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"Die Folgen der Tat", ein Film von Julia Albrecht und Dagmar Gallenmüller, wird am Mittwoch (27.05.15) um 22:45 Uhr im ERSTEN gezeigt.

ARD zeigt „Die Folgen der Tat“

Doku über Angehörige der RAF-Terroristin Susanne Albrecht

München - Die ARD-Dokumentation „Die Folgen der Tat“ porträtiert die Angehörigen der früheren RAF-Terroristin Susanne Albrecht.

Sie war die Türöffnerin für ein Verbrechen. Die Hamburger Anwaltstochter Susanne Albrecht, damals 26, nutzte die Freundschaft zwischen beiden Familien, um am 30. Juli 1977 den RAF-Terroristen Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar Zutritt zur Villa des Bankiers Jürgen Ponto (53) in Oberursel bei Frankfurt am Main zu verschaffen. Geplant war eine Entführung, am Ende war Ponto tot. Wie lebt Albrechts Familie mit dieser Tat? Haben die Eltern Schuld, dass es so weit kam? Tragen gar die Geschwister Mitverantwortung? Susanne Albrechts Schwester Julia, die schon im Jahr 2011 gemeinsam mit Pontos Tochter Corinna das Aufarbeitungsbuch „Patentöchter“ herausgebracht hat, setzt sich in ihrem Dokumentarfilm „Die Folgen der Tat“ (ARD, heute, um 22.45 Uhr) sehr persönlich mit diesen Fragen auseinander.

„Für uns war das ein Thema, das erzählt werden muss. Es ist Teil unserer Geschichte“, sagt Jutta Krug, die verantwortliche Redakteurin des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Der 51-jährigen Juristin und Journalistin Julia Albrecht geht es in dem Film nicht um die Rolle, die ihre heute 64-jährige Schwester Susanne in jenem „Deutschen Herbst“ in der Terrorbande Rote Armee Fraktion (RAF) spielte. In Gesprächen vor allem mit ihrer Mutter und dem älteren Bruder, mit Briefen und Erinnerungen des inzwischen verstorbenen Vaters zeichnet sie gemeinsam mit Co-Regisseurin Dagmar Gallenmüller nach, wie die Familie an der eigenen Geschichte fast zerbricht.

„Für mich war Susanne die Zerstörerin unserer Familie“, sagt der Bruder einmal: „Ich habe mich als Opfer gefühlt, aber als Opfer zweiter Klasse.“ Er suchte Abstand durch einen Umzug nach Spanien. Die dritte, älteste Schwester lebt in Paris. Sie wollte nicht vor die Kamera.

Umso intensiver ist das Gespräch mit der Mutter. Zwei Tage lang ließ sich die damals 84-jährige Dame (von anonymen Anrufern „Mördermutter“ genannt) fast gnadenlos von ihrer Tochter befragen. Wie konnte sie so „abgründig naiv“ sein, Susannes Abgleiten in die terroristische Szene nicht zu bemerken? Selbst als die Studentin im Jahr 1974 wegen Sprengstoffschmuggels verhaftet wird, glaubt die Mutter noch ihre Lügen. „Man kann ein Kind ja nicht verstoßen“, sagt sie.

Die wohl schlimmste Zeit für die Familie waren die Jahre nach der Tat, in denen Susanne mit Hilfe der Stasi in der DDR untertauchte, heiratete und ein Kind bekam. Über 13 Jahre gab es kein Lebenszeichen von ihr. „Jahrelang fuhr ich blauen Käfern hinterher, weil das ihr letztes Auto war“, erzählt die Mutter. Nach der Wende wird Susanne verhaftet. Als Kronzeugin kommt sie mit einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe davon, nach sechs Jahren wird sie vorzeitig entlassen. Seither lebt sie unter anderem Namen in Norddeutschland.

„Susanne spricht nicht über das Geschehene, jedenfalls nicht öffentlich“, sagt ihre Schwester. „Und unsere Versuche im Privaten sind irgendwann kläglich gescheitert.“ Eine Beteiligung am Film lehnte die frühere Terroristin ab. Und auch die Mutter machte vorübergehend einen Rückzieher – das Projekt lag jahrelang auf Eis. Dennoch hielten die Verantwortlichen an der Umsetzung fest. „Wir haben keinen voyeuristischen Film über Susanne Albrecht gemacht, sondern einen Film über die Familie“, sagt Produzent Thomas Kufus: „Und die Familie hat ein Recht auf ihre Geschichte.“

Von Nada Weigelt

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