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Nikolaus Brender erhält Rückendeckung von Chefredakteuren.

Deutsche Chefredakteure stärken Brender

Hamburg - Drei Tage vor der Entscheidung über die Zukunft von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hat er Rückendeckung von Kollegen und vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) erhalten.

17 deutsche Erstunterzeichner der im Frühjahr verabschiedeten Europäischen Charta für Pressefreiheit wandten sich am Dienstag in Hamburg in einer Erklärung gegen “einen massiven politischen Eingriff in die Unabhängigkeit“ des ZDF. Brender soll nach dem Willen von ZDF-Intendant Markus Schächter weitere fünf Jahre im Amt bleiben, konservative Politiker stellten sich gegen diese Absicht.

“Unabhängiger Journalismus in allen Medien ist frei von Verfolgung und Repressalien, ohne politische oder regulierende Eingriffe des Staates zu garantieren“, wurde aus der Charta zitiert. Die deutschen Erstunterzeichner appellierten an die politisch Verantwortlichen: “Respektieren Sie die im Grundgesetz verankerte Rundfunkfreiheit, respektieren Sie die Unabhängigkeit der Medien von politischen Einflüssen und respektieren Sie den Willen des ZDF-Intendanten Markus Schächter, den Vertrag von Nikolaus Brender zu verlängern!“

Roland Koch ist gegen Brender

CDU-Politiker, allen voran Hessens Ministerpräsident Roland Koch, hatten sich gegen eine Vertragsverlängerung für Brender ausgesprochen, unter anderem wegen der Quotenentwicklung im ZDF- Informationsbereich. Koch ist gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, der am Freitagnachmittag im Einvernehmen mit dem ZDF-Intendanten, wie es in den Statuten heißt, die Personalentscheidung treffen wird. Neun von 14 Mitgliedern müssen die Vertragsverlängerung beschließen, neun von ihnen sind aber auch dem konservativen Lager zuzurechnen.

Die Unterzeichner der Erklärung sind: Thomas Osterkorn, Andreas Petzold, Hans-Ulrich Jörges und Hans-Martin Tillack (“Stern“), Mathias Müller von Blumencron und Hans-Ulrich Stoldt (“Der Spiegel“), Christoph Keese (Axel Springer AG), Thilo von Trott (Gruner+Jahr), Matthias Naß (“Die Zeit“), Hendrik Ankenbrand (“Frankfurter Allgemeine Zeitung“), Clemens Wergin (“Die Welt“), Harry Nutt (“Frankfurter Rundschau“), Steffen Klusmann (“Financial Times Deutschland“), Peter-Mathias Gaede (“Geo“), Bascha Mika (Publizistin, früher “taz“), Michael Rediske (Reporter ohne Grenzen), Hendrik Zörner (Deutscher Journalisten-Verband).

Warnung an die Konservativen

Der DJV-Vorsitzende Michael Konken warnte Koch und die anderen Mitglieder des ZDF-Verwaltungsrats “noch einmal eindringlich davor“, sich zu einer Verletzung der im Grundgesetz verankerten Rundfunkfreiheit im Fall Brender hinreißen zu lassen. “Der unabhängige Chefredakteur, der Herr Brender ist, darf nicht zugunsten eines parteiischen Chefredakteurs verdrängt werden“, sagte Konken.

“Sollte der Verwaltungsrat tatsächlich nicht davor zurückschrecken, den Willen des ZDF-Intendanten zu ignorieren und den Vertrag von Nikolaus Brender nicht zu verlängern, dann wäre das ein beredtes Beispiel für den niedrigen Stellenwert der Rundfunkfreiheit im Denken prominenter Parteipolitiker in Deutschland.“ Eine klare Absage erteilte der DJV-Vorsitzende auch einer möglichen Kompromisslösung, Brenders Vertrag nur um ein Jahr zu verlängern - diese Gerüchte kursierten vor wenigen Tagen und wurden rasch dementiert. “Das wäre ein fauler Kompromiss und würde sowohl Nikolaus Brender als Person als auch das Amt des ZDF-Chefredakteurs beschädigen.“

dpa

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