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Klaus J. Behrendt wird für die "Tatort"-Folge "Ohnmacht" ausgezeichnet.

Interview mit Klaus J. Behrendt

„Das Jugendstrafrecht ist in Ordnung so“

München - Schauspieler Klaus J. Behrendt über die „Tatort“-Folge „Ohnmacht“, für die er heute in München ausgezeichnet wird.

Zwei Jugendliche schlagen und treten in einem Kölner U-Bahnhof einen jungen Musiker, der zufällig ihren Weg kreuzt, ins Koma. Ein Freund der beiden filmt das Geschehen. Auch Kommissar Max Ballauf, der als Privatmann dazwischengehen will, wird attackiert und vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen. Andere Augenzeugen bleiben passiv, die Täter können zunächst entkommen. Die Folge „Ohnmacht“ aus der ARD-Krimireihe „Tatort“, erstmals ausgestrahlt am 14. Mai 2014, erhielt überwiegend positive Kritiken, mehr als zehn Millionen Zuschauer sahen den Film mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als Ermittlerduo Ballauf und Schenk. Stellvertretend für das Team wird Behrendt heute im Funkhaus des Bayrischen Rundfunks mit dem „Ginkgo Award“ der Vereinigungen „Glückliche Familie“ und „agi – Arbeitsgruppe International“ ausgezeichnet. Die aus Psychologen, Erziehungs- und Sozialwissenschaftlern bestehenden Einrichtungen würdigen damit Produktionen, die sich mit den Themen Gewalt und Gewaltprävention auseinandersetzen. Wir sprachen mit Klaus J. Behrendt (54).

Es geht um jugendliche Straftäter, um Gewaltexzesse an öffentlichen Plätzen, in diesem Fall in einer U-Bahnstation. Der Film suggeriert, dass das Jugendstrafrecht zu lasch sei, dass zu oft Sozialstunden und zu selten Gefängnisstrafen verhängt würden. Ist das die Botschaft dieses Krimis?

Nein, das ist nicht die Botschaft. Natürlich wird diese Frage im Film diskutiert, weil ich in meiner Rolle als unmittelbar Betroffener mich über die angebliche Laschheit der Gesetze aufrege. Über das Jugendstrafrecht haben sich viele kluge Köpfe viele Jahre Gedanken gemacht, das ist schon in Ordnung so. Im Übrigen hat man die Höchststrafe erst kürzlich heraufgesetzt, von zehn auf 15 Jahre.

Man hat den Eindruck, dass die Zahl solcher Gewalttaten zunimmt.

Den Eindruck kann man haben, das hat aber meiner Meinung nach damit zu tun, dass in den Medien – Fernsehen, Presse, Internet – solche Fälle wesentlich schneller und plakativer publik gemacht werden. Jugendgewalt hat es aber immer schon gegeben.

Klingt da Kritik an der Rolle der Medien an?

Nein, überhaupt nicht. Ich glaube aber, dass die intensive Berichterstattung der Medien den Bürgern einen falschen Eindruck vermittelt. Im Übrigen – auch wenn der Krimi den Titel „Ohnmacht“ trägt, bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass wir diesem Problem Jugendgewalt wirklich ohnmächtig gegenüberstehen. Es liegt an uns, unseren Söhnen und Töchtern immer wieder unsere Werte zu vermitteln, Respekt und Nächstenliebe. Und zu hoffen, dass das irgendwann ankommt.

Nun stammen die Täter in „Ohnmacht“ nicht aus Milieus, in denen sich Gewaltanwendung oft sozusagen vererbt, sondern aus sogenannten besseren Kreisen, einer aus dem Trio ist sogar der Sohn einer Richterin. Das macht ratlos, denn man kann keinen Grund für die Gewaltorgie erkennen.

Nicht immer ist es der prügelnde Vater, der den Sohn zum Täter werden lässt. Das gibt’s schon auch, und nicht erst seit gestern, dass man zuschlägt nur für den Kick. Das ist bitter, aber die Realität.

Und dass solche Exzesse auch noch mit dem Handy gefilmt werden, erhöht den Kick?

Es ist eine zusätzliche Demütigung des Opfers, mit der sich der Täter dann auch noch brüstet.

Auch aus Berlin gab es bereits einen „Tatort“, der Gewalt in der U-Bahn zum Thema hatte, in beiden Folgen, in „Ohnmacht“ wie in „Gegen den Kopf“, waren die Täter Deutsche. In sozialen Netzwerken und Online-Foren wurde anschließend von vielen kritisiert, das sei Ausdruck von Political Correctness. An Jugendliche mit Migrationshintergrund, die auch schon solche Taten begangen haben, traue man sich als Autor, als Regisseur, als Sender nicht heran.

Gewalt ist ein Thema sowohl bei deutschen Jugendlichen als auch bei solchen mit Migrationshintergrund, aber es ist meiner Meinung nach nicht so, dass das in der einen Gruppe häufiger vorkommt als in der anderen – auch wenn viele, die sich gerade jetzt überall lautstark äußern, das anders sehen. Es kommt sowieso insgesamt seltener vor, als immer suggeriert wird.

Es hätte keinen Unterschied gemacht, wenn der Haupttäter Cetin statt wie hier Kai geheißen hätte?

Nein, auf keinen Fall. Wir leben in einer offenen Gesellschaft, da muss man auch unbequeme Themen ansprechen dürfen. Natürlich hätten das in unserem Film auch Jugendliche mit Migrationshintergrund sein können. Aber ich fand an unserem Drehbuch gerade gut, dass wir mit der Tat nicht gleich das Motiv mitgeliefert haben.

Ist Ihnen, was Sie als Max Ballauf erleben, auch privat schon passiert?

Nein, und ich wünsche mir, dass mir so etwas nicht passiert. Und wenn doch, dann wünsche ich mir, dass ich richtig reagiere. Vorher große Töne zu spucken ist immer leicht.

Zurück zum Krimi! Haben Sie ein „Tatort“-Lieblingsteam?

Sagen wird mal so: Es gibt Teams, die ich lieber anschaue als andere. Und zu denen gehört, das wird Sie sicher freuen, auch das Münchner Duo. Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec finde ich schon klasse!

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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