"Die Stein": Alle Probleme weggelächelt

Köln - Die Lehrerserie "Die Stein" verzeichnete bisher Traumquoten. Wie kommt es, dass das scheinbar reizlose Thema Schule so viele Menschen vor den Fernseher lockt?

Sie lächelt immer: ob sie im verführerischen Badekleid einem brandenburgischen See entsteigt; ob sie Reitlehrer Hagen bittet, mit seiner Kutsche rechts ranzufahren; ob sie erwartungsvoll ihr Hotel betritt, in dem Noch-Ehemann Oliver sie mit ihrer Schwester betrügt; ob sie ein ernstes Wörtchen mit ihrer krassen zehnten Klasse redet oder nach einem Kreislaufkollaps in Ohnmacht liegt.

Dieses schier unaufhaltsame Lächeln, das einen als Fernsehzuschauer schnell betört und langsam langweilt, hat "Die Stein", toughe Heldin der gleichnamigen ARD-Hauptabendserie, deren fünfte Folge heute Abend (ARD, 20.15 Uhr) zu sehen ist, ihrer Darstellerin Julia Stemberger zu verdanken. Die trägt das fröhliche Zwinkern naturgemäß im Gesicht und ist daher eine Idealbesetzung für die Rolle der Katja Stein. Denn die Serienantwort auf die Frage "Warum lächelt die Stein?" ist schlicht, aber essenziell: weil sie Lehrerin ist.

Dieser Beruf ist, schenkt man dem "Hanni-und-Nanni"-Image, das die Serie vermittelt, Glauben, der Inbegriff des erfüllenden sozialdramatischen Abenteuers. In Kollegium und Klasse dampfen die Klischees; Folge für Folge die tollsten Potsdamer Hiobsbotschaften, vom zaghaften Selbstmordversuch bis zur vorgegaukelten Vaterschaft.

Und auch privat hat Katja Stein einige Feuertaufen zu bestehen, während sie vom kitschig platten Glück ins kitschig platte Unglück und zurück katapultiert wird.

An ihrer Seite: 16 pubertäre 16-Jährige, die ihrer lieben, alle Probleme scheinbar weglächelnden Lehrerin ein Ständchen rappen. Und zumindest drei überzeugende Typendarsteller in Nebenrollen: Irm Hermann als korrekte Schulsekretärin mit aufmüpfigem Innenleben; Petra Kleinert als Biologiekollegin mit üppigem Herz; Thomas Schendel als Dr. Kanther: hartschalig und weichkernig.

Ist diese Serie denn realistisch? Nein. Soll sie denn realistisch sein? Nochmals nein. Das beweisen auch die hervorragenden Quoten (über fünf Millionen Zuschauer, zwischen 18 und 19,5 Prozent Marktanteil). Schließlich hat der deutsche Fernsehzuschauer auch Heinz Rühmanns schmachtenden Feuerzangenbowlentraum von 1944 längst noch nicht ausgeträumt.

Problemklassengangs hat auch Hollywood schon erfolgreich vermarktet, und Robert Atzorns teils bis zur Peinlichkeit überzogene Auftritte als "Unser Lehrer Doktor Specht" (1992 bis 1999, ebenso dienstags am Vorabend, allerdings des ZDF) sind vielen ebenfalls noch gut im Gedächtnis. "Die Stein" tritt, bewaffnet mit einer zusätzlichen Portion brandenburgischer Heimatromantik, mitten in diese Tradition. Und sie spricht damit erst einmal jeden an, der einst selbst eine Schule besucht hat und entweder tatsächlich glaubt oder sich zumindest wünscht, er hätte mehr erlebt als Langeweile und Logarithmen.

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