"Der Bergdoktor" - Neue Geschichten unter altem Namen

- Morgen sendet das ZDF um 20.15 Uhr die erste neue Folge der Serie "Der Bergdoktor". Moment ­ das Zweite? Waren die Geschichten um einen smarten Arzt im rauhen Gebirge nicht einst eine Sat.1- Produktion? "Ja", sagt man beim ZDF, aber jetzt sei doch alles anders.

Die Erfolgsgeschichte des "Bergdoktors" begann im Jahr 1992. Mit enormer Quote spielte sich der damalige Hauptdarsteller Gerhard Lippert durch die ersten vier Staffeln: Mehr als zehn Millionen Zuschauer hingen Woche für Woche vor den Geräten und verfolgten die Erlebnisse des Dr. Thomas Burgner. Auch Harald Krassnitzer, Lipperts Nachfolger als alpiner Mediziner, zog die Zuschauer in seinen Bann. Dennoch wurde die Reihe, die als eine der erfolgreichsten Unterhaltungsserien der deutschen Fernsehgeschichte gilt, im Jahre 1999 eingestellt. Als Grund nannte Sat.1, dass das Alter des Zielpublikums über dem Senderschnitt lag.

Im gleichen Jahr erwarb das ZDF die Senderechte für Deutschland und wiederholte sie ab Januar 2000. Die acht letzten Folgen wurden in Deutschland erstmals im Jahre 2005 auf Sat.1 ausgestrahlt. Jetzt hat man sich beim ZDF der Rechte am "Bergdoktor" erinnert und produziert frische Folgen auf eigene Rechnung. "Aber es ist nur der Titel gleich", erklärt ZDF-Sprecher Thomas Stange. "Sonst ist es eine komplett neue Geschichte." Davon, dass sich sein Sender an den Ideen der privaten Konkurrenz bedient, will er nichts wissen. "Von einer Angleichung kann man nicht sprechen." So sei nicht nur die Besetzung eine völlig andere, auch spiele die Geschichte nicht mehr im (fiktiven) Tiroler Sonnenstein (siehe Kasten). "Das Konzept eines Mediziners in den Bergen bleibt aber erhalten ­ das stimmt", sagt Stange.

Für den Pressesprecher steht fest, dass die Übernahme des Serienkonzepts des "Bergdoktors" eine singuläre Aktion ist. Doch auch das einstige RTL-Aushängeschild Linda de Mol wird mit ihrer früher sehr erfolgreichen Show "Traumhochzeit" im ZDF auftreten. Zwar ist bisher nur eine einzige Ausgabe (12. Mai, 20.15 Uhr) geplant, doch wenn die Quote stimmt...

Ganz so singulär ist die Adaption eines im privaten Fernsehen erfolgreichen Konzepts bei den Öffentlich-rechtlichen allerdings nicht. Der Trend begann schon vor einigen Jahren ­ damals noch langsam und relativ unbemerkt, als die ARD mit "Ma-rienhof" das Daily-Soap-Konzept kopierte. RTL hatte schließlich mit "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" vorgemacht, dass man mit bestenfalls mittelmäßigen Schauspielern und einem langatmigen Plot durchaus Zuschauer locken kann.

Auch das mit "Wer wird Millionär" von RTL wiederentdeckte Genre der Spielshows ­ einst eine originäre Domäne des gebührenfinanzierten Fernsehens ­ schwappte als "Das Quiz" zurück zur ARD. Vor eigentlich aus den privaten Kanälen bekannten Gesichtern schreckt man in der "ersten Reihe" ebenfalls nicht zurück. Wohl bekanntestes Beispiel ist Harald Schmidt. Zwar zu Beginn seiner Karriere ein reines Kind des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ("Schmidteinander"), feierte er seine anhaltendsten Erfolge bei der privaten Konkurrenz.

Dann rief die ARD, und "Dirty Harry" konvertierte ­ das Konzept allerdings blieb das gleiche. Die ARD ging später sogar noch so weit, den außerhalb seiner Pro7-Fangemeinde kaum bekannten oder gar relevanten Klamauk-Moderator Oliver Pocher mit zum alten Hasen Schmidt in die Sendung zu holen.

Damit sich Pocher nicht so alleine fühlt, bemächtigte sich die ARD rasch des Model-Beraters Bruce Darnell, nachdem dieser bei Pro7 geschasst worden war. Dort war er zum heimlichen Star der Casting-Serie "Germany's next Topmodel" an der Seite von Laufsteg-Herzchen Heidi

Klum aufgestiegen. Nun präsentiert er im Vorabendprogramm eine Styling-Show. Nach langem Zögern und Kritik übernahmen die Verantwortlichen bei ARD und ZDF auch den Quotenrenner Casting-Show. Um aber wenigstens den Anschein einer seriösen Veranstaltung zu wahren, werden keine Pop-Eintagsfliegen gesucht, sondern Musical-Stars.

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