"Das ganze Leben ist ein Genre-Mix"

- Die Komödie "Rossini" war sein Durchbruch ­ seitdem wirkte Jan Josef Liefers in zahlreichen Filmen mit. Doch keine Rolle machte den 42-jährigen Dresdener so populär wie die des überkandidelten Gerichtsmediziners Professor Boerne, den er im "Tatort" aus Münster spielt. Heute Abend ist Liefers in der Tragikkomödie "Frühstück mit einer Unbekannten" zu sehen(SAT 1, 20.15 Uhr). Er spielt den schüchternen Ministerialbeamten Laurens Wagner, der mit seiner Zufallsbekanntschaft Gina zum G8-Gipfeltreffen nach Heiligendamm reist.

"Frühstück mit einer Unbekannten" ist eine Romantikkomödie, in der es um die große Weltpolitik geht. Hat Sie dieser Genre-Mix anfangs sehr irritiert?

Das ganze Leben ist doch ein Genre-Mix, deshalb kam mir die Geschichte irgendwie vertraut vor. Ungewöhnlich ist das nur, weil man kaum noch etwas anderes zu sehen bekommt als Schubladen, Schablonen und Abziehbilder. Nein, dass die Geschichte so ist, wie sie ist, war eher ein guter Grund für mich, den Film zu drehen.

Wird das Publikum diese Mischung mögen? Immerhin ist mit der ZDF-Serie "Das Kanzleramt" ein anderer Versuch, Unterhaltung und Politik zu verknüpfen, gescheitert.

In unserem Film geht es nicht um Politiker oder Enthüllungen über den Ablauf des G8-Treffens, das sind nur Nebenprodukte. Es geht um Liebe und um ihre Kraft, die uns über uns selbst, über unsere Ängste und Zweifel hinauswachsen lässt und manchmal das Unmögliche möglich macht. Es geht um einfache menschliche Wahrheiten mitten in unserer komplizierten, modernen Welt ­ fast wie in einem Märchen. Es ist ein Unterhaltungsfilm, der mehr will, als nur die Zeit des Zuschauers totzuschlagen. Was sonst sollte man sich an diesem Abend im Fernsehen anschauen?

Die Komödie basiert auf dem erfolgreichen britischen Film "The Girl in the Café". Wie musste der Stoff verändert werden, um ihn deutschen Verhältnissen anzupassen?

Ich kenne das englische Original, es hat Humor, aber es ist keine Komödie. Es ist ein wunderbarer und sehr melancholischer Film über ein sehr ungleiches und seltsames Paar. Unsere Version ist etwas fröhlicher. Der Altersunterschied zwischen den Protagonisten wurde um etwa 15 Jahre reduziert, und die weibliche Hauptfigur namens Gina ist nicht mehr die Arbeitslose mit dem düsteren Geheimnis sondern eine junge Hebamme, die mindestens genauso überrascht von dieser beginnenden Liebe ist wie der Finanzexperte Wagner.

Hatten Sie ein Vorbild für Ihre Figur?

Wagners Vorname ist Laurens, da liegt die Assoziation zum CDU-Politiker Laurenz Meyer nahe, aber das ist purer Zufall. Nein, ich habe mir keinen Politiker zum Vorbild genommen, denn ich kenne keinen, der so ist wie Laurens. Der ist kein geborener Frontmann sondern einer derjenigen, die zwar die eigentliche Arbeit machen, aber deren Namen wir uns nie merken, weil sie faktisch nie in den Medien auftreten.

Laurens ist ähnlich wie Ihre beliebte "Tatort"-Figur Boerne ein etwas weltfremder Typ. Für solche Charaktere haben Sie offenbar eine Schwäche...

Laurens ist schüchtern, er ist ein Workaholic, aber außerhalb seiner Arbeit besitzt er kaum Selbstbewusstsein. Er entschuldigt sich andauernd für alles mögliche und ist vollkommen verunsichert von seinen Gefühlen für diese junge Frau. Er hat keine hohe Meinung von sich und ist alles andere als ein Draufgänger. Sie sehen, zwischen Laurens und Professor Boerne liegen Welten. Aber es stimmt, ich habe für beide eine Schwäche.

In dem Film reisen Laurens und Gina zu einem G8-Treffen. Gina ist entsetzt, dass die Regierungschefs nur ihre nationalen Interessen durchsetzen wollen und das wichtigste Thema, die Bekämpfung des Hungers in der Welt, unter den Tisch fallen lassen. Haben Sie sich von dem Film dazu inspirieren lassen, sich selber in Hilfsprojekten zu engagieren?

Der echte G8-Gipfel findet ja Anfang Juni in Heiligendamm statt, die Kanzlerin und der Finanzminister werden in unserem Film von Iris Berben und Jürgen Heinrich gespielt. Auch Catherine Deneuve spielt eine kleine Rolle, und bestimmt nicht, weil sie musste. Wir haben auf ein Viertel unserer Gagen verzichtet und spenden die Einnahmen aus Video-, DVD- und Weltvertrieb für die Projekte "Schulen für Afrika" und "Deine Stimme gegen Armut".

Die Globalisierungsgegner tauchen im Film nur am Rande auf. Kann man dem Thema damit gerecht werden?

Es geht im Film nicht um die G8-Gegner und nicht um deren Motive. Die Freiheit, seine Meinung zu äußern, auch wenn sie kontrovers ist, ist ein hohes Gut. Dabei auf Gewalt zu verzichten, sollte für einen wahren Weltverbesserer eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski

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