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Emmanuel Peterfalvi.

„Die sprachen nur über Sex“

Emmanuel Peterfalvi alias Alfons über seine Erlebnisse mit „Puschel TV“

Orangefarbene Trainingsjacke, ausgefranster Notizblock und das Mikrofon mit puscheligem Windschutz – das sind die Markenzeichen des französischen Kabarettisten Emmanuel Peterfalvi alias Alfons. Mit starkem Akzent und pseudo-naiven Fragen entlockt der 42-jährige gebürtige Pariser seinen deutschen Gesprächspartnern seit Jahr und Tag Erstaunliches.

Zunächst waren seine skurrilen „Umfragen“ nur Höhepunkte von Sendungen wie „Zak“, „Panorama“ oder „Verstehen Sie Spaß?“. Seit Januar präsentiert Alfons seine (Meinungs-)Forschungsreisen durch Deutschland im Rahmen seiner eigenen Sendung „Puschel TV“, die nach einem Probelauf im SWR- und WDR-Fernsehen nun den Sprung ins Erste schaffen soll. Heute um 0.35 Uhr läuft die erste von sechs Folgen.

Bei der Wahl des Sendeplatzes für „Puschel TV“ war die ARD nicht mutig. Wer schaut Ihnen werktags nach Mitternacht noch zu?

Alle, die dazu Lust haben, und alle, die an dem Experiment teilnehmen wollen, wie gut sie arbeiten, wenn sie in der Nacht davor wenig Schlaf hatten. (Lacht.). Dieser Sendeplatz ist der Sendeplatz der ARD für innovative Unterhaltung, wo auch Ina Müller und Kurt Krömer laufen. Da passt „Puschel TV“ gut hin. Klar wäre ein früherer Zeitpunkt besser. Wenn ich mir andererseits überlege, dass ich vor 18 Jahren hergekommen bin, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, und jetzt meine eigene Sendung in der ARD habe, dann freue ich mich total.

Wie kommt ein Franzose ins deutsche Fernsehen?

Fernsehen zu machen war immer mein Traum. Dass ich nach Deutschland gekommen bin, war Zufall. Als ich beim französischen Pay-TV-Sender Canal plus gearbeitet habe, stand ich eines Tages vor der Frage, ob und wo ich meinen Militärdienst ableisten soll. Canal plus schlug mir vor, im Ausland für den Sender zu arbeiten, das werde als Ersatzdienst anerkannt. Damals hat sich Canal plus gerade am Aufbau von Premiere beteiligt. So habe ich meinen Militärdienst in Hamburg – damals war Premiere in Hamburg – abgeleistet. Und als er nach 16 Monaten beendet war, hat mich Premiere angestellt.

Und Sie zu Umfragen auf die Straße geschickt?

Nein, ich war als Redakteur beschäftigt, hinter der Kamera. Aber dann hatte ich den Wunsch, vor der Kamera aufzutreten. Alle sagten: „Du bist ja wahnsinnig, Du kannst doch nicht einmal Deutsch!“ Ich habe mir gesagt: Das stimmt, aber vielleicht ist gerade das meine Stärke. Und dann habe ich mit Kollegen, die auch Lust hatten zu experimentieren, abends nach der Arbeit eine Sendung produziert, eine Collage von Kuriositäten aus dem deutschen Fernsehen, lustig anmoderiert, so ähnlich wie das, was heute Stefan Raab bei Pro Sieben macht. Mit Erlaubnis des Premiere-Programmdirektors haben wir die Sendung Friedrich Küppersbusch angeboten – und der war begeistert. So wurde daraus eine Rubrik seiner ARD-Sendung „Zak“.

Was wollen Sie herausfinden über die Deutschen und was ihnen zeigen?

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass man zu mir sagt: „Du als Franzose in Deutschland, das geht doch gar nicht, die Deutschen sind doch total banal und langweilig und können keinen Spaß haben.“ Ich habe immer gewusst, dass das nicht stimmt, schon weil es nicht sein kann, dass ich seit 18 Jahren in einem langweiligen Land lebe. Mit dieser Sendung will ich beweisen, dass es ganz einfach ist, Deutschland zu lieben, weil es hier so tolle Menschen und so viele interessante Dinge gibt. Ich zeige, dass man mit Alfons sogar in einer deutschen Behörde viel Spaß haben kann.

Oft will man gar nicht glauben, dass die Reaktionen echt sind und nicht inszeniert. Wie lange dreht man an einem Beitrag?

Tierisch lange. Um einen Film von drei Minuten zu machen, brauche ich zehn Stunden Drehzeit. Außerdem muss eine Geschichte vorbereitet, das Material muss gesichtet und geschnitten werden, manchmal zeige ich eine Version, die ich okay finde, noch einem Testpublikum, und dann wird der Film vielleicht noch mal umgeschnitten. Eigentlich schön, dass es immer so aussieht, als mache das alles keine Arbeit. Aber das stimmt nicht.

Was ist das überraschendste Ergebnis Ihrer jüngsten Studien?

Beispielsweise wollten wir eine Sendung über Liebe machen, über das pure Gefühl, eine Sendung, in der Sex nicht vorkommt. Wir dachten, das schaffen wir, indem wir ein altes Paar finden, zwei 90-Jährige, die sich erst mit 80 verliebt haben. Dann haben wir – übrigens in München – tatsächlich zwei Menschen gefunden, Max und Emma. Die sind 90 und 80 und haben sich vor zehn Jahren kennengelernt. Voller Begeisterung bin ich zum Drehen gefahren, und die beiden waren auch supernett – aber sie haben die ganze Zeit nur über Sex gesprochen.

Und die schlimmste Erfahrung in der letzten Zeit?

Ich habe eigentlich nie Probleme mit meinen Gesprächspartnern, die Figur Alfons ist ja recht sympathisch. Viele, vor allem ältere Leute, wollen mir etwas schenken oder bieten an, mir eine neue Jacke zu stricken. Aber vor kurzem habe ich in Ludwigsburg einen Käseladen entdeckt. Der gehört einer Französin. Ich habe sie ein bisschen befragt, und plötzlich hat sie mich rausgeschmissen. Mich, mein Team und mein Puschelmikrofon. Da bekomme ich das erste Mal Ärger – und dann ausgerechnet mit einer Französin!

Gespräch: Rudolf Ogiermann.

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