der Quote wächst auch die Kritik, vor allem von Seiten von Bauernverbandsvertretern. Über die Kuppelshow sprachen wir mit dem Medienpsychologen Jo Groebel (57), Chef des Deutschen Digitalinstituts in Berlin.

Warum ist "Bauer sucht Frau" so erfolgreich?

Es gibt beim Zuschauer offenbar eine tiefe Sehnsucht nach Authentizität, die hier befriedigt wird. Wir werden ja im Fernsehen überschwemmt mit gemachten Persönlichkeiten, mit Menschen, an denen nichts mehr natürlich ist. In "Bauer sucht Frau" finden wir, was wir früher vielleicht belächelt hätten, nämlich Menschen, die auch einmal unbeholfen sind, die sich nicht so perfekt auszudrücken wissen, auf jeden Fall solche, die noch nicht durch eine Medienkultur gegangen sind und glauben, sich auf eine bestimmte Art und Weise stilisieren zu müssen.

Steckt hinter der hohen Quote nicht vielleicht auch die Sehnsucht nach Romantik? Der Beruf des Landwirts ist ja bei vielen immer noch mit positiven Klischees besetzt . . .

Das spielt sicherlich auch eine Rolle, wenngleich - und das unterstreicht die Echtheit der Reihe - man durchaus mitbekommt, dass das moderne Bauernleben wahrlich nicht durch Romantik geprägt ist. Es geht in erster Linie um harte Arbeit, und daran ist ja die eine oder andere Beziehung auch schnell gescheitert.

Es gibt auch Kritik von Seiten des Bauernverbandes. Der bemängelt nun gerade, dass das Leben mit und in der Landwirtschaft ganz falsch dargestellt wird.

Bei allem Respekt vor dem Bauernverband - aber natürlich kann man in einem solchen Format nicht eine Realität abbilden, in der in erster Linie Bilanzen vorkommen und keine Gefühle. Es wird andererseits auch kein Mensch ernsthaft behaupten, dass jeder Bauernhof ein Ort der Romantik ist. Es geht ja auch gar nicht so sehr um die Landwirtschaft, sondern um Angehörige einer Berufsgruppe, von denen man sagen kann, dass sie immer noch ein bisschen unverbildeter im positivsten Sinn sind als nahezu jeder andere Groß- oder Kleinstadtbewohner, der glaubt, demnächst in Hollywood zu reüssieren, nur weil plötzlich eine Fernsehkamera auftaucht.

Kommen wir zu den handelnden Personen. Die Entscheidung zwischen zwei Kandidatinnen trifft der Landwirt in der Reihe vor laufender Kamera. Was bedeutet es für die Frauen, die da öffentlich abgewiesen werden?

Das ist schon ziemlich hart, andererseits handelt es sich um erwachsene Menschen, die, davon gehe ich jetzt einmal aus, auch schon ein wenig Hintergrundwissen über "Bauer sucht Frau" haben. Das ist ja nicht die erste Staffel. Insofern habe ich hier weniger Bedenken als beispielsweise bei "Deutschland sucht den Superstar", wo es um Jugendliche geht.

Auch die Landwirte selbst müssen sehr viel von sich preisgeben. Einige von ihnen gestehen frank und frei, dass sie noch nie eine Beziehung hatten . . .

Das hat ja eher etwas Rührendes. Ja, es stimmt, da zeigen Menschen schon viel von sich, aber das wird meiner Meinung nach nicht so präsentiert, dass die Protagonisten vor Scham im Boden versinken müssten. Ich unterstelle jetzt auch einmal, dass der Sender nicht alles zeigt, was er zeigen könnte.

RTL als Heiratsvermittler - ein ehrenwertes Engagement also in Zeiten des Höfesterbens?

Ziel des Senders ist es natürlich nicht, Partnerschaften zu vermitteln. Ziel ist es, zu unterhalten, und das im besten Fall auf eine einigermaßen menschenwürdige Art und Weise. Zuschauerbedürfnisse werden da eher befriedigt als die Bedürfnisse der Akteure. Dass die Chancen für die Kandidaten, eine Partnerin zu finden, auf diesem Weg größer werden, ist allerdings auch richtig. Insofern teile ich die Bedenken, die man angesichts dieser öffentlichen Form hat, nicht. Sehr viele Partnerschaften werden heute bereits über das Internet angebahnt. Der Übergang zwischen dem rein privaten und dem öffentlichen Kennenlernen ist längst fließend, und es ist auch nicht so, dass auf diesen Plattformen nur die zu finden sind, die sonst vielleicht keinen mehr abkriegen. Insofern lässt sich auch der Vorwurf des Voyeurismus entkräften.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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