"Die Mehrheit wünscht nicht nur Schlager"

München - Viele Hörer von Bayern 1 sind der Meinung, dass der Sender zu viel englischsprachige Musiktitel spielt, und sind davon genervt. Sie wünschen sich mehr deutsche Schlager und mehr Volksmusik. Susanne Zimmer leitet seit 1. Januar 2006 den Programmbereich Bayern 1 im Bayerischen Rundfunk und ist damit verantwortlich für die inhaltliche Gesamtkomposition des Senderprofils.

- Zu viel englischsprachige Musik, zu viel Werbung und zu seichte Unterhaltung - so lauten die Vorwürfe der Hörer an Bayern 1. Sind diese Kritiker eine Minderheit?

Mehr als 2,3 Millionen Menschen hören uns täglich. Ich denke, diese Zahl spricht für sich. Und nach der zweimal jährlich durchgeführten Hörerbefragung der sogenannten Mediaanalyse hat Bayern 1 in der Publikumsgunst nicht ab-, sondern deutlich zugenommen.

- Nach welchen Kriterien stellen Sie das tägliche Radioprogramm zusammen?

Bayern 1 versteht sich als ein öffentlich-rechtliches Mehrheitsprogramm. Unseren Auftrag erfüllen, heißt Menschen erreichen! Damit fühlen wir uns dem Mehrheitsgeschmack genauso verpflichtet wie den speziellen Wünschen von Teilen unseres Publikums. Information mit regionalen Schwerpunkten - so schalten wir stündlich von 6.30 Uhr bis 16.30 Uhr in unsere sechs Regionalstudios, zusätzlich zur regionalen Mittagsstunde ­, Servicethemen aus der Lebenswelt unserer Hörer und abwechslungsreiche Musik, das sind die drei Säulen unseres Programms.

- Ist es nicht Sinn und Zweck, dass der gebührenfinanzierte Rundfunk - im Gegensatz zu privaten Sendern - nicht kommerziell funktionieren und sich daher also auch nicht unbedingt am Mehrheitsgeschmack der breiten Masse orientieren muss?

Gebührenfinanzierter Rundfunk heißt nicht, nur Spartenprogramme anzubieten. Natürlich ist auch eine öffentlich-rechtliche Mehrheitswelle dem Geschmack der breiten Masse verpflichtet. Gerade weil unsere Hörer unser Programm mitfinanzieren, müssen wir ein Programm für die Mehrheit machen.

- Sind deutsche Schlager und Volksmusik schlechter als englischsprachige Lieder?

Bei Musik geht es nicht um besser oder schlechter, sondern um beliebter oder weniger beliebt. Wir versuchen den Spagat, den Musikgeschmack eines 50-Jährigen genauso zu treffen wie den einer 70-Jährigen. Darum bieten wir eine große musikalische Vielfalt von englischen und romanischen Oldies über deutsche Schlager bis hin zur Volks- und Blasmusik in eigenen Sendungen.

- Ist es nicht eine Stärke des BR, mit seinen Wellen ein völlig unterschiedliches Publikum ansprechen zu können? Müssten die jeweiligen Profile nicht klarer voneinander abgesetzt werden?

Der Bayerische Rundfunk insgesamt steht für Qualität. Unter diesem Aspekt versuchen wir, mit unseren fünf Hörfunk-Programmen die verschiedensten Publikumsschichten anzusprechen. Letztendlich entscheidet sich der Hörer, welches Programm des Bayerischen Rundfunks er einschaltet.

- Was spricht gegen Bayern 1 als reinen Sender für deutsche Schlager und Volksmusik?

Vieles! Weder ist Bayern 1 ein reiner Musiksender noch wünscht sich die Mehrheit nur Schlager oder nur Volksmusik. Welche musikalische Heimat würden wir dann dem Gros unseres Publikums, der Mehrheit der Gebührenzahler bieten? Musikalische Vielfalt einerseits, ein mehrheitsfähiges Musikprogramm andererseits - das ist für mich die Philosophie einer öffentlich-rechtlichen Mehrheitswelle.

Das Gespräch führte Michael Schleicher

Wut auf Bayern 1

Seit Wochen tobt die Auseinandersetzung auf den Leserbrief-Seiten unserer Zeitung. Hier machen zahlreiche enttäuschte Hörer von Bayern 1 ihrem Unmut über die Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Radiowelle Luft. Der häufigste Vorwurf lautet dabei: Der Sender spiele zu viel englischsprachige Musik. Schmerzlich vermisst werden dagegen deutsche Schlager sowie Volksmusik. Außerdem wird die angeblich ausufernde (Eigen-)Werbung des Senders und die Qualität von dessen Unterhaltungsbeiträgen wie den fränkischen Tanten "Waltraud und Mariechen" immer wieder kritisiert.

Zeitungsleser, die gerne Bayern 1 einschalten und den Sender vor der teils harsch formulierten Kritik in Schutz nehmen, sind dagegen eher in der Minderheit. Als Alternative wird von den Kritikern des Programms im Übrigen immer wieder das Umschalten auf Radio Salzburg empfohlen.

Bayern 1 wird nach eigenen Angaben täglich von über zwei Millionen Hörern eingeschalten. Diese sind im Durchschnitt 58 Jahre alt. Nach der jüngsten Mediaanalyse, die im März 2007 durchgeführt wurde und alle Radiosender in Deutschland umfasste, konnte der Sender seinen Marktanteil im Vergleich zur letzten Erhebung deutlich steigern.

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Musik auf Bayern 1

Dokumentation der Titel, die am Montagabend zwischen kurz nach 21 Uhr bis kurz nach 22 Uhr auf Bayern 1 gespielt wurden:

- "Venus" (Shocking Blue)

- "San Bernadino" (Christie)

- "Das Mädchen Carina" (Roy Black)

- "When you say nothing at all" (Ronan Keating)

- "LA International Airport" (Susan Raye)

- "Sunny Afternoon" (Kinks)

- "Erinnerung" (Angelika Milster)

- "Manic Monday" (Bangles)

- "If you could read my mind" (Spotnicks)

- "Telegramm aus Tennessee" (Peggy March)

- "On the border" (Al Stewart)

- "Rum and Coca Cola" (Andrews Sisters)

- "Nikita" (Elton John)

- "Mandolinen und Mondschein" (Peter Alexander)

- "Red Roses for a blue lady" (Vic Dana)

- "Knockin' on heaven's door" (Bob Dylan)

-  "Who'll stop the rain" (Creedence Clearwater Revival)

- "'74 - '75" (Connells)

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