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„Wer wird Millionär“ feiert 10. Geburtstag.

„Die beste Vorbereitung ist Zeitunglesen“

München - Günter Schröder denkt den ganzen Tag über originelle Aufgaben nach. Er ist Chef der „Mind the Company“, die für Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ Fragen entwickelt.

Wenn Günter Schröder (45) morgens zum Bäcker geht und einen Bagel (amerikanische Semmel) bestellt, kann es vorkommen, dass er sich denkt: „Mensch, eine Frage zum Bagel wäre auch mal interessant.“ Günter Schröder und seine neun Kollegen denken den ganzen Tag über originelle Aufgaben nach. Er ist Chef der Firma „Mind the Company“, die für Günther Jauchs „Wer wird Millionär?“ Fragen entwickelt.

„Wer wird Millionär“ feiert 10. Geburtstag. Dann können Sie sich ja jetzt langsam zurücklehnen und einfach alte Fragen wiederholen, oder?

Das ist nicht möglich, weil uns die Zuschauer und Kandidaten relativ schnell aufs Dach steigen und uns vorwerfen würden, dass uns nichts Neues mehr einfällt. Simples Wiederholen ist auch unmöglich, weil viele gesendete Fragen online bei RTL im „Trainingslager“ nachgespielt werden können. Manchmal melden sich Zuschauer, die meinen „Diese Frage gab es schon mal“. Das stimmt dann nicht. Es gab keine einzige Frage, die wir genauso noch einmal gespielt hätten.

Also ist Ihr Job heute wesentlich schwieriger als vor knapp zehn Jahren...

Der Aufwand ist mittlerweile erheblich größer geworden. Als die Sendung 1999 anfing, gab es drei Autoren, mittlerweile sind es zehn Leute. Von zehn Ideen, die man hat, wandern inzwischen sechs oder sieben gleich wieder in die Tonne, weil eine entsprechende Frage schon so ähnlich existiert.

Wie kurzfristig werden die Fragen konzipiert?

Wir besprechen zunächst intern, ob eine Frage für die Sendung geeignet ist, danach gibt es einmal in der Woche eine Abnahme mit RTL und Endemol, um die Fragen zu überprüfen. Das ist unter anderem sinnvoll, weil wir hier intern manchmal vielleicht dazu neigen, Dinge vom Schwierigkeitsgrad her zu niedrig anzusetzen, da wir uns eben den ganzen Tag mit nichts anderem als „Wissen“ beschäftigen. Wenn die Frage von Sender und Produzent abgenommen wurde, wird sie noch gecheckt, dann wandert sie in den Sendepool. Im günstigsten Fall wird eine Frage also mittwochs geschrieben, donnerstags intern diskutiert, freitags bei RTL abgenommen, dienstags in der Aufzeichnung verwendet und schon am Freitag darauf gesendet. Der Vorlauf kann also relativ kurz sein.

Wie bereitet man sich am Besten vor als Kandidat?

Wenn Kandidaten fragen, wie sie sich vorbereiten sollen, sage ich immer „Zeitung lesen!“. Das ist die größte anzunehmende Dummheit, wenn die Leute nicht wissen, was in den Pop-Charts oder den Bestsellerlisten angesagt ist, was gerade in der Bundesliga oder beim Biathlon passiert. Wenn man als Kandidat in die Sendung geht, muss man einfach die Tagespresse und zumindest eines der großen wöchentlichen Magazine gelesen haben, oder die Nachrichten via TV oder Internet gründlich verfolgen. Mit Lexikon-Wissen allein kommt man nicht bis zur Million.

Also hat sich „Wer wird Millionär“ verändert?

Ja. Von Cäsar und Karl dem Großen haben wir eben vermutlich schon fast alles gefragt, was man fragen kann. Also geht es häufiger um zeitgeschichtliche Ereignisse.

Und wenn etwas zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung passiert?

Zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung gestorben ist uns nur einmal jemand: Das war Rudolph Moshammer. Es ging um Moshammers Hund Daisy, und die Antwortmöglichkeiten waren „berühmte Herrchen und ihr Hund“. Er war gar nicht die Lösung, sondern eine der Alternativen. Moshammer kam einen Tag vor der Sendung zu Tode.

Eine ganz banale Frage: Wie kommen Sie eigentlich auf die Fragen?

Es ist ein assoziativer Prozess. Man sieht im Alltag etwas und denkt sich, da könnte man mal eine Frage draus machen. Ob das auch wirklich eine Frage wert ist, ergibt sich dann im Abstimmungsprozess mit den anderen Kollegen. Wir haben dafür aber alle eine gute Antenne, denke ich. Durch die langjährige Quiz-Erfahrung bekommt man zudem auch für die Einschätzung des Schwierigkeitsgrades ein sicheres Gefühl – mit der oben genannten kleinen Einschränkung.

Und welche Fragen machen die meiste Arbeit?

Wir brauchen natürlich rein mengenmäßig mehr leichte Fragen – wortspielerische Dinge, die einem im Alltag begegnen. Banales Beispiel: Hier (zeigt auf Süßigkeiten in einer Schale) liegt ein Mars, schon hat man eine Planeten-Frage mit Mars, Snickers, Bounty und Twix. Millionenfragen sind hingegen eine seltene Spezies – die findet man nicht jeden Tag, aber wir brauchen sie eben auch sehr viel seltener.

Wie lässt sich definieren, wie viel eine Frage wert ist?

Den Schwierigkeitsgrad einer Frage kann man häufig über die Antwort-Alternativen steuern. Die sind unter Umständen wichtiger für die Einordnung einer Frage als die formulierte Frage selbst. Beispiel: Wie heißt das Verkehrszeichen, das in der Straßenverkehrsordnung die Nummer 201 trägt? Das weiß kein Mensch. Wenn aber als Antwortalternativen Fadenkreuz, Hohlkreuz, Bundesverdienstkreuz, Andreaskreuz vorgegeben sind, dann wird es leicht.

Die Millionenfrage ist dann aber doch schon eher eine schwierigere Lexikon-Frage, oder?

Nicht unbedingt. Wir hatten einmal eine Millionenfrage, in der es darum ging, welche der beiden Bee-Gees-Zwillinge sind. Das ist sicherlich aus dem Bereich Triviales, aber die Bee Gees sind natürlich auch eine Hausnummer. Nach Paris Hilton würden wir höchstwahrscheinlich nicht fragen, wenn es um eine Million Euro geht. Zumindest noch nicht – vielleicht leistet sie ja noch etwas von bleibender Relevanz für diese Welt.

Interview: Thomas Lückenrath

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