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Sehen sich heftiger Kritik ausgesetzt: ANdreas Bourani, Jennifer Weist, Sido, Madeline Juno und Krand Sommermeyer, die Mitglieder der deutschen Jury beim diesjährigen Eurovision Song Contest.

Deutscher Teamchef Schreiber:

„Der ESC ist größer als die Zahl der Fans“

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München - Der jüngste Eurovision Song Contest (ESC) hat in Deutschland Uneinigkeit zwischen Jury und Fans offenbart. Die österreichische Siegerin Conchita Wurst bekam etwa von der deutschen Jury überhaupt keine Punkte.

Während die Zuschauer die spätere Siegerin Conchita Wurst aus Österreich per Telefon, SMS und App auf Platz eins wählten, kam die Drag-Queen bei der Fachjury nur auf Rang 11. Da nach den Wettbewerbsregeln jedoch nur die ersten zehn Platzierten Punkte erhalten, ging Österreich beim Votum der deutschen Experten, den Musikern Andreas Bourani, Jennifer Weist, Madeline Juno, Rapper Sido und Musikmanager Konrad Sommermeyer, leer aus. In das Gesamtergebnis fließen Zuschauer- und Juryurteil je zur Hälfte ein. Das erklärt, warum Conchita Wurst insgesamt nur sieben Punkte aus Deutschland erhalten hat (wir berichteten). Genau das erbost einige deutsche Fans, die den Siegertitel „Rise Like A Phoenix“ gerne mit mehr Punkten unterstützt hätten. Einige Jurymitglieder verteidigten ihr Abstimmungsverhalten (siehe Kasten). Über die Kontroverse sprachen wir mit Thomas Schreiber, deutscher ESC-Teamchef und Unterhaltungskoordinator der ARD.

Wie kam die Zusammensetzung der deutschen Jury zustande?

Die Arbeit an der Zusammenstellung der Jury findet über zwölf Monate in einem sechs-köpfigen NDR-Team, zu dem auch ich gehöre, statt – und beinhaltet zahlreiche Gespräche mit Künstlern, Managements, Musiklabeln und Rechtsanwälten.

Wäre es nicht zweckmäßig, bei der Auswahl der Juroren auf deren ESC-Affinität zu achten?

Eine möglichst große Bandbreite der „music industry professionals“ (Profis aus dem Musikgeschäft; Anm. d. Red.) ist das Ziel, genauso wie der ESC eine große Bandbreite zeitgenössischer Musik präsentieren möchte. Die Fans sind ein Teil des ESC, aber der ESC ist größer als die Anzahl der Fans, wie die knapp neun Millionen Fernsehzuschauer in Deutschland am Samstagabend bewiesen haben.

Verfügt eine sehr junge Künstlerin wie die erst im Jahr 1995 geborene Madeline Juno, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht, über die Möglichkeiten, um einen ESC-Beitrag kompetent beurteilen zu können?

Nach allen Erfahrungen bei Telefonabstimmungen ist ein junges Publikum, auch jünger als 18 Jahre, das abstimmungsaktivste Publikum – Madeline Juno saß dort als Vertreterin ihrer Generation. Und mit Verlaub: Welche 18-Jährige kann bereits über so viel Musikerfahrung – ein erfolgreiches eigenes Album geschrieben und produziert, Fernsehauftritte, Live-Konzerte in großen Hallen – vorweisen?

Warum saßen in der deutschen Jury keine Experten, die den ESC „von innen“ kennen?

Die fünf Jurymitglieder sollen laut der Regeln der EBU (die Europäische Rundfunkunion, das ist der Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Sender Europas, der den Song Contest veranstaltet; Anm. d. Red.) „music industry professionals“ sein, die sich „in terms of age, gender, and background“ unterscheiden. Der ESC ist keine reine Fan-Veranstaltung.

Verstehen Sie den Unmut einiger ESC-Fans über den krassen Gegensatz zwischen Zuschauer- und Juryvotum?

Schauen Sie sich doch mal das Urteil der österreichischen Jury zu Elaiza und das Televoting in Österreich an – das ist Ausdruck der erwünschten Vielfalt. Im Übrigen ist es absurd, den Sieg von Conchita Wurst als Zeichen der Toleranz in Europa zu feiern, andererseits aber vollkommen intolerant auf abweichende Meinungen zu reagieren.

Werden auch beim nächsten Song Contest die deutschen Punkte aus einem Mittelwert von Jury- und Fanvotum errechnet?

Zuschauervoting und Juryvoting werden von der EBU festgelegt und für 2015 nicht verändert.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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