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Foto rechts: Die damals neunjährige Peggy verschwand 2001. Foto links: Ist das Sina? Kommissar Tanner ( Ronald Zehrfeld) holt die junge Prostituierte ( Elisa Schlott) aus einem Puff

ZDF-Film von Münchner Autoren

Der Fall Peggy als brutaler Krimi

München - Auf Grundlage von Peggys Geschichte schrieb das Münchner Autorenpaar Ina Jung und Friedrich Ani das Buch zu einem fiktionalen Krimi: "Das unsichtbare Mädchen" läuft heute im ZDF.

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Die rote Trennlinie verläuft mitten durch die Dorfkneipe, schnurgerade von einem Eck ins andere. Auf der einen Seite sitzen die Guten: die, die an Eccos Unschuld glauben, daran, dass er die kleine Sina nicht getötet hat. Auf der anderen Seite sitzen die Bösen: jene Polizisten, die den geistig behinderten Mann ins Gefängnis gebracht haben.

Diese Szene stammt aus einem Film, könnte aber echt sein. Die Geschichte um Sina und Ecco ist zum Teil Peggys und Ulvi Ks. Geschichte: K., der in Haft sitzt, soll nach Meinung der Justiz 2001 das Mädchen aus Lichtenberg (Kreis Hof) ermordet haben. Falsch, glauben nicht nur viele Dorfbewohner – so hat ein Zeuge seine belastende Aussage zurückgezogen und Peggys Leiche wurde nie gefunden. Auf Grundlage dieses Falls schrieb das Münchner Autorenpaar Ina Jung und Friedrich Ani das Buch zu einem fiktionalen Krimi: Das unsichtbare Mädchen (Regie: Dominik Graf) läuft heute im ZDF.

Wo die Wirklichkeit aufhört, scheinen Ani und Jung in den dunkelsten Ecken ihrer Fantasie gespielt zu haben. Es entstand eine Geschichte um Kinderprostitution, Polizeiwillkür, Mauscheleien in der Politik. Dazu die Spekulationen: Lebt Sina noch? Diese 104 Minuten sind nervenaufreibend, oft brutal. „Das ist kein Kuschelkrimi“, sagt auch Ani.

Der Film um Sina beginnt elf Jahre nach deren Verschwinden: Mit Niklas Tanner (Ronald Zehrfeld) kommt ein neuer Kommissar ins oberfränkische Eisenstein. Sobald es um Sina geht, machen Tanners Kollegen dicht. Nur Ex-Hauptkommissar Altendorf (Elmar Wepper) spricht Klartext. Er leitete die erste Soko, konnte aber nicht schnell genug einen Täter präsentieren – und wurde vom Innenminister persönlich abgesetzt.

Der Wechsel in der Soko, Ungereimtheiten in den Akten: Hier ziehen die Autoren Parallelen zu Peggy. Sie haben einen Film geschaffen, der den Zuschauer lange verfolgt, der zum Nachdenken anregt: Was ist nur mit dem echten unsichtbaren Mädchen passiert, von dem seit elf Jahren jede Spur fehlt?

Eva Hutter

Ani: "Manchmal muss es wehtun"

Für ihr Drehbuch wurden Ina Jung und Friedrich Ani heuer ausgezeichnet. Die tz sprach mit Ani.

Welche Fakten haben Sie für den Film übernommen?

Friedrich Ani: Abläufe bei der Polizei. Einige Ungereimtheiten. Wenn man Details zu den Ermittlungen und den Verhören liest, ist es erschreckend, dass es überhaupt zu einem Prozess gegen Ulvi kam. Kann jemand verurteilt werden, wenn nicht einmal feststeht, ob das Kind wirklich ermordet wurde?

Sie thematisieren die Rolle der Politik: Der Innenminister will nicht, dass der Fall neu aufgerollt wird. Brisanter Stoff – sind Sie da nicht auf Widerstände gestoßen?

Ani: Nein. Ina Jung und ich haben heuer im Mai sogar den Bayerischen Fernsehpreis für unser Drehbuch bekommen – und den vergibt ja der Ministerpräsident. Vielleicht haben sich die Herren hinter den Kulissen die Haare gerauft. Aber sie haben nichts verlauten lassen.

An einigen Stellen ist der Film sehr brutal. Musste das sein?

Ani: Ja klar. Das ist eine brutale Geschichte, das ist ein brutaler Fall. Manchmal muss es wehtun. Da kann man keinen Kuschelkrimi erwarten. Das ist auch eine Herausforderung für den Zuschauer.

Sie spielen mit der Idee, dass Sina nach der Entführung gar nicht ermordet wurde. Glauben Sie, dass Peggy noch lebt?

Ani: Die Frage beantworte ich nicht. Aber wir haben uns im Drehbuch für eine Variante entschieden, die meiner Meinung nach nicht die unwahrscheinlichste ist.

Interview: EH

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