+
Streit zwischen Schwestern: Johanna (Anna Schudt, li.) hat ein behindertes Kind – Ella (Petra Schmidt-Schaller) will durch medizinische Hilfe gesunde Kinder bekommen. Unterstellt sie damit, dass Johannas Sohn nicht lebenswert ist?

Interview

Petra Schmidt-Schaller: „Ich würde ein Kind mit Downsyndrom nicht abtreiben"

  • schließen

München - Petra Schmidt-Schaller über Präimplantationsdiagnostik und die Frage, was man fürs Elternglück riskieren sollte.

Ella und ihr Mann Marcus wünschen sich ein Kind, doch Ella ist Überträgerin der Erbkrankheit Duchenne, an der Lennart, Sohn ihrer Schwester Johanna, leidet. Mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik wird Ella mit gesunden Zwillingen künstlich schwanger. Nicht nur ihr Umfeld sieht das kritisch, auch das Verhältnis der Schwestern ist durch „Ellas Entscheidung“ extrem belastet. Petra Schmidt-Schaller spielt die Hauptrolle in Brigitte Berteles Fernsehfilm. Schmidt-Schaller (35) war zunächst am Nationaltheater Weimar engagiert, einem großen Publikum bekannt wurde sie durch ihre Rolle im Kinofilm „Ein fliehendes Pferd“ (2007), es folgten unter anderem „Sommer in Orange“ (2008) von Marcus H. Rosenmüller, der Fernsehfilm „Das geteilte Glück“ (2010) und zuletzt die Rolle der „Tatort“-Ermittlerin Katharina Lorenz an der Seite von Wotan Wilke Möhring.

Was hat Sie an der Figur der Ella gereizt?

Es war weniger die Figur der Ella als das Thema. Als mir die Rolle angeboten wurde, war das Buch allerdings noch ein ganz anderes als das, das dann verfilmt wurde.

Was wurde geändert?

Einiges. Die Rolle der Schwester war noch nicht so groß, und es war alles sehr informationslastig. Es wurde viel gesprochen über die Präimplantationsdiagnostik, darüber hinaus gab es kaum echte Spielszenen. Aber die Autorin Kristin Derfler war da sehr aufgeschlossen, und alle zusammen haben wir was Tolles hingekriegt, finde ich.

Der gravierendste Vorwurf, mit dem Ella konfrontiert wird, ist der, dass sie gemeinsam mit den Ärzten im medizinischen Sinne defektes Genmaterial aussortiert und damit sozusagen „Gott spielt“. Wie stehen Sie zu dieser Problematik?

Meine Position hat sich durch die Beschäftigung mit dem Thema geändert. Vorher dachte ich: Die Präimplantationsdiagnostik ist super. Und dabei dachte ich nicht an Designerbabys, sondern daran, dass Familien, in denen es eine Erbkrankheit gibt und die sich deswegen entschieden haben, keine Kinder zu bekommen, jetzt die Möglichkeit haben, ein Kind in den Armen zu halten, das diese Erbkrankheit nicht hat. Heute weiß ich, dass die Entscheidung schwieriger ist, als man denkt. Wenn es sich um eine Krankheit handelt, die früh zum Tod führt, finde ich es legitim, dies durch die Medizin abklären zu lassen. Aber was ist, wenn die Lebenserwartung 10, 15, 20 oder mehr Jahre beträgt? Ich glaube, dass nicht nur Kindern das Leben geschenkt wird, die sonst nie geboren worden wären, sondern dass auch die Eltern an einer solchen Aufgabe wachsen, auch wenn am Ende Krankheit und Tod stehen.

Sie würden Präimplantationsdiagnostik für sich selbst nicht nutzen?

Es kommt auf die Art und Weise der Behinderung an. Als ich mit meiner Tochter schwanger war, war mir jedenfalls klar, dass ich kein Kind mit Downsyndrom abtreiben würde. Ich kenne einen Betroffenen, der mittlerweile 46 Jahre alt ist – wenn ich ihm begegne, geht die Sonne auf. Wenn ich abgetrieben hätte, hätte ich das Gefühl gehabt, mit meiner Abtreibung auch diesem Menschen das Leben zu nehmen.

Was soll der Film bewirken?

Ich würde mir wünschen, dass die Zuschauer danach mehr Verständnis haben für die Betroffenen – sowohl für die, die die Präimplantationsdiagnostik nutzen, als auch für die, die ein Kind haben, das an einer Erbkrankheit leidet. So etwas kann ja auch eine Beziehung enorm belasten.

Auch im „Tatort“ haben Sie sich ernsten Themen zugewandt. Nach nur sechs Folgen sind Sie dort jedoch wieder ausgestiegen – warum?

