Denkmal für eine kindliche Heldentat

München - Im April 2007 offenbarte sich ein zwölfjähriger Bub in Berlin dem Jugendamt: Fast ein Jahr hatte er seine drei jüngeren Geschwister beinahe alleine versorgen müssen, weil die Mutter ihre Kinder im Stich gelassen hatte.

Die Polizei fand die Wohnung in verwahrlostem Zustand vor. Er sei mit der Situation überfordert gewesen, gestand der Junge. Es sei ihm auch peinlich gewesen, dass es in der Wohnung so dreckig sei. Der Fall erschütterte viele Deutsche, tagelang beherrschte das Thema die Medien.

"Tatort"-Regisseur Niki Stein verfilmte für die ARD "Der große Tom" nach einer wahren Begebenheit

Auch Regisseur Niki Stein dachte über die Geschichte nach. Er entwickelte in Windeseile die Story "Der große Tom" und setzte sie im Auftrag des Hessischen Rundfunks (hr) um, für den er bereits mehrere "Tatort"-Krimis drehte. Der Film wird heute um 20.15 Uhr von der ARD gezeigt. In den Rollen der Kinder sind Wolf-Niklas Schykowski (Tom), Elisa Schlott (Sophie) und Lotte Becker (Fanny) zu sehen, in weiteren Rollen Aglaia Szyszkowitz, Sandra Borgmann, Stephan Kampwirth, Herbert Knaup, Anke Sevenich, Anian Zollner und Therese Hämer.

Die Geschichte beginnt damit, dass der zwölfjährige Tom Berger regelmäßig zu spät zum Unterricht kommt. Die Lehrer bestrafen ihn, seine Mitschüler hänseln ihn dafür. Tom erträgt das alles tapfer. Was niemand ahnt: Er muss sich und seine beiden kleinen Schwestern Sophie (zehn Jahre) und Fanny (acht Jahre) alleine versorgen. Der Vater hat die Familie schon vor Jahren verlassen, und Barbara Berger (Aglaia Szyszkowitz), die Mutter der Kinder, kümmert sich immer seltener um sie. Ein paar Zettel mit kurzen Anweisungen, etwas Geld und gelegentliche Anrufe sind alles, was die Kinder noch von ihr erfahren.

Auch Cora (Sandra Borgmann), die in die Wohnung unter den Bergers einzieht, ahnt anfänglich nicht, was sich dort abspielt. Ihr geht nur der ständige Lärm der Kinder auf die Nerven. Auf ihr Drängen, mit der Mutter darüber sprechen zu wollen, erfindet Tom immer neue Ausreden. Erst nach und nach kommt Cora hinter das Drama und mischt sich ein.

"Als ich von einem kleinen Jungen in der Zeitung las, der es ein Jahr lang geschafft hat, sich und seine drei Geschwister alleine durchzubringen, ohne dass jemand die hoffnungslose Situation der Kinder auch nur erahnt hat, sagte ich mir, eine größere Heldentat ist kaum vorstellbar", erklärt Autor und Regisseur Stein. "Wenn Sie so wollen, möchte ich dieser ungewöhnlichen Leistung, zu der vielleicht nur Kinder fähig sind, ein Denkmal setzen." Kinder, so Stein, bewege die Angst, dass die Außenwelt das Versagen der familiären Strukturen bemerke.

Nach Angaben der zuständigen hr-Filmredakteurin, Inge Fleckenstein, hat sich Regisseur Stein zwar auf den Berliner Fall gestützt, doch sein eigenes Buch entwickelt. Die Kinder im Film befänden sich nicht in einem so verwahrlosten Zustand wie vor Jahresfrist in Berlin, auch die Mutter schaue häufiger vorbei. Mit Stein sei ursprünglich ein anderer Film, eine Komödie ("Der Tiger oder was Frauen lieben") vorgesehen gewesen, Stein habe aber den Vorschlag unterbreitet, den "Großen Tom" zu inszenieren, den er innerhalb kürzester Zeit zustande bekam. Der ARD-Termin war auch deswegen kein Problem, weil er ohnehin für das andere Projekt reserviert war. Die Komödie wird nun in den nächsten Wochen mit Herbert Knaup und Ben Becker in den Hauptrollen gedreht.

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