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„Ich nähere mich dem Text über den Körper“: Ralf Bauer (47) hat heute mit einem Stück über eine E-Mail-Beziehung in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere.

Premiere mit „Gut gegen Nordwind“

Ralf Bauer: „Dem Fernsehen fehlt die Risikolust“

München -  Der Schauspieler Ralf Bauer spricht im Interview über seinen Hang zum Theater, moderne Technik und die Münchner Premiere von „Gut gegen Nordwind“.

Ein Zweipersonen-Stück hat Hochkonjunktur: „Gut gegen Nordwind“ nach dem gleichnamigen Bestsellerroman des Österreichers Daniel Glattauer (Bühnenfassung: Ulrike Zemme und Daniel Glattauer) wurde zwischen Wien und Berlin in über vierzig Theatern gespielt. Inszeniert von Michael Kreihsl war es 2011 in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof zu sehen, mit Aglaia Szyszkowitz und Walter Sittler. Jetzt kehrt es in der Regie von Wolfgang Kaus hierher zurück. Ein gute Gelegenheit zu testen, ob diese durch einen Adresse-Vertipper entstandene, dann sich freundschaftlich-erotisch entwickelnde E-Mail-Beziehung mit der neuen Besetzung Ann-Cathrin Sudhoff und Ralf Bauer genauso spannend funktioniert.

-Haben Sie sich andere Inszenierungen angesehen?

Habe ich, sogar einige. Ich finde das immer interessant... Mir war das Stück ja mehrere Male angeboten worden, und ich lehnte immer ab. Schon beim Lesen kamen mir Zweifel, ob man so was umsetzen kann: zwei Menschen, die nur per E-Mail miteinander kommunizieren. Schließlich habe ich doch zugesagt, und zwar zeitgleich der Münchner Komödie und einem kleinen Theater in Karlsruhe, wo ich das Stück lange gespielt habe. Zu meiner Verwunderung war es immer ausverkauft.

-Eine Geschichte ganz ohne Blickkontakt mit dem Partner rüberzubringen, ist sicher nicht einfach...

Das ist anfangs etwas irritierend, aber man gewöhnt sich dran. Es gibt nur arge Probleme, wenn einer sich verhaspelt oder eine falsche Textstelle bringt. Im Normalfall gibt man ja selber beziehungsweise kriegt man vom Dialogpartner durch Blick oder Geste eine Warnung. Hier jedoch schickt man die Mail oder die Worte quasi via Publikum dem anderen zu. Die andere Sache: Es ist bei Glattauer wahnsinnig viel Text. Und obendrein, weil meist in Mail-Form, ein geschriebener Text. Dementsprechend muss er relativ schnell gesprochen werden, mit den Spielpausen natürlich. Da ist die Konzentration sehr hochgefahren. Für mich ist es dann sehr störend, wenn sich im Zuschauerraum etwas bewegt.

-Welche Rolle spielt denn die moderne Informationstechnik in Ihrem Lebent?

Ich habe gar kein normales Haustelefon mehr. Nur noch mein Handy. Mein ganzes Büro ist da drin und im PC. Wenn die Geräte irgendwann mal weg sein sollten, wäre das ein Desaster für die Steuer. Ich könnte überhaupt nichts mehr nachweisen. Die Abhängigkeit von der Technik hat tatsächlich überhandgenommen. Werbetechnisch nutze ich natürlich auch Facebook. Vor Monaten schon habe ich gepostet, dass im November „Gut gegen Nordwind“ in München läuft, mit einem Link zu dem entsprechenden Video-Clip, den die Komödie im Bayerischen Hof auf Youtube gestellt hat.

-Mit Regisseur Wolfgang Kaus haben Sie unter anderem beim „Urfaust“- und beim „Jedermann“ gearbeitet. Sie gelten schon als Team.

Wir nähern uns einem Text ganz unterschiedlich: ich über den Körper, die Emotion, Wolfgang, mit seinem feinen Gehör, über die Sprache. Für mich ist interessant, dass er dennoch vom Schauspieler ausgeht, ihm nichts überstülpt. Erst, wenn das Persönliche des Schauspielers durchstrahlen kann, fangen die Rolle und das Stück an zu schwingen.

-In Bill C. Davis’ „Der Priestermacher“, 2002 in der Münchner Komödie aufgeführt, waren Sie als rebellischer Seminarist dem „Priestermacher“ Joachim „Blacky“ Fuchsberger zugeteilt...

Wir hatten schon in den 90er- Jahren den Film „Tristan und Isolde“ zusammen gemacht. Um mit ihm zu proben, bin ich nach Tasmanien geflogen, wo er damals ein Haus hatte. Aber Blacky war praktisch schon endgeprobt. Und bei den Dreharbeiten blieb er sogar in den Umbaupausen hundertprozentig in der Rolle. Vor der Kamera arbeitet man ja meist technisch. Das heißt: Man bekommt zwecks Trauer etwas in die Augen gesprüht. Bei ihm kamen die Tränen ganz von alleine.

-Von „Tatort“ bis „Traumschiff“, von den „Pilcher“- und „Lindström“-Serien, Ihre TV-Filmografie ist eine Riesenlatte. Daneben auch viel Theater. Was ist Favorit?

Bei den heute eher nicht spannenden TV-Filmstoffen: das Theater. Dem Fernsehen fehlt der Mut zum Risiko. Es geht vor allem um die Quote. Das Theater hat mehr Mut, bietet auch komplexe Charaktere. Der Hamlet, das Abwägen zwischen Wollen und Nicht-Wollen, das wäre schon eine Wunschrolle. Am besten im Londoner Globe Theatre (grinst verschmitzt).

-Sie haben gerade in der englischen TV-Koproduktion „Unknown Heart“ gespielt. Sie engagieren sich mit anderen Künstlern in der Pflege-Kampagne „ganz jung. ganz alt. ganz ohr“, brachten drei Yoga-DVDs heraus und das Buch „Unterwegs zu mir – eine Reise auf der Spur des tibetanischen Yoga“. Bleibt noch Platz für Privatleben und Familie?

Eben nicht. Ich bin ständig unterwegs. Und nach Drehs oder Theatertourneen brauche ich einige Tage der Zurückgezogenheit, um all die Erfahrungen und Eindrücke zu verarbeiten. Das ginge nicht mit Frau und Kindern. Sokrates sagte übrigens: „Heirate oder heirate nicht – du wirst ein Problem haben.“

Das Gespräch führte Malve Gradinger.

Premiere ist heute; Vorstellungen bis 30. November,

Telefon 089/ 29 16 16 33

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