Es gab zwei Gründe: Zum einen habe ich gemerkt, dass mein Lebens-Arbeits-Verhältnis nicht mehr stimmt. Ich wollte neben dem „Tatort“ auch noch andere Filmprojekte machen und war zu lange von zu Hause weg. Ich war nur noch Wochenendmama. Und zum anderen wollte ich dieser Katharina Lorenz nicht noch länger begegnen. Für mich war da eine Reise zu Ende. Ich war auch ganz froh, dass durch den Weggang möglich war, die Beziehung der beiden Kommissare zueinander so in der Schwebe zu lassen, wie sie zuletzt war. Das hätte man bei einer Fortsetzung fortspinnen müssen oder ganz beiseite schieben. So fand ich es am besten.

Viele Kolleginnen und Kollegen sehen den „Tatort“-Kommissar als eine Art Lebensstellung, die Sicherheit gibt.

Finanziell ja, schauspielerisch nicht. Was hat man da zu verlieren? Ich wünsche mir, noch bis ins hohe Alter als Schauspielerin arbeiten zu dürfen, und denke, dass mit einer Rolle aufzuhören auch die Chance bietet, andere Rollen zu spielen. Das lässt mich gelassen sein.

Ihr Vater Andreas Schmidt-Schaller ist Schauspieler, Ihre Mutter Christine Krüger Schauspielerin und Regisseurin. Ihr eigener Kindheitstraum war die Schauspielerei nicht. Was hat den Umschwung bewirkt?

Mein Austauschjahr in den USA. Vorher kannte ich dieses Milieu sozusagen immer nur von hinter den Kulissen, ich konnte die Begeisterung überhaupt nicht nachvollziehen. Ich war auch in keiner Kindertheatertruppe, hab’ auch als Kind nie vor der Kamera gestanden.

Waren auch nie Klassenkasper?

Nein, nicht wirklich. Und dann war ich in Amerika, in der Highschool, da gab es Theater als Unterrichtsfach. Und ich habe schnell gedacht: Boah, ist das toll! Nach einem Vierteljahr war ich mir sicher, dass ich das beruflich machen will. Ich habe meine Mutter angerufen und gesagt: Mama, ich werde Schauspielerin! Es entstand eine ganz lange Pause, und dann sagte sie: „Du kommst zurück, machst Abitur, und dann kannste machen, was du willst.“ Diesen Deal haben wir gehalten.

Und wie hat Ihr Vater reagiert?

Naja, geheuer war es ihm nicht. Er hatte Bedenken, dass ich es als Frau in dem Beruf doch schwer haben könnte. Talent allein reicht ja nicht, man braucht auch Glück. Aber nachdem das doch recht gut läuft mittlerweile, sind meine Eltern ganz froh, glaube ich.

Manche spielen im Theater jahrelang die größten Rollen und bleiben der Masse unbekannt, andere werden mit einem einzigen Film zum vergötterten Star – ist das nicht ungerecht?

Wie man das empfindet als Schauspieler, hängt doch von einem selbst ab. Wer diesen Beruf, wer das Spielen liebt, dem ist es egal, wie bekannt er ist. Wer als Schauspieler gerne berühmt werden will, für den ist es natürlich problematisch, wenn er die großen Film- und Fernsehrollen nicht bekommt.

Sie bekommen sie und werden vermutlich längst auf der Straße erkannt.

Ja, und das zu akzeptieren hat eine Weile gedauert. Ich habe die Anonymität früher schon sehr genossen und fände es schön, mich manchmal einfach unsichtbar machen zu können. Aber das ist eben der Preis des Erfolges. Bei meinem Papa habe ich das früher furchtbar gefunden. Der war so bekannt in der DDR, alle wollten ein Autogramm von ihm. Das ist bei mir Gott sei Dank nicht so extrem.

Das Gespräch führte

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das ging zu weit: Elvers-Ex mit fieser Breitseite gegen Knappik
Sarah Knappik musste bei Promi Big Brother immer wieder ordentlich einstecken. Was sich allerdings nun ein Mit-Kandidat leistete, ging einen Schritt zu weit.
Das ging zu weit: Elvers-Ex mit fieser Breitseite gegen Knappik
Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Es geht schon wieder los: Promi Big Brother bittet erneut mehr oder minder bekannte Stars in den Container und sperrt hinter diesen ab. Wer bei der aktuellen Staffel …
Promi Big Brother: Wer ist raus? Wer ist noch dabei?
Schuhbecks neues Kochbuch: Diesmal wird‘s neubayerisch
Alfons Schuhbeck ist mit neuem Kochbuch zurück im Fernsehen.
Schuhbecks neues Kochbuch: Diesmal wird‘s neubayerisch
Küsse und Stöhnen unter der Decke: Erster Sex bei Promi Big Brother? 
Hat es jetzt den ersten Sex bei Promi Big-Brother gegeben? Die TV-Zuschauer sahen, wie zwei Kandidaten unter der Decke verschwanden.
Küsse und Stöhnen unter der Decke: Erster Sex bei Promi Big Brother? 

Kommentare