"Die Quote rechtfertigt nicht jedes Mittel"

Köln - Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) geht hart mit "Deutschland sucht den Superstar" ins Gericht: Das Format beeinträchtige die Entwicklung junger Menschen. Außerdem droht RTL nun ein Bußgeld in Höhe von 100 000 Euro, weil die Sendung wiederholt gegen die KJM-Regeln verstoßen hat.

Nicht zum ersten Mal fängt sich der Kölner Privatsender wegen seiner "Superstar"-Casting-Show Ärger ein. Schon bei den vergangenen Staffeln hatten Medienwächter immer wieder Chef-Juror Dieter Bohlens oft deftige Ausdrucksweise und die schlechte Behandlung von jugendlichen Bewerbern angemahnt. Das setze sich in der aktuellen Staffel fort.

"Beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten werden genau wie in der letzten Staffel als Normalität dargestellt", empört sich der Vorsitzende der KJM und Präsident der BLM (Bayerische Landeszentrale für Medien), Wolf-Dieter Ring. "So werden Verhaltensmodelle vorgeführt, die den Erziehungszielen wie Toleranz und Respekt entgegenwirken und eine desorientierende Wirkung auf Kinder ausüben."

Diesmal wollen es die Medienwächter aber nicht bei einer reinen Ermahnung belassen. Sie fordern 100 000 Euro Strafe für RTL. Denn geht es nach der KJM, hat RTL in der aktuellen Staffel "DSDS" ­ nicht zum ersten Mal ­ gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen, weil "aufgrund der Inszenierung durch RTL eine Entwicklungsbeeinträchtigung von Kindern unter zwölf Jahren vorliegt", monierten die Jugendschützer gestern in München. Das Bußgeld kann aber erst nach einer Anhörung des Senders verhängt werden.

Was der KJM besonders sauer aufstößt, ist nicht nur das Verhalten von Bohlen und dem Rest der Jury, Anja Lukaseder und Andreas Läsker, sondern auch die redaktionelle Gestaltung der Casting-Auftritte durch RTL, die "die Kandidaten gezielt lächerlich machte und damit dem Spott eines Millionenpublikums aussetzte". Dies erfolge zum Großteil durch die Einblendung von Untertiteln und Animationen durch die Redaktion. So werden beispielsweise bei "DSDS" durch Kamerawackeln Erdbeben simuliert, wenn übergewichtige Kandidaten den Raum betreten.

KJM-Chef Ring kritisierte außerdem, dass es RTL "trotz wiederholter Aufforderungen der Medienwächter anlässlich des Prüfverfahrens zur vierten Staffel von ,DSDS ìm vergangenen Jahr unterlassen hat, das Format vor Ausstrahlung der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) zur Prüfung vorzulegen", wie es hieß. Er forderte, dass derartige Formate überwacht werden müssen: "Nur bei einer vorherigen Prüfung kann eine Selbstkontrolle präventive Wirkung entfalten."

Bayerns Familienministerin Christa Stewens begrüßte die KJM-Entscheidung: "Kinder und Jugendliche werden in diesem Sendeformat gezielt erniedrigt. Das verstößt gegen die Menschenwürde." Der Jugendschutz müsse von den Sendern ernster genommen und als "scharfes Schwert" begriffen werden, so die Politikerin. "Die Quote rechtfertigt nicht jedes Mittel." Die Höhe des Bußgeldes von 100 000 Euro hält Stewens für gerechtfertigt.

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