ARD-„Tatort“ heute aus Münster: „Der Mann, der in den Dschungel fiel“ ist herrliches Seemannsgarn

Der neue Münsteraner „Tatort: Der Mann, der in den Dschungel fiel“ ist nicht nur was für Fans der Münsteraner. In einer Gastrolle glänzt Detlev Buck.
Mit Axel Prahl und Detlev Buck mal einen trinken gehen, das wäre ein Spaß. Muss gar kein Alkohol im Spiel sein, die zwei unterhalten auch bei Fanta und Currywurst. Und deshalb lebt die neue Folge des Münsteraner „Tatorts“ – „Der Mann, der in den Dschungel fiel“ – vor allem vom Zusammenspiel dieser beiden angenehm unaufgeregten Typen, bei denen man immer denkt: Die spielen nicht, die sind so.
Buck ist famos als Stan Gold, der einen Bestseller mit seinem Buch „Der Mann, der in den Dschungel fiel“ landete, in dem er einen Flugzeugabsturz über dem paraguayischen Regenwald und einen 15-jährigen Aufenthalt bei einem indigenen Volk verarbeitete. Man möchte diesem norddeutschen Seebären mit passendem Schnauzbart, der so unnachahmlich treudoof aus seinen Knopfaugen schauen kann, einfach alles glauben. Die Leute tun’s. Und weil er wirklich ganz herzig kindlich-fantasievoll immer neue in sich schlüssige Geschichten erfindet, gelingt es diesem Stan Gold, dass nicht nur Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl), sondern auch die Zuschauer ihre Zweifel an vermeintlichen Ungereimtheiten beiseiteschieben und ihm glauben. Drehbuchautor Thorsten Wettcke muss es eine diebische Freude gewesen sein, dieses Seemannsgarn zu spinnen. Und Buck, es derart selbstverständlich rüberzubringen. Etwa, dass er von einem gemeingefährlichen Mann namens Pablo verfolgt werde und deshalb dringend unter Polizeischutz gestellt werden müsse.
Dieser Münsteraner „Tatort“: ungelogen gut!
Regisseur Till Franzen beginnt den Film mit einem Paukenschlag. Besser: mit Schüssen, die Thiel treffen. Abgefeuert von einer vermummten Gestalt (Pablo?). Tot liegt der Kommissar am Boden. Schnitt. „Vier Tage vorher“ setzt die Handlung erneut an. Und obwohl die Münsteraner „Tatorte“ wie auch dieser ja immer eher Schmunzel- als nervenzerfetzende Krimis sind, fragt man sich mit dieser Anfangsszene im Hinterkopf dann doch manchmal, ob dieser Pablo, von dem Gold schwurbelt, vielleicht tatsächlich existiert.
Alles in allem gelingt dem Team ein Film, der auch denen gefallen könnte, denen die Münsteraner sonst zu albern sind. Selbst der von Liefers meist allzu überzeichnete Boerne steht in diesem Fall angenehm wenig im Fokus und zeigt zum Schluss überzeugend eine nachdenkliche, menschliche Seite des überheblichen Zynikers.
Den lustigsten Moment hat Mechthild Großmann
Die lustigste Szene aber gebührt Mechthild Großmann als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm. Die wird zu einem Verhör dazugebeten, weil die Festgenommene eine weibliche Person dabeihaben möchte. Wenn die junge Frau die Juristin anherrscht: „San Sie überhaupt a Frau?“ und die Großmann mit ihrer tiefen, zigaretten- und whiskygetränkten Stimme und einem Funkeln in den Augen zischt: „Was soll ich denn sonst sein?“, ist das genau die selbstironische Art, für die Millionen Zuschauer das Münsteraner Team lieben. Menschlich, herzlich, komisch, gut. Ungelogen